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Weiden als Ressourcen Gras zu Geld machen

 ·  Auch Gras kann als regenerativer Energieträger genutzt werden. Das ist in den vergangenen drei Jahren im Vogelsberg untersucht worden.

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Gras von Weiden und Wiesen in Regionen mit viel Grünland zur Energieerzeugung zu nutzen ist ein vielversprechender Weg unter ökologischen wie ökonomischen Gesichtspunkten. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forschungsprojekt von Wissenschaftlern, bei dem in den zurückliegenden drei Jahren im Vogelsberg sowie in Estland und in Wales entsprechende Tests vorgenommen wurden. Dafür wurde unter Federführung der Universität Kassel eine Versuchsanlage entwickelt, die zunächst im Vogelsberg und danach auf der britischen Insel und im Baltikum eingesetzt wurde.

Bei dem für das Projekt „Prograss“ entwickelten Verfahren stellte sich heraus, dass sich rund 45 Prozent der in der Biomasse gespeicherten Energie für die Produktion von Wärme und Strom nutzen lassen. In Verbindung mit herkömmlichen Biogasanlagen ergibt sich sogar ein Wirkungsgrad von 53 Prozent. Durch entsprechende Verbrennungstechniken liegen die Grenzwerte für den Ausstoß von Stickoxiden unter den Grenzwerten, heißt es. Die Auswertungen ergaben, dass die Schadstoffemissionen insgesamt nicht höher sind als bei der Energiegewinnung aus Holz.

Von der EU gefördertes Projekt

Die Pilotanlage für „Prograss“ wurde in Hessen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe des Lauterbacher Ortsteils Frischborn getestet. Für „Prograss“ ist unter anderem aus Fördertöpfen der Europäischen Union ein Betrag von gut drei Millionen Euro bereitgestellt worden. „Prograss“ steht im Kontext mit dem auch vom Bund geförderten Modell Bioregion Mittelhessen. Daran beteiligt sich der Vogelsbergkreis unter anderem auch mit Studien zur Nutzung von Holz aus Wäldern der Region und Abfällen der heimischen Holzverarbeitungsindustrie.

Für die Teilnahme an „Prograss“ hatten sich europaweit mehrere hundert Standorte beworben. Ein Dutzend wurde für Deutschland bewilligt, einer davon in Hessen. Dass die Wahl auf den Vogelsberg fiel, hat damit zu tun, dass diese Mittelgebirgslandschaft einen besonders hohen Anteil an Wiesen und Weideland besitzt. Als Folge des Strukturwandels in der Landwirtschaft ist während der vergangenen Jahrzehnte jedoch die Zahl der Viehalter stetig gesunken, womit sich der Anteil der Flächen, die noch als Weideland gebraucht werden, verringerte. Es geht also darum, nach neuen Wegen des Ertrags von diesen Flächen zu suchen.

Zusätzliche Einnahmequellen für Bauern

Dabei geht es nicht darum, Milchviehhaltern Konkurrenz zu machen. So wird für die Energieproduktion aus Gras neben Wiesen in der freien Natur nur solches Grünland herangezogen, das nicht mehr der Viehhaltung dient oder nur noch extensiv bewirtschaftet wird. Nach Berechnungen der Universität Kassel kann die Energiegewinnung aus Gras einen Beitrag leisten, dem strukturschwachen Vogelsbergkreis zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Landrat Manfred Görig (SPD) spricht denn auch von einem vielversprechenden weiteren Baustein, den Vogelsberg zu einem der hessischen Zentren für regenerative Energieträger zu machen. Mit rund 200 Anlagen ist der Vogelsbergkreis nach seinen Angaben bereits die Nummer eins als Windenergiestandort. Zusammen mit dem Ausbau der Photovoltaik habe der Vogelsbergkreis bei der Stromproduktion im vergangenen Jahr einen Deckungsgrad mit regenerativen Energiequellen von rund 70 Prozent erreicht.

Die für „Prograss“ konzipierten Anlage entstand aus einer Koproduktion von Kasseler Wissenschaftlern und Ingenieuren mit dem Institut für biologischen Landbau und Energieerzeugung aus Wales sowie Biologen und Technikern der Universität Tartu in Estland. Als Vorteile dieser Anlagen nennen die Konstrukteure besonders den geringen Platzverbrauch. Die Geräte lassen sich in Containern unterbringen, kommen also für eine Vielzahl von Standorten in Frage. Verwendet wird in der Anlage Grassilage, die auch für längere Zeit gelagert werden kann. Der Betrieb einer solchen Anlage ist also über das gesamte Jahr möglich. Das zu Ballen gepresste Grünzeug wird so aufbereitet, dass daraus Gas und elektrische Energie zu gewinnen sind, die für den Bedarf in der Landwirtschaft zur Verfügung steht und ins öffentliche Netz eingespeist werden kann. Die Anlage stellt außerdem aus Grasballen eine Art von Briketts her, der als Brennstoff dient.

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Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

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