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Ärger um Netzausbau : Der Widerstand gegen Ultranet-Trasse wächst

  • -Aktualisiert am

Ärger um das Netzausbauprojekt Ultranet: Gemeinden und Städte drohen mit Klage. Bild: dpa

Die Bundesnetzagentur plant bis 2023 in Hessen eine Ultranet-Gleichstromtrasse. Doch es gibt erbitterten Widerstand gegen die Pläne. Mehrere Städte und Gemeinden drohen mit Klage.

          Der Widerstand gegen die geplante Ultranet-Trasse, die die Kommunen Idstein, Hünstetten, Eppstein und Niedernhausen tangiert, wird intensiver. Sowohl der Rheingau-Taunus-Kreis als auch die betroffenen Städte und Gemeinden haben der planenden Bundesnetzagentur mit einer Klage gedroht, wenn auf ihre Forderungen zur Stromtrasse nicht eingegangen werde. „Von unserer Seite steht das Angebot an die Bundesnetzagentur für konstruktive Gespräche, in denen wir die berechtigten Hinweise, Forderungen und Einwendungen von unserer Seite ganz klar darlegen und begründen, oder die Agentur lässt uns keine Alternative, und wir müssen den Klageweg gemeinsam beschreiten“, stellte Landrat Frank Kilian (parteilos) klar.

          Gemeinsam mit den Bürgermeistern Christian Herfurth aus Idstein, Jan Kraus aus Hünstetten und Joachim Reimann aus Niedernhausen bekräftigte Kilian seine Absicht, im Notfall Planung und Verlauf der umstrittenen Trasse von den zuständigen Gerichten überprüfen zu lassen. „Wir sind es unserer Bürgerschaft im Idsteiner Land, wo die Trasse verlaufen soll, schuldig, dass wir uns für deren Interessen einsetzen“, ergänzte Bürgermeister Kraus und kündigte an, dass er sich dagegen wehren werde, dass die Bevölkerung als „Versuchskaninchen“ missbraucht werde.

          Nach Auskunft der Bürgermeister verwende die Bundesnetzagentur bei der Planung der Trasse veraltetes Kartenmaterial. So sei beispielsweise die Theißtalschule in Niedernhausen nicht eingezeichnet. Zudem sollen Ultranet-Leitungen auf Masten schon bestehender Wechselstrom-Trassen angebracht werden. Diese Trassen würden aber teilweise direkt über der Wohnbebauung oder in unmittelbarer Nähe von Häusern verlaufen.

          Die Kommunalpolitiker sprechen von elementaren Mängeln in der Planung und fordern unter anderem, dass die Stromleitung entlang der A 3 unter der Erde verlegt werde. „Wir wollen das Projekt nicht aufhalten, sondern setzen uns wie die Bürgerinitiativen, die wir an unserer Seite wissen, für sinnvolle Lösungen ein“, sagte Bürgermeister Reimann. Für den Fall, dass ein Erdkabel ausgeschlossen werde, verlangen die Politiker eine Verlegung der Masten und damit der Stromleitung. Ziel ist, die Trasse in einem möglichst weiten Abstand zu Wohnhäusern verlaufen zu lassen. „Die Trasse muss raus aus der Wohnbebauung“, stellte Bürgermeister Herfurth klar.

          Betriebsbereit bis 2023

          Derzeit läuft die Bundesfachplanung, die den Korridor der Ultranet-Gleichstromtrasse festlegt. Die Leitungen sollen über eine Strecke von etwa 340 Kilometern laufen und eine Übertragungsleistung von zwei Gigawatt haben. Dabei durchzieht die Ultranet-Trasse auf ihrer Strecke von Osterrath bis Philippsburg Teile des Rheingau-Taunus-Kreises. 2023 soll sie in Betrieb genommen werden und damit die Stromversorgung im Süden Deutschlands sicherstellen, denn 2022 werden die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet. Federführend ist die Amprion GmbH als Netzbetreiber. Insgesamt betreibt Amprion Stromnetze mit einer Gesamtlänge von mehr als 11.000 Kilometern.

          Der Widerstand entlang der geplanten Trasse im Kreis wächst auch bei den betroffenen Menschen. Die Bürgerinitiative aus Niedernhausen und Eppstein hat fast 1800 Unterschriften an die Petitionsausschüsse des Bundestages und des Hessischen Landtags übergeben. Die Initiative fordert, dass die Trasse einen Mindestabstand von 400 Metern zu Wohnhäusern einhält. Die Bürger fürchten gesundheitliche Schäden, weil es bisher keine Forschungen zu dieser Übertragungstechnik gebe. Erklärungen der Bundesnetzagentur über die „Unbedenklichkeit dieser Technik“ bezeichnete die Bürgerinitiative als „fehlerhaft und verharmlosend.“ Die Trassen-Gegner fordern, die Vorschriften des hessischen Landesentwicklungsplans einzuhalten. Dort sei klar geregelt, dass Höchstspannungs-Gleichstromtrassen einen Mindestabstand von 400 Metern zur Wohnbebauung einzuhalten hätten.

          Die Kritiker des Projekts fordern einen Abstand von 400 Metern zwischen Stromtrasse und Wohnhäusern.

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