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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Vor Saisonbeginn Das Gesicht der Eintracht

 ·  Fünf Wochen noch. Spätestens dann muss der Frankfurter Trainer Veh seine Elf des Vertrauens gefunden haben. Eine Analyse nach dem ersten Trainingslager.

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Das erste Camp dieses Sommers ist Geschichte. Sieben Tage Trainingslager liegen hinter den Fußballprofis der Frankfurter Eintracht. Die gute Nachricht: Keiner der 25 mitgereisten Spieler hat sich verletzt. Die weniger gute Nachricht: Trainer Armin Veh hat noch keine komplette Mannschaft. Nach dem Transfer des Kroaten Gordon Schildenfeld, der sich für die kommenden drei Jahre dem russischen Spitzenklub Dynamo Moskau angeschlossen hat, klafft in der Innenverteidigung ein riesiges Loch. Beide Positionen müssen so schnell wie möglich besetzt werden. Auf den anderen sieht die Lage entspannter aus. Das Gesicht der Eintracht wird sich bis zum Saisonstart im August, wenn es am 19. des Monats erst im DFB-Pokal nach Aue zum zweitklassigen FC Erzgebirge geht, ehe am 25. im abendlichen Topspiel Bayer 04 Leverkusen zum Bundesligastart der Eintracht nach Frankfurt kommt, noch ändern. Nach dem Aufenthalt in Windischgarsten in Oberösterreich und den ersten beiden Testspielen ist folgende Mannschaft denkbar:

TOR: Wer darf zwischen den Pfosten stehen? Bleibt sich Veh treu, dann heißt der Keeper Kevin Trapp. Vor einem Jahr, als Veh seinen Dienst in Frankfurt antrat und mit Thomas Kessler ein neuer Ballfänger zur Eintracht stieß, stellte ihn der Trainer ins Tor. Zwei Spiele lang durfte sich der lautstark dirigierende, aber eben nicht immer stark haltende Kessler beweisen. Dann kam Altmeister Oka Nikolov zurück. Denkbar, dass dies in der Saison 2012/2013 ähnlich laufen könnte. Trapp, gerade 22 Jahre alt geworden und vom Bundesliga-Absteiger 1. FC Kaiserslautern mit großen Hoffnungen zur Eintracht gewechselt, gehört die Zukunft. Doch Nikolov, mit 38 der Routinier der Eintracht, ist und bleibt eine berechenbare Größe. „Ich kann mich nur im Training zeigen und immer wieder anbieten“, sagt der erfahrenste Frankfurter. „Am Ende entscheidet der Trainer.“

ABWEHR: Zwei Posten sind fest vergeben. An Sebastian Jung auf rechts und Neuzugang Bastian Oczipka auf links. Die sogenannten Back-Ups müssen sich gedulden. Doch sowohl Stefano Celozzi als auch Constant Djakpa haben sich bislang achtbar aus der Affäre gezogen. Der Neue aus Stuttgart, ein kleiner, wendiger Profi, wird ebenso geduldig auf seine Chance warten wie der Ivorer. Veh wollte wegen diverser Verfehlungen eigentlich gar nicht mehr mit Djakpa zusammenarbeiten. Doch der Afrikaner hat sich zusammengerissen und gut trainiert. Drei Punktspiele noch ist er gesperrt. Und dann ist da noch das große Loch. Zwei Innenverteidiger, versehen mit Fragezeichen. Möglich, dass einer von ihnen Bamba Anderson heißt und den Weg aus Mönchengladbach zurück nach Frankfurt findet. Egal, wer noch - wie von Sportdirektor Bruno Hübner angestrebt - bis zum zweiten Trainingslager kommt, das vom 30. Juli bis zum 8. August in Feldkirchen an der Donau stattfindet: Heiko Butscher, der Eintracht-Profi mit den besten Ausdauerwerten, steht als Ersatzkandidat parat.

MITTELFELD: Zwei Positionen vor der Viererabwehrkette scheinen wie in Stein gemeißelt. Mit Pirmin Schwegler und Sebastian Rode besitzt die Eintracht ein exzellentes Pärchen, das schon in der Aufstiegssaison bestens harmoniert hat. Neuzugang Martin Lanig, der sich als „Sechser“ sieht, dürfte sich also noch gedulden. Und auch das hoffnungsvolle Jungtalent Sonny Kittel muss sich sputen. Anders die beiden Neuen Stefan Aigner und Takashi Inui. Der Bayer auf rechts und der Japaner auf links haben derzeit die Nase auf den Außenpositionen vorn. Und in der Mitte? Alexander Meier war dort zuletzt eine Bank - und überdies ein verlässlicher Torschütze. Mit 17 Treffern war kein Eintracht-Profi erfolgreicher als Meier, der dem Klub seit 2004 schon die Treue hält. Meiers Position ist gefestigter denn je. Auch Benjamin Köhler ist seit acht Jahren schon in Frankfurt. Und letztlich hat sich der Allrounder irgendwie immer wieder durchgesetzt. Nicht unwahrscheinlich also, dass Trainer Veh auch in der Bundesliga wieder einen Platz für Köhler findet.

STURM: Um ihn haben sich die Verantwortlichen besonders bemüht: Olivier Occean. Veh hätte „nie gedacht, dass wir ihn kriegen“. Haben sie aber. Der 30 Jahre alte Kanadier ist ins Rhein-Main-Gebiet zurückgekehrt und steht vor seiner ersten Bundesligasaison. In den Tagen von Windischgarsten ist der Mittelstürmer nicht gerade mit überbordendem Elan aufgefallen. Doch Occean hat sich gesteigert. Wenn er gesund bleibt, sollte er vor Mohamadou Idrissou die Nase vorn haben. Doch Obacht: Der stolze Kameruner wird das Feld nicht kampflos räumen. Schon in Oberösterreich, während des Trainingslagers, ließ er erkennen, dass mit ihm gerechnet werden muss. Ob mit dem möglichen Rückkehrer Erwin Hoffer gerechnet werden muss, wird sich in den kommenden Tagen weisen. Der Hobbyangler, beim SSC Neapel unter Vertrag, würde gerne wieder für die Eintracht am Ball sein. Erste Liga - für den kleinen Österreicher wäre das eine große Sache.

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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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