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Vorbilder Athleten sind auch nur Menschen

22.09.2006 ·  Im Sport scheint es nur noch um Doping, Spielmanipulationen und Millionengehälter zu gehen. Sind Athleten wirklich noch Vorbilder und bessere Menschen?

Von Frank Neumann
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Im Sport scheint es nur noch um Doping, Spielmanipulationen und Millionengehälter zu gehen. Sind Athleten wirklich noch Vorbilder und bessere Menschen?

Vorbilder, vielleicht. Bessere Menschen? Waren sie noch nie. Gegenfrage: Ist es klug, berechtigt oder auch nur irgendwie nachvollziehbar, geschweige denn sinnvoll, angemessen oder ansatzweise durchdacht, von Besitzern internetfähiger Computer demnächst eine Fernsehgebühr erheben zu wollen? Zugegeben. Das eine hat mit dem anderen auf den ersten Blick so gar nichts zu tun. Außer, daß in allen Fällen die Antwort dieselbe ist. Nämlich ... genau!

Wenn wir schon beim Thema sind: Warum nicht Synergieeffekte schaffen? Man könnte doch die Nationale Anti-Doping-Agentur und die Gebühreneinzugszentrale zu einer schlagkräftigen Einheit verschmelzen. Die Vorteile liegen unserer Ansicht nach auf der Hand. Geld gespart, Manpower verdoppelt. Und: Von den Methoden der öffentlich-rechtlichen Drückerkolonnen würden die Dopingfahnder sicher einiges lernen können. Wenn bei Ihnen schon mal die freundlichen Fernsehgebühreneintreiber unvermittelt vor der Tür standen, wissen Sie, was wir meinen.

Wer schaut hin, wenn Sensationen ausbleiben?

Zwei Delikte wären damit auf demselben Dienstweg zu klären. Das ginge ungefähr so: „Guten Tag, bitte geben Sie eine Urinprobe ab, und übrigens: Steht bei Ihnen hier irgendwo ein Fernseher rum?“ Auf dem Weg zur Arbeit könnten die Kollegen womöglich auch noch nebenbei die Fahrscheine in der Straßenbahn kontrollieren. Das wäre mal eine prima Idee. Und langfristig würden sogar die TV-Gebühren wieder sinken, weil die Sender weniger Geld für Kooperationsverträge mit den Ullrichs dieser Welt ausgeben und auch weniger für die Übertragungsrechte von Sportveranstaltungen hinlegen. Denn wer schaut noch hin, wenn Sensationen ausbleiben? Eben.

Aber zurück zur Eingangsfrage. Natürlich sind Sportler keine besseren Menschen. Manche verdienen einfach nur besser. Was sie natürlich nicht per se zu schlechten Menschen macht. Schließlich fordern sie nur ein, was sie fordern können, wenn die Gegenseite sich bäuchlings auf den Tisch gelegt hat, über den sie dann folglich nicht mehr gezogen werden muß. Soll heißen: Solange Klubmanager dämlich oder die Investoren reich genug sind, ihren Spielern absurde Gagen zu zahlen, werden diese zuschnappen. Und solange der Anreiz da ist, durch ein bißchen Manipulation schneller ans Ziel zu kommen, wird der ein oder andere diesen Weg wählen. Athleten sind schließlich auch nur Menschen. Und Millionen von uns sehen begeistert zu und verschließen doch gleichzeitig die Augen.

Quelle: F.A.Z., 23.09.2006, Nr. 222 / Seite 89
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