Alles in allem war der März ein guter Monat. Ein guter Monat für Frankfurt, die Stadt. Aber auch für Frankfurt, die Metropole. Denn das will die Stadt am Main ja schließlich sein. Im Konzert der Großen mitspielen und sich mit New York, Paris und London messen. Daß gerade die letztgenannte Hauptstadt in den vergangenen Wochen wieder nicht so recht mitspielen wollte, ist traurig - aber eigentlich nichts weiter als ein Schönheitsfehler. Denn abgesehen von der Übernahme-Pleite von Börsenchef Werner Seifert, lief es im März wirklich erstaunlich rund für Frankfurt.
Da war vor allem diese Umfrage. Mercer Human Resource Consulting, ein echter "global player", ein Beraterunternehmen von Rang, einer von den ganz Großen, also diese Firma konstatierte Mitte des Monats in einer Studie, daß Frankfurt bei der Lebensqualität vor allen anderen deutschen Städten liegt. Von München und Düsseldorf einmal abgesehen - die haben angeblich seit dem vergangenen Jahr aufgeschlossen und liegen nun wegen ein paar internationaler Schulen und einer besseren Abfallbeseitigung gleichauf mit unserem Finanzplatz. Aber sonst: alles unter "ferner liefen". Auch international. Denn von den Städten dieser Welt beurteilten die Berater nur Genf, Zürich, Vancouver und Wien besser - von New York, Paris oder London weit und breit nichts zu sehen.
Was soll bloß aus den anderen Metropolen im nächsten Jahr werden? Dann haben wir womöglich ein schwimmendes Freibad auf dem Main. Und eine Flotte von hochmodernen Main-Taxis, welche die internationalen Besucher der Fußballweltmeisterschaft von einer Ecke der Skyline zur anderen schippern. Und wenn dann noch das Wetter mitspielt und uns einen so schönen Frühlingsanfang wie im gerade vergangenen März beschert, ja, dann können die anderen sogenannten Weltstädte wirklich einpacken.
Reik Schaab, der Wetterfachmann, der uns jeden Monat die Daten von der Meßstation am Flughafen zusammenstellt und interpretiert, der wußte diesmal jedenfalls viel Gutes zu berichten: Verhältnismäßig warm war es im März, sehr trocken und sonniger als gewöhnlich. Was darüber hinaus allerdings besonders hoffnungsvoll stimmt, ist die Tatsache, daß der vergangene Monat genau die Einstellung gezeigt hat, die unserem Land momentan zur Weltklasse fehlt: Er hat sich zusammengerissen. Nach einem extrem kalten und winterlichen Start hat er sich auf seinen Auftrag als Frühlingsmonat besonnen und dann mit "dauerhafter Milde" - so formuliert es Wetterexperte Schaab - das Frühjahr eingeläutet.
So kam es, daß die Durchschnittstemperatur, der man nach der lausigen Kälte zu Beginn des Monats noch einen Minusrekord zugetraut hätte, am Ende 6,5 Grad erreichte und damit 1,3 Grad über dem langjährigen Mittelwert landete. Das ist um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, daß München nur auf lächerliche 4,5 Grad kam und daß die Meßstation am Flughafen vor der Temperaturwende nicht nur zehn Frosttage, sondern auch einen sogenannten Eistag registrierte - der letzte derartige Märztag mit dauerhaften Minustemperaturen liegt immerhin schon acht Jahre zurück.
Internationale Frühlingsstandards auch beim Niederschlag: Mit 13,8 Millimetern lag die Monatssumme nicht nur weit unter dem Normalwert (51,1 Millimeter), sondern sicher auch kaum höher als in den mediterranen Metropolen Rom oder Athen. Auf Rhein-Main wurde seit 1949 nur sechsmal im März weniger Niederschlag gemessen - der trockenste der trockenen war allerdings der März 1950: Damals fielen im ganzen Monat nur vier Millimeter Regen. Gutes hatte Wetterfachmann Schaab auch von der Sonne zu berichten: 120,9 Stunden strahlte der Fixstern im März auf die Region. Das sind zwar nur vier Prozent mehr als die langjährige Durchschnittsbestrahlung von 116,4 Stunden, lobenswert ist diese Leistung natürlich dennoch. Und außerdem schien die Sonne an fast jedem Tag des Monats, nämlich an 28 Tagen - normalerweise sind es drei weniger.
So sonnig könnte es für Frankfurt weitergehen. Vielleicht lassen sich von der Aufbruchsstimmung ja sogar die Jungs von Friedhelm Funkel anstecken. Im März haben sie sich endlich wieder passabel geschlagen und die Chancen für den Wiederaufstieg gewahrt. Wäre doch auch zu schade, wenn die Eintracht-Kicker in der nächsten Saison in ihrer schönen neuen "Commerzbank-Arena" wieder nur gegen zweitklassige Gegner wie Köln, Duisburg oder Saarbrücken antreten könnten. Eine Weltstadt braucht schließlich auch eine Weltklasse-Mannschaft - so wie München zum Beispiel.. PETER BADENHOP