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Veröffentlicht: 16.09.2012, 21:03 Uhr

Weltkunstschau Documenta 13 schließt mit Besucherrekord

860.000 Besucher wollten die Weltkunstschau in Kassel sehen, so viele wie nie zuvor. Die große Zahl an Dauerkarten zeigt: Die Documenta ist nach beinahe 60 Jahren in Kassel angekommen.

von , Kassel
© dpa Nach 100 Tagen schließt sie wieder ihre Pforten: documenta (13).

Das Museum der hundert Tage hat mit einem Besucherrekord gestern um 20 Uhr in Kassel für fünf Jahre seine Türen geschlossen. 860.000 Besucher hatten die Weltausstellung zeitgenössischer Kunst bis dahin gesehen. Hinzu kamen einige tausend Presse- und Fachbesucher. Das waren 110.000 Besucher oder vierzehn Prozent mehr als vor fünf Jahren. Nahezu ein Drittel der Besucher der Documenta 13 war jünger als 30 Jahre, die durchschnittliche Besuchszeit ist auf drei Tage gestiegen. Die Zahl der verkauften Dauerkarten nahm um 112 Prozent auf 12.500 zu.

Vom 9. Juni an hatte die Leiterin der Ausstellung, Carolyn Christov-Bakargiev, mehr als 300 Künstler und andere Teilnehmer ihre Arbeiten an mehr als 60 Ausstellungsorten in Kassel sowie an den Außenstandorten Kabul, Kairo-Alexandria und Banff zeigen lassen. Zum ersten Mal hatte die Documenta ihren Standort während der Ausstellungszeit erweitert und zeitgleich eine Ausstellung in Kabul veranstaltet. Vom 20. Juni bis zum 19. Juli hatten mehr als 27000 Besucher die Ausstellung der Documenta 13 in den Bagh-e-Babur-Gärten und dem Queenspalace gesehen. Es war eines der herausragenden Ereignisse in der Post-Taliban-Ära.

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Besuche, „um dabei das Empfinden von Zeitdruck zu brechen“

Für die Besucher, sagte Carolyn Christov-Bakargiev, die wegen ihres auf Deutsch offenbar schwer auszusprechenden Namens vielfach CCB genannt wurde, zum Abschluss, „war die Documenta 13 keine Tagesveranstaltung. Die Ausstellung hat für die Besucher vielmehr eine Form von lebender Kultur repräsentiert, die zum Leben der Menschen gehört und in wiederholten Besuchen erkundet wird, um dabei das Empfinden von Zeitdruck zu brechen, die Zeit und das Empfinden von Kunst befreien zu lassen.“

Ohne Frage hat die Ausstellung die Besucher angesprochen und immer wiederkehren lassen. Davon zeugten nicht nur die Warteschlangen, die sich bis zum letzten Tag in einem großen Bogen über den barocken Friedrichsplatz oder in Schleifen im Kulturbahnhof bildeten. Vor allem die Zahl der etwa 12.500 Dauerkarten zeigt, dass so viele Besucher wie noch nie zuvor wiederkehrten und während der 100 Tage immer stets Neues zu entdecken fanden oder an ihre Lieblingsorte zurückkehrten. Die Documenta 12 vor fünf Jahren hatte - zum Vergleich - 5700 Dauergäste an sich binden können. Die große Zahl an Dauerkarten zeigt auch: Nicht nur die Documenta ist nach beinahe 60 Jahren in Kassel angekommen, sondern die Kasseler und ihre unmittelbaren Nachbarn, die vor allem die Dauerkarten gekauft haben dürften, sind auf der Documenta angekommen.

In Kassel begannen die Deutschen den Anschluss an die Zeit zu finden

Bis dorthin war es ein weiter Weg. Arnold Bode hatte die erste Documenta 1955 parallel zur Bundesgartenschau in Kassel arrangiert. Die Gartenbauausstellung, die bewusst in der besonders schwer zerstörten Stadt ein Zeichen des Wiederauflebens setzen sollte, mag Bode gehofft haben, werde genügend Besucher anziehen, die auch noch Zeit haben würden neben den Blumen jene Kunst zu betrachten, die die Nationalsozialisten einst als entartet aus Deutschland verbannt hatten. Bodes Konzept ging auf. In Kassel begannen die Deutschen den Anschluss an die Zeit zu finden. Es blieb nicht bei einer Documenta, deren Name wohl die Pluralbildung des Wortes Documentum ist. Es gibt also weder Documentae, noch Documentas oder Dokumenten, sondern allein Documenta-Ausstellungen.

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