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Welterbe Oberes Mittelrheintal Zufriedenheit im Angesicht der Loreley

 ·  Zehn Jahre Welterbe Oberes Mittelrheintal: Die Ministerpräsidenten ziehen eine positive Bilanz, lokale Politiker sehen Fehlentwicklungen.

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Die 2002 ausgesprochene Anerkennung des Mittelrheintals als Unesco-Welterbe hat zu einem neuen Selbstbewusstsein in der Region und einem ausgeprägten Wir-Gefühl geführt. Die Entscheidung der Weltkulturorganisation habe das Mittelrheintal weltweit bekannt gemacht, und die Zusammenarbeit im Tal funktioniere länderübergreifend gut. Dieses positive Fazit zogen die beiden Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) und Kurt Beck (SPD). Sie hatten sich in Rüdesheim gemeinsam auf der „Loreley Elegance“ der Weinand-Linie für eine Jubiläumsfahrt bis nach St. Goar und St. Goarshausen eingeschifft, um mit 250 geladenen Gästen an Bord des vor drei Jahren in Dienst gestellten Ausflugs- und Charterschiffs über die Zukunft der Region zu diskutieren. Vor zehn Jahren hatte die Unesco den 67 Kilometer langen Stromabschnitt zwischen Rüdesheim/Bingen und Koblenz zum „Welterbe Oberes Mittelrheintal“ erhoben.

Seither ist nach Ansicht der Politiker viel geschehen, um dieses kulturelle Erbe zu bewahren. Beck sagte, Rheinland-Pfalz habe mit der Landesgartenschau in Bingen und der Bundesgartenschau in Koblenz an beiden Eingängen der Welterberegion eindrucksvolle Zeichen der Regionalentwicklung und bei der Pflege von Kulturdenkmälern gesetzt. Das Land werde seine Anstrengungen fortsetzen, unter anderem durch die Komplettierung von Rad- und Wanderwegen in der 620 Quadratkilometer großen Region. Mit dem Rheinsteig und dem Rhein-Burgen-Wanderweg sei schon viel erreicht. Rheinland-Pfalz habe seit dem Jahr 2000 insgesamt 245 Millionen Euro für Projekte im Rheintal ausgegeben.

Bähnlärm ein Dauerärgernis

Ministerpräsident Bouffier sprach von einer großen Chance, die sich vor zehn Jahren für das Tal ergeben habe. Er lobte die Hinwendung vom Massen- zum Qualitätstourismus. Größter Erfolg sei es, dass sich das Mittelrheintal als touristisches Ziel fest etabliert habe. Der Vorsitzende des Zweckverbands Welterbe Mittelrheintal, Landrat Günter Kern (SPD), sprach auch die Schattenseiten der Entwicklung im Tal an: den Bahnlärm durch den europäischen Gütertransport, die anhaltende Hochwassergefahr und die besorgniserregenden Leerstände vieler Immobilien im Rheintal. Beck sagte, der einzige vernünftige Ausweg aus dem Lärmdilemma sei der Bau einer neuen Güterschnellverbindung abseits des Rheintals.

Bouffier hingegen warnte davor, Erwartungen zu wecken und Illusionen zu schüren: „Wir müssen nüchtern bleiben.“ Eine neue Strecke sei eine Aufgabe von Jahrzehnten. Bis dahin müssten die Güterzüge durch Umrüstung auf moderne Technik leiser werden. Zur Mittelrheinbrücke bei St. Goar sagte Beck, er halte das Vorhaben nach wie vor für „richtig und wichtig“ und bedauere, dass es dem politischen Konsens in Mainz zum Opfer gefallen sei. Kern sprach von der Brücke als einem bedeutsamen „Mosaikstein“ in der Entwicklung. Notwendig sei aber auch die zügige Vollendung einer durchgängigen Radwegeverbindung am Rhein.

Touristische Hoffnungen weitgehend erfüllt

Skeptischer als die beiden Ministerpräsidenten äußerten sich zu den bisherigen Erfolgen im Rheintal während der Fahrt die Lokal- und Regionalpolitiker. Nach Ansicht des Lorcher Bürgermeisters Jürgen Helbing (CDU) haben sich die mit dem Welterbe-Prädikat verbundenen touristischen Hoffnungen zwar weitgehend erfüllt, nicht aber die Erwartungen an eine Umkehr der bedenklichen strukturellen Entwicklung. Die Bevölkerungsverluste im Mittelrheintal setzten sich fort. Das Tal werde hart von der demographischen Entwicklung getroffen. Die Kommunen hätten wenige Möglichkeiten zum Gegensteuern, auch weil ihnen das Geld für ko-finanzierte Infrastrukturprojekte fehle. Auch der das Rheintal prägende Weinbau habe in den vergangenen zehn Jahren keinen neuen Schub erfahren. Der Rheingauer Landtagsabgeordnete Peter Seyffardt (CDU) sagte, noch eher als einen Masterplan, der derzeit erarbeitet werde, benötige das Tal eine Art Marschallplan, der Geld in seine Infrastruktur lenke.

Am Ende der zweistündigen Schifffahrt zum Jubiläum unterzeichneten die Vorstandsmitglieder des Zweckverbands und die beiden Ministerpräsidenten eine Welterbe-Patenschaftsurkunde, in der sie ihre Zusage bekräftigten, das Tal weiterhin in seiner Entwicklung zu stärken und zu unterstützen. Bouffier sagte, in zehn Jahren müsse es „Kult“ sein, das Mittelrheintal zu besuchen.

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