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Volkstheater Frankfurt Die letzte Premiere

Noch einmal trumpft das Volkstheater mit einer Uraufführung auf. Die Freunde des Hauses sind glücklich und betrübt zugleich.

© Kretzer, Michael Nur keine Tränen: Chefin Gisela Dahlem-Christ und der langjährige künstlerische Leiter Wolfgang Kaus.

Wie gewonnen, so zerronnen. Im Oktober 1975 ist Liesel Christ mit ihrem Volkstheater in den Cantate-Saal neben dem Goethehaus eingezogen. Am Samstagabend hat ihre Tochter Gisela Dahlem-Christ die Freunde des Hauses zu einer letzten Premiere begrüßt. „Wie gewonnen, so zerronnen“ lautete der Titel der Komödie von Stefanie Stroebele, die im Volkstheater ihre Uraufführung erlebte (siehe Seite 36).

Hans Riebsamen Folgen:

Die auf der Bühne turbulent erzählte Geschichte um Lotto-Millionen geht gut aus. Einen Lottogewinn, wie er im Stück der Hauptfigur Minna in den Schoß fällt, hätte auch die Chefin des Volkstheaters gut gebrauchen können. Es hätten ja nicht gleich ein gutes Dutzend Millionen sein müssen. Zwei oder drei Millionen hätten genügt, um den Spielbetrieb noch ein paar Jahre weiterzuführen. Nun endet die Geschichte des Volkstheaters am 25.Mai, danach werden Direktorin Dahlem-Christ und ihre Mitarbeiter sich ans Einpacken machen.

„Ich kann gar nicht glauben, dass es ein Ende haben soll“

Daran mag die Chefin an diesem Premierenabend aber nicht denken. „Die Wehmut wird schon noch kommen“, sagt Dahlem-Christ. Sie freut sich heute über die gelungene Darbietung und ist auch stolz darauf, dass sie zum Abschluss noch einmal eine Uraufführung auf die Bühne bringen konnte. Dankbar nimmt sie die Glückwünsche der Volkstheater-Freunde entgegen. Und derer sind nicht wenige. Armin Clauss zum Beispiel, der frühere SPD-Fraktionschef im hessischen Landtag, hat allen Premieren beigewohnt. Er ist nicht nur ein Freund des Hauses, sondern auch ein Freund der Chefin. Und vor allem auch der früheren Chefin. Denn Liesel Christ hat einst Clauss’ Frau als Baby im Arm gehalten. Deren Vater war Theaterchef in Heilbronn, dort hat die spätere Volksschauspielerin ihre Karriere begonnen. Clauss hat zuletzt noch versucht, eine Lösung für das finanziell schwächelnde Volkstheater zu finden. Es ist ihm nicht gelungen. Er sei traurig und auch ein wenig wütend, sagt er: „Es sind nicht alle Chancen wahrgenommen worden, um das Volkstheater zu erhalten.“

Traurig ist auch Wolfgang Kaus, 33 Jahre lang der künstlerische Leiter des Volkstheaters. 130 Inszenierungen hat er auf die Bühne gebracht, bevor er 2007 in den Ruhestand ging. „Ich kann gar nicht glauben, dass es ein Ende haben soll“, sagt er. Auch Gissi Gruber, Betreiberin des Café Gruber an der Feuerbachstraße, die kaum ein Stück versäumt hat, will es nicht glauben. Wenn sie den Namen „Paradieshof“ hört, wo der Schauspieler Michael Quast unter dem Namen „Fliegende Bühne“ ein neues Volkstheater einrichten will, gerät sie in Rage. Sie hat der Stadt vorgeschlagen, im Paradieshof kein Theater, sondern kinderreiche Familien unterzubringen.

Solidarität zeigen

Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) ist nicht zur letzten Premiere gekommen. Er weiß zu gut, dass er im Volkstheater nicht besonders willkommen ist. Schließlich hat er sich geweigert, den Zuschuss für das in Nöten steckende Haus zu erhöhen, nachdem der von ihm unterstützte Plan gescheitert war, Quast als Leiter des Volkstheaters zu installieren. Dafür haben mit Paul Labonté und Karlheinz Bührmann (beide CDU) gleich zwei ehemalige Stadtverordnetenvorsteher den Weg in den Cantate-Saal gefunden. Beide sind betrübt über das bevorstehende Ende ihres Lieblingstheaters.

Auch die amtierende Parlamentschefin Bernadette Weyland (CDU) ist Gast an diesem Abend: aus Solidarität und um ein Zeichen zu setzen. Retten kann auch sie das Volkstheater nicht. Das von Liesel Christ gegründete Haus hat zwar viele Freunde, aber nicht genügend viele. Selbst bei der letzten Premiere bleiben in den hinteren Reihen einige Sitze leer.

Quelle: F.A.Z.

 
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