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Vor Riederwaldtunnel-Bau Ein Stadtteil vor dem Ausnahmezustand

 ·  Der Bau des Riederwaldtunnels im Frankfurter Osten rückt näher. Den Bewohnern des Riederwalds stehen erhebliche Belastungen bevor.

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Am Ende, wenn der Riederwaldtunnel im Jahr 2020 fertiggestellt ist, wird alles gut werden. Auf der Straße Am Erlenbruch, die am Riederwald entlangführt, wird das Fahrzeugaufkommen halbiert und der Stadtteil von weniger Verkehrslärm belastet sein. Für die Bewohner des Riederwalds sei diese Vision wichtig; Lärm, Dreck und andere Beeinträchtigungen während der bevorstehenden Bauzeit könnten besser ertragen werden, wenn gewiss sei, dass es danach besser werde, sagte Johanna Begrich, Quartiersmanagerin im Riederwald.

Dass dem Stadtteil erhebliche Belastungen drohen, wurde am Dienstag bei einer Veranstaltung der Bürgerinitiative Riederwald deutlich. Die Bewohner sehen dem Projekt wegen der Eingriffe in die unmittelbare Wohnumgebung und wegen der mehrjährigen Bauzeit mit Sorge entgegen. „Schutz vor Lärm und Dreck, wir wollen hier nicht weg“, hatten Anwohner auf ein Transparent geschrieben. Mindestens acht Jahre lang wird der 1,1 Kilometer lange Tunnel in offener Bauweise in einer 40 Meter breiten und mehr als zehn Meter tiefen Baugrube nördlich am Stadtteil entlang errichtet.

„Hier muss viel kommuniziert werden“

„Wir sind nicht gegen den Tunnelbau, sondern für den Erhalt der Wohn- und Lebensqualität“, bekräftigte Rainer Frey von der Bürgerinitiative. Die Anwohner müssten vor Lärm und Abgasen geschützt werden. Aber auch andere Belange des Stadtteillebens seien zu berücksichtigen. „Hier muss viel kommuniziert und informiert werden“, mahnte Frey. Die für die Pläne zuständige hessische Straßen- und Verkehrsverwaltung Hessen Mobil zeige sich aber gesprächsbereit. Dies bestätigte auch Sabrina Strucken vom örtlichen Gewerbeverein. Dieser fordert, dass Einzelhändler im Quartier weiter für Kunden und Lieferanten erreichbar seien. Wie dies ermöglicht werden könnte, werde derzeit von Hessen Mobil geprüft.

Zugesichert sei schon, dass die Pestalozzischule während des Tunnelbaus ebenerdig und barrierefrei erreichbar bleibe, bestätigte Schulleiterin Barbara Wirtz. Von der zuerst vorgesehenen Schulwegeführung sei sie allerdings entsetzt gewesen. Mittlerweile sei die Planung entschärft; Wirtz sieht jedoch weiteren Bedarf für Verbesserungen. Der gefahrlose Zugang zur Schule, zum Hort und zum Kindergarten müsse gewährleistet werden. Alle drei Einrichtungen, die von rund 300 Kindern besucht werden, sind nördlich der Straße Am Erlenbruch gelegen. Kinder aus dem südlichen Wohngebiet müssten also die Baustelle passieren. Übergänge seien in Höhe der Schäfflestraße und Borsigallee vorgesehen, so Wirtz.

Ein kritischer Punkt ist nach Darstellung von Wirtz die Querung der U-Bahn-Trasse und der Straße Am Erlenbruch. Gleise und Fahrbahnen sollen während der Bauzeit nach Norden verlegt werden. Wirtz kritisierte, dass am vorgesehenen Übergang Schüler die beiden Trassen wohl nicht in einem Stück würden queren können, sondern auf einer Mittelinsel warten müssten. Die Ampelschaltung für Autos und Stadtbahnen müsse modifiziert werden. Mit Sorge sieht Wirtz auch, dass Stadtbahnen und Autos nur 60 Meter von der Schule entfernt verkehren und dort für mehr Lärm sorgen würden.

Mit Skepsis blicken auch 200 Bewohner der Seniorenwohnanlage Am Erlenbruch auf die künftige Großbaustelle. Allein das Einrammen der metallenen Seitenwände der Baugrube soll bei jedem der insgesamt vier Bausegmente, in die der Tunnelbau unterteilt werde, jeweils sechs Wochen dauern, sagte Claus Lauth von der Bürgerinitiative. Das werde eine harte Nervenprobe. Voraussichtlich von 2014 an soll der Bau des Tunnels starten, so die bisherigen Angaben von Hessen Mobil. Die Arbeiten sollen parallel von Westen und von Osten vorangetrieben werden. Bis zu eineinhalb Jahre werde an jedem Bauabschnitt gearbeitet, so Lauth. Verschont bleibe der Stadtteil wohl aber vom Baustellenverkehr, dieser soll über die Autobahnen 66 und 661 geführt werden.

400 nicht aktiv vor Lärm geschützt

Hessen Mobil will nach Angaben von Frey in einer eigenen Veranstaltung über die Auswirkungen des Tunnelbaus und des Lückenschlusses der beiden Autobahnen informieren. Bürgerinitiativen-Sprecher Frey hob hervor, dass längst nicht alle Planungen abgeschlossen seien. So werde derzeit das Verkehrsaufkommen neu berechnet. Bisher sei dies nur für 2015 vorhergesagt worden; nun werde eine Prognose für 2025 erstellt. Dass der Lärmschutz auch angepasst werde, wenn deutlich mehr Verkehr erwartet würde, sei aber nicht selbstverständlich. Frey forderte weitere Schutzmaßnahmen. Rund 400 der 2500 Wohnungen im Riederwald würden nicht aktiv vor Lärm geschützt. Betroffen wären etwa nahe dem westlichen Tunnelportal und dem Autobahndreieck Am Erlenbruch die oberen Etagen der Wohnhochhäuser, die über die geplanten Lärmschutzwände reichten. Auch würden die Lärmgrenzwerte womöglich weitaus stärker überschritten, als dies bisher prognostiziert worden sei.

Aber auch die künftigen Autoabgase gäben Anlass zur Sorge: So sollen diese einfach aus dem Tunnel geblasen werden. Der Einbau von Abgasfiltern sei zwingend erforderlich, meinte Frey. Ohnehin wäre eine komplette Einhausung der Autobahn 661 bis zum Riederwaldtunnel der wirksamste Schutz. Dies habe die Stadt mit einer Studie gezeigt. Die Bürgerinitiative wolle darum weiterhin mit Nachdruck auf die Belange des Riederwalds aufmerksam machen. Neben einem weiteren für Anfang Dezember mit Hessen Mobil geplanten Gespräch kündigte Frey für Januar und Februar weitere Proteste im Stadtteil an.

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Jahrgang 1965, freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

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