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Von wegen besinnlich Zoff wegen Weihnachtsbeleuchtung

Mit viel Zeit und Geld wollen ortsansässige Händler in Hessen ihre Innenstädte mit Weihnachtsbeleuchtung aufhübschen. Die Filialen großer Markenketten beteiligen sich oft nicht daran. Das führt immer wieder zu Ärger - ausgerechnet in der besinnlichen Zeit.

© dpa Die Kasseler Innenstadt erstrahlt im weihnachtlichen Glanz.

Weihnachten, das Fest der Liebe. Im hessischen Einzelhandel dagegen ist von besinnlicher Stimmung drei Wochen vor dem Fest nichts zu spüren. Wegen der Weihnachtsbeleuchtung zoffen sich in Kassel alteingesessene Händler mit einigen Filial-Geschäften der großen Ketten, in Frankfurt fällt die Weihnachtsbeleuchtung in diesem Jahr komplett aus.

Gerhard Jochinger, Vorsitzender der City Kaufleute in Kassel, ist sauer auf die Geschäfte der großen Einzelhandelsketten, die sich nicht an den Kosten der Weihnachtsbeleuchtung in der Kasseler Königsstraße beteiligen. „Darüber ärgern wir uns jedes Jahr. Das ist höchst unkollegial“, sagt er.

Immerhin rund 80.000 Euro lassen sich die Kaufleute die Beleuchtung pro Jahr kosten, um die Menschen zuerst nach Kassel und dann in die Geschäfte zu locken. Die Kosten werden abhängig von der Schaufensterbreite umgelegt, so dass jedes Geschäft derzeit etwa 1000 Euro zahlt. Davon profitieren natürlich alle Läden, nicht nur die, die zahlen.

Verpflichtet ist dazu niemand. Etwa ein Viertel der Geschäfte lasse die anderen zahlen - im vergangenen Jahr unter anderem die Drogeriekette Müller, die Bekleidungskette Takko oder das Schuhgeschäft Foot Locker, aber auch der Juwelier Christ. „Das Geld fehlt“, konstatiert Jochinger. Die „Hessische/ Niedersächsische Allgemeine“ („HNA“) hatte zuvor darüber berichtet.

Keine Weihnachstbeleuchtung auf Frankfurts Einkaufsmeile Zeil

In Frankfurt ist die Haupteinkaufsstraße Zeil in diesem Jahr sogar überhaupt nicht weihnachtlich beleuchtet. „Für 2012 gibt es keine Weihnachtsbeleuchtung“, sagt Frank Diergardt, Sprecher des Vereins Neue Zeil. Die Montage sei wegen ungeklärter Sicherheits- und Haftungsfragen abgesagt und auf 2013 verschoben. Es ging um Haken und andere Halterungen an den Fassaden und um große Abspannungen. „Wir hoffen nun auf eine große Attraktivität im nächsten Jahr.“ Die Beleuchtung müsse eine Wirkung haben. „Daran arbeiten wir.“

In Fulda ist die Weihnachtsbeleuchtung straßenweise über Interessengemeinschaften organisiert - hier gibt es die gleichen Probleme wie in Kassel. „Es sind vor allem Handyläden und die Filialisten, die nicht mitmachen“, sagt der Vorsitzende des City-Marketings, Hartmut Abel. Man könne nur um Verständnis werben. „Es ist aber schwierig, weil die Entscheider nicht vor Ort sind“, betont er.

In Wiesbaden besteht das Problem dagegen nicht. Vor fünf Jahren sei eine Weihnnachtsbeleuchtung angeschafft worden, zur Hälfte bezahlt von der Stadt. Seitdem übernimmt Wiesbaden Marketing die Kosten für Wartung, Auf- und Abbau. „Die Kosten sind überschaubar“, sagt Wiesbaden Marketing, Geschäftsführer Martin Michel.

Auch dem Einzelhandelsverband sind die Hände gebunden. „Wir können nur appellieren“, sagt der Geschäftsführer des Landesverbandes des Hessischen Einzelhandels (LHE), Michael Kullmann. Die Entscheidung sei nicht stadt-, sondern firmenbezogen. „Es gibt bestimmte Firmen, die beteiligen sich nicht.“ Die Frage sei, ob die übrigen bereit seien, das mitzutragen.

„Das Problem haben wir bei allen Aktionen des Einzelhandels, um die Innenstadt zu beleben“, betonte Kullmann - und meint damit außer Weihnachtsaktionen auch Frühlingsmärkte, verkaufsoffene Sonntage oder Nacht-Shopping. Allerdings gebe es bisweilen auch ortsansässige Unternehmer, die die Aktionen nicht mittragen.

Die Filialketten verteidigten ihr Vorgehen. Ein Sprecher der Bekleidungskette H&M erklärte: „Mit circa 400 Stores in Deutschland muss H&M grundlegende, organisatorische Entscheidungen treffen. Leider können wir uns in der Regel nur in Ausnahmefällen an lokalen Initiativen beteiligen.“ Die Bekleidungskette Orsay beteilige sich grundsätzlich nicht an Weihnachtsbeleuchtungen, teilte das Unternehmen mit. „Kein Kommentar“, hieß es von der Schuhkette Foot Locker.

Bei der Juwelierkette Christ gibt es keine konzernweite Vorgabe, hier entscheiden die Bereichsleiter vor Ort. „Da wir eine sehr aufwendige Weihnachtsdekoration haben, gibt es auch Fälle, wo wir das nicht machen“, sagt der Vorsitzende Geschäftsführer Peter Obeldobel.

Auch beim Kleidungsdiscounter Takko kommt es auf den Standort an. „Wir entscheiden individuell abhängig von unseren einzelnen Standorten“, betont eine Sprecherin. Es komme auf den Mietvertrag, den Standort oder die Präsentationan.

Es geht aber auch anders: Die Bekleidungskette Ernsting’s familiy beteiligt sich nach eigenen Angaben bereits seit Jahren an den Kosten. „Grundsätzlich beteiligen wir uns bis zu einer gewissen Grenze“, sagt ein Sprecher.

Quelle: dpa

 
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