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Wer an einer Scheidung verdient Trennungsgeschäfte

 ·  Wenn eine Ehe scheitert, können viele daran verdienen. Ist der Brautstrauß verwelkt und der Rosenkrieg ausgebrochen, führt der Gang zum Scheidungsanwalt und der Umzugswagen fährt vor. In manchen Fällen werden sogar Detektive und Therapeuten zu Rate gezogen.

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Die Nummer ist unterdrückt, als das Telefon klingelt. *XXX* steht im Display. Am anderen Ende meldet sich Jochen Meismann, 50 Jahre alt, mit einer Stimme weich wie Butter. Er arbeitet seit 31 Jahren als Detektiv, leitet mittlerweile die Detektei APlus. „Ein Viertel unserer Fälle sind zwar Beziehungskisten“, sagt er. „Aber von Scheidungen allein könnten wir nicht leben.“

25 Prozent der Fälle, in denen er und sein Team ermitteln, sind private Angelegenheiten. „Meist haben die Frauen und Männer, die uns anrufen, eine Liste an Auffälligkeiten erstellt, sich genau aufgeschrieben, in welchen Situationen der Ehemann oder die Ehefrau sich merkwürdig verhalten hat.“ Schon Kleinigkeiten, wie dass der andere das Handy plötzlich mit ins Bad nimmt, können den Partner zweifeln lassen.

Hohe Erfolgsquote am Valentinstag

Was folgt, ist Kontrolle: Das reicht vom kurzen Blick in den SMS-Eingang oder den Terminkalender bis zum genauen Protokollieren des Kilometerstandes. Wenn das, was der Partner sagt, nicht mit dem eigenen Gefühl übereinstimmt, bringen Meismanns fünf Detektive im Großraum Frankfurt Licht ins Dunkel. „Jeweils zu zweit beobachten wir den möglichen Fremdgänger, verfolgen ihn verdeckt und erfassen mit Fotos oder Videoaufnahmen so gut es geht, was er wann und wo tut.“ Und vor allem mit wem. Oft ist die Untreue schon nach zwei oder drei Observationen bewiesen, je nach Ausgangslage kann es Jahre dauern. Vom Zeitaufwand hängen die Kosten ab: 600 Euro in einem einfachen Fall, fünfstellig kann es werden, wenn die Umstände kompliziert sind. Meismann schätzt den Preis für den geforderten Beweis im Schnitt auf 3000 Euro.

Die meisten seiner Klienten sind Männer, die ihrer Noch-Gattin Untreue nachweisen wollen, weil im Falle einer Scheidung der Ehevertrag zu ihren Gunsten greift. Den Frauen, erzählt Meismann, ginge es eher um Sicherheit. Sie wollten wissen, ob sie betrogen wurden oder nicht. Besonders gefragt sind er und seine Mitarbeiter zur Faschingszeit und am 14. Februar - dann, am Tag der Verliebten, ist übrigens auch ihre Erfolgsquote am höchsten.

Vom Herzen zum Anwalt

Dass man nicht mehr verliebt ist, dass eine Beziehung dem Ende entgegen taumelt, das merkt einer der Partner früh“, sagt Hannelore Otto. „Das kommt von hier.“ Sie zeigt auf ihr Herz. Die Rechtsanwältin und Notarin sitzt hinter ihrem Schreibtisch im Frankfurter Norden, streicht sich die kurzen rotbraunen Haare aus der Stirn. „Wenig später folgt häufig der Gang zum Anwalt.“ Otto ist 63 Jahre alt, in Frankfurt geboren, hat dort Jura studiert. In ihren 35 Jahren als Rechtsanwältin hat sie etwa 13000 Scheidungen begleitet.

Die wenigsten dieser Paare hätten sich auf einen Ehevertrag verlassen - zu wenige findet Otto. Denn mit solchen Kontrakten ließen sich einige Streitereien vermeiden. Wenn die Paare sich für einen Vertrag entschieden, dann auch erst nach der Hochzeit: Davor käme es einem Vertrauensbruch gleich, das Scheitern einzukalkulieren. Gründe, eine Ehe aufzulösen, gibt es viele, aber am Ende stehe die gleicher Erkenntnis: „Es geht so nicht mehr.“ Es geht nicht mehr, weil der Partner in einer neuen Beziehung ist. Es geht nicht mehr, weil der andere alkoholabhängig oder spielsüchtig ist, und es unmöglich ist, weiter mit ihm zusammen zu leben. Es geht nicht mehr, weil die Beziehung Belastungen nicht mehr aushält. Belastungen, weil Geld fehlt, weil die gemeinsame Zeit knapp ist; Druck, weil der Alltag die Partnerschaft zermürbt.

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07.02.2013, 18:08 Uhr

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