Die Villa mit der Adresse Schaumainkai 29 präsentiert sich, von vielerlei Einbauten und Sichthindernissen befreit, als unaufdringliches Ausstellungsgehäuse. Zugleich hat sie dank der umfassenden Renovierung, für die das Kulturdezernat etwa eine halbe Million Euro aufbrachte, im Inneren ihre bürgerliche Großzügigkeit zurückgewonnen.
Nun ist das Stadthaus, eines von dreien, in denen das Weltkulturen-Museum seit vielen Jahren provisorisch untergebracht ist, tatsächlich wieder eine jener Perlen in der Kette, die gerne als Metapher für die am Frankfurter Museumsufer aneinandergereihten Villen und ambitionierten architektonischen Ausstellungsgebäude herangezogen wird. Vom 24. Januar an wird in der Villa die Schau "Objekt Atlas - Feldforschung im Museum" gezeigt. Ein Jahr lang haben sich Künstler mit der in Depots verborgenen Sammlung des ethnologischen Museums beschäftigt, einzelne Stücke ausgewählt und sie mit ästhetischen Mitteln kommentiert.
Fragezeichen hinter Projekt
Das Ergebnis wird in der Ausstellung zu sehen sein. Wie auch Zeichnungen von Alf Bayrle, der als Zeichner für das einstige Völkerkundemuseum arbeitete und etwa bei einer Expedition nach Äthiopien steinerne Stelen an Ort und Stelle mit dem Zeichenstift erfasste, die später als Teil der Sammlung nach Frankfurt kamen.
Die Ausstellung, mit der die Museumsleiterin Clémentine Deliss erstmals an eine größere Öffentlichkeit herantritt, versteht sich als Hinweis auf Rang und Umfang einer Sammlung, für die selbst großbürgerliche Gemächer keinen hinreichenden Platz bieten. Weshalb für sie seit mehr als einem halben Jahrhundert neue Räume gesucht werden. Mehrere Anläufe scheiterten, einmal wurde das Vorhaben gestoppt, als schon die Bagger bereitstanden.
Jetzt scheint das Projekt schon wieder in Frage zu stehen. Die finanziellen Verhältnisse der Stadt führen zu Zweifeln. Sie sind da und dort schon offen geäußert worden, letzthin von Olaf Cunitz, dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Römer. Er bildet mit CDU-Fraktionschef Helmut Heuser, Personaldezernentin Manuela Rottmann (Die Grünen) und Kämmerer Uwe Becker (CDU) eine regelmäßig tagende Kommission, die seit etwa zwei Monaten über die Sparmöglichkeiten im städtischen Haushalt nachsinnt. Im Februar sollen die Vorschläge auf den Tisch kommen.
Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) weiß, dass auch ihn einiges erwartet. Der Kulturetat wird wohl nicht verschont werden, wenn es um Einsparungen geht. Die Erweiterung des Weltkulturen-Museum sieht er allerdings nicht bedroht. Die Stadtverordnetenversammlung hatte am 16. Juni vorigen Jahres Planungsmittel zur Verfügung gestellt, etwa sieben Millionen Euro.
"Jetzt wird intensiv an der Bau- und Finanzierungsvorlage gearbeitet", sagte Semmelroth gestern auf Anfrage. "Es gibt intensive Gespräche zwischen Architekten, Museumsleitung und Kulturamt, auch mit dem Bestreben, die Grobkostenschätzung von 80 Millionen, die die Diskussion nicht gerade erleichtert hat, erheblich zu reduzieren." Er habe diese Summe von vornherein als überzogen angesehen, äußerte der Stadtrat. "Aber wenn so etwas einmal in der Welt ist, kommen Sie als Politiker nicht wieder davon weg." Qualitative Einbußen bei der Museumskonzeption solle es jedoch nicht geben.
Raumprogramm verrkleinert
"Die gegenwärtige Beschlusslage ist klar und eindeutig: Der Entwurf von Kuehn Malvezzi soll verwirklicht werden. Die Bau- und Finanzierungsvorlage wird alles bis hinters Komma genau regeln." Er rechne mit Kosten zwischen 60 und 65 Millionen Euro. Das Raumprogramm werde da und dort verkleinert, das betreffe aber nicht die Räumlichkeiten für Sonder- und Dauerausstellungen: "Es geht ja im Wesentlichen darum, die Sammlung zu präsentieren. Dieses Museum wird eine sehr, sehr wichtige Rolle nicht nur am Museumsufer, sondern für Frankfurt als Kulturstadt spielen."
Vorschlägen, den Standort zu ändern, erteilte der Kulturdezernent abermals eine Absage: "Wir haben ein Wettbewerbsergebnis. Wenn wir den Standort ändern würden, müsste es ein völlig neues Verfahren geben, eine neue Ausschreibung, einen neuen Wettbewerb. Was neue Kosten mit sich brächte." Vorgaben, das Museum weitgehend unterirdisch im Sachenhäuser Museumspark zu bauen, habe es nicht gegeben. "Eine große Mehrheit der Jury war für diesen Entwurf. Und der Beschluss der Stadtverordneten war einer für diesen Entwurf und für diesen Standort." Die Erweiterung, die seit Jahren diskutiert werde, sei kein Selbstzweck. Sie habe auch nicht vorrangig städtebauliche Gründe. Es gehe in erster Linie um eine angemessene Auseinandersetzung mit der ethnologischen Sammlung des Museums.
Stadtverordnete müssen zustimmen
Das Weltkulturen-Museum ist nicht die einzige kulturpolitische Baustelle in Frankfurt. Im Dezember hatte der Magistrat einstimmig das Raumprogramm für das Jüdische Museum beschlossen. Nun muss noch die Stadtverordnetenversammlung zustimmen. Die Kosten für einen Neubau werden auf 30 Millionen Euro geschätzt. Eine feste Zusage des Unternehmers Josef Buchmann, sich mit drei Millionen zu beteiligen, liege schon vor, sagte Semmelroth. Bei einer Kampagne von Deutscher Bank und anderen Firmen sei eine sechsstellige Summe zusammengekommen. "Wir rechnen mit einer weiteren massiven bürgerschaftlichen Beteiligung."
Unter Dach und Fach sind alle Beschlüsse zur Erweiterung des Historisches Museums. "Die Altbausanierung sollte im April abgeschlossen sein", führte der Stadtrat aus, "danach beginnen die Arbeiten am Neubau. Anfang 2015 soll er eröffnet werden." Unklar dagegen ist weiterhin, was nach dem Auszug des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels aus dem Areal am Großen Hirschgraben werden soll. Das Land Hessen verweigert derzeit noch das Geld für das geplante Romantikmuseum als Erweiterung des Goethe-Museums. Dessen Träger, das Freie Deutsche Hochstift, wird jeweils zu einem Drittel aus Mitteln der Stadt, des Landes und des Bundes finanziert. Nach wie vor ist eine kulturnahe Nutzung des gesamten Geländes erwünscht. Auch die Idee, der in Darmstadt angesiedelten Akademie für Sprache und Dichtung hier ein neues Domizil zu geben, steht im Raum. Es gebe jedoch keine Abwerbungsversuche, beteuerte Semmelroth. "Wir wedeln nicht mit Scheinen, die wir gar nicht haben. Ich wünschte, wir hätten sie."