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Vivian Wolff : Berufsziel: Tennisprofi und Top Ten

  • -Aktualisiert am

Mit dem Aufschlag fängt alles an. Bild: picture-alliance / Rolf Kosecki

Die Schülerin Vivian Wolff schätzt ihre Zukunftschancen überaus selbstbewusst ein. Beim Junioren-Weltranglistenturnier erreicht sie als einzige Hessin Runde zwei.

          Vivian Wolff war ziemlich sauer. „Ich habe nicht gut gespielt, und meine Körpersprache war schlecht“, analysierte die Vierzehnjährige geknickt ihre 3:6, 3:6-Niederlage in der zweiten Runde des Junioren-Weltranglistenturniers auf der Rosenhöhe. Danach verschwand sie mit ihrer Essensmarke in der Hand zum Verpflegungsstand, ein Frustessen diesmal. Dabei hatte sie, das Küken, sozusagen die Ehre des hessischen Tennisnachwuchses gerettet, denn außer ihr hatte keiner aus dem Hessischen Tennis-Verband (HTV) die erste Runde überstanden. Gestern Mittag erwies sich dann Lilla Barzo als zu stark. Die zwei Jahre ältere Ungarin verwandelte ihren ersten Matchball ausgerechnet mit einem Stopp. Diese kurz hinters Netz gespielten Bälle hatten Vivian Wolff zuvor schon zugesetzt, denn Einzel und Doppel vom Vortag steckten ihr noch in den Knochen. Die mehr als 300 Plätze höher notierte Australierin Naikhta Bains, 104. der Juniorinnen, hatte sie mit einem überraschenden Zweisatzsieg ausgeschaltet und dabei im zweiten Satz aus einem 0:5 ein 7:5 gemacht. Nach diesem Kraftakt fehlte einfach die Spritzigkeit.

          Dirk Dier wird Damen-Bundestrainerin Barbara Rittner trotzdem positive Eindrücke aus Offenbach mitteilen. Dier aus dem Betreuerteam Rittners, die beim WTA-Turnier in Nürnberg gebunden ist, sagte, das sei „ein guter Maßstab für Vivian“ gewesen. Es war das erste Mal, dass die Rechtshänderin aus Sachsenhausen an einem internationalen Nachwuchsturnier der Kategorie 1 teilnahm. Ihr größter internationaler Erfolg bislang ist die Finalteilnahme bei einem Turnier der vierten Kategorie in der französischen Stadt Clermont im August vergangenen Jahres. Seitdem war Vivian Wolff viel unterwegs: Schweden, Holland, Malta, dazu weitere Turniere in Deutschland und ein Sieg beim Porsche-Kids-Cup in Stuttgart, wo im April die besten acht Mädchen ihres Jahrgangs im Rahmen des WTA-Turniers spielten.

          Durchbruch scheint eine Frage der Zeit zu sein

          Die Hessin lernt in der Jahrgangsstufe acht an einer Mannheimer Fernschule - und ist auch deshalb bei ihrer Trainings- und Turnierplanung flexibler als andere. Dafür verfolgt sie nicht gerade bescheidene Ziele: Tennisprofi, Top Ten der Weltrangliste, Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier - in diese Sphären sollte es später dann schon gehen, sagt Vivian Wolff. Im Winter wechselte sie vom TC Palmengarten ins Verbandsligateam des Offenbacher TC. Dort ist Marcus Schenkenberg Glamour-Faktor und Geldquelle. Das schwedische Modell arbeitet mit einer Unternehmensberatung aus Offenbach zusammen und will den OTC-Damen zum Aufstieg in die Hessenliga verhelfen. Auch dank Vivian Wolff ist das Unterfangen auf bestem Wege: Drei Einzelsiege hat sie an Position zwei zu den ersten drei Saisonsiegen beigesteuert.

          Ihr Durchbruch bei den Juniorinnen scheint bei gegenwärtigem Karriereverlauf eine Frage der Zeit. Das kann man von den anderen hessischen Nachwuchskräften nicht behaupten. Weitere zwei Juniorinnen und fünf Junioren hatte der HTV mit einer Wildcard ausgestattet, Kai Lemke schaffte über die Qualifikation den Sprung ins Hauptfeld. Dort schaffte es außer Vivian Wolff keiner über das Auftaktmatch hinaus. Der zweiten Runde am nächsten kam der aus hessischer Sicht am höchsten gehandelte Luca Marquard. In ihm sehen sie beim Verband das größte Potential, vor allem Präsident Dirk Hordorff nimmt sich dessen Entwicklung an. Der 18 Jahre alte Blondschopf habe wohl „eine gewisse Ähnlichkeit mit dem jungen Rainer Schüttler“, sagt Uta Tschepe, Jugendleiterin des Deutschen Tennis-Verbandes. Unter Hordorff stieß der Korbacher Schüttler bis auf Platz fünf der Weltrangliste vor.

          Gegen den Russen Boris Pokotilov führte Marquard schon mit Doppelbreak 4:1 und vergab beim Stand von 5:4 zwei Matchbälle. „Luca musste immer neunzig bis hundert Prozent spielen, um Paroli bieten zu können. Er hat abgerufen, was in ihm steckt“, sagte Verbandstrainer Thilo Voll. Aber es reichte eben nicht - genauso wenig wie für Kai Lemke und Philip Gehrmann, die als Jahrgang 1995 ihre letzten Monate auf der Juniorentour bestreiten. Luca Marquard hat im April Turniere der vierten und fünften Kategorie in Malta gewonnen. Die Top 100 der Junioren sind trotzdem in weiter Ferne geblieben. „Die internationale Erfahrung fehlt“, diagnostiziert Voll. Kaum mehr als eine Handvoll Turniere auf diesem Niveau spielten Marquard und Co. über das ganze Jahr verteilt. Zudem zielten sie auf ein gutes Abitur, was bei aller Disziplin und allem Fleiß die Kapazitäten für das Training eben begrenze. Bestes Beispiel für den Spagat war Philip Gehrmann: Der Siebzehnjährige schrieb vor seinem Erstrundenspiel noch eine Klausur und eilte anschließend auf die Rosenhöhe.

          Quelle: F.A.Z.

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