Im vergangenen Jahr sind in Hessen keine Babys anonym abgegeben oder geboren worden. Das hat eine Umfrage bei landesweit fünf Krankenhäusern ergeben, die eine Babyklappe an ihren Einrichtungen installiert haben. Auch das „Projekt Moses“ des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) verzeichnete im vergangenen Jahr keine anonymen Übergaben.
Als Grund sieht Brunhilde Lindner vom SkF in Fulda das stärkere, öffentliche Angebot der sozialen Dienste. „Die Beratung über Auswege aus Problemsituationen ist besser geworden“, sagte sie. Gerade die jüngere Generation sei über das Internet unkompliziert für Beratungsangebote zu erreichen.
2001 erste Babyklappe in Hanau
Der Skf Fulda ist Träger von drei Babyklappen in Hessen: in Hanau, Fulda und Kassel. Im Kasseler Marienkrankenhaus wurden seit 2003 sechs Neugeborene in der Klappe abgelegt, wie Krankenhaus-Geschäftsführer Michael Schmidt sagte. Nach seiner Einschätzung führen diese Einrichtungen zu neuen Familienbanden und zu neuen Beziehungen. 2011 sei es zu einem Treffen von fünf Familien gekommen, die Kinder aus der Babyklappe adoptiert hätten.
Babyklappen gibt es in Deutschland seit dem Jahr 2000. In Hessen eröffnete die erste Babyklappe 2001 in Hanau. Einer aktuellen Studie zufolge wurden seit 1999 bundesweit fast 1000 Kinder in Babyklappen abgelegt oder anonym geboren. Genauere Zahlen für Hessen gibt es nicht.
Kritiker und Befürworter
Die Klappen sind umstritten. Kritiker bemängeln, dass die Kinder niemals ihre leiblichen Eltern kennenlernen könnten. Außerdem werde es einer Frau mit einer Babyklappe erleichtert, ihr Kind abzugeben. Klappen könnten Kindstötungen zudem nicht verhindern. Die Befürworter halten dagegen, dass jeder in einer Babyklappe abgegebene Säugling ein gerettetes Kind sei.

