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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Vitronic Der Laser-Blitzer trotzt auch Molotow-Cocktails

 ·  Ob Maut kontrolliert werden soll oder ein Körper zu vermessen ist: Vitronic aus Wiesbaden liefert dafür die Anlagen. Doch die Firma hilft auch Post-Konzernen und Solar-Unternehmen.

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Ob der Jäger diesen Schuss im Nachhinein wohl bereut? Tatsache ist: Sein Versuch, eine Blitzersäule in Wiesbaden mit einer Salve Schrotkugeln auszuschalten, scheiterte kläglich. Zudem kam ihm die Polizei auf die Schliche, wie Norbert Stein berichtet. Sein Unternehmen Vitronic stellt solche Anlagen am Firmensitz in Wiesbaden her. Und das mit großem Erfolg: 2007 begann der Mittelständler mit dem Vertrieb seiner Poliscan Speed genannten Blitzer und hat seitdem mehr als 1000 Stück in Deutschland, aber auch auf der arabischen Halbinsel oder in Australien verkauft. Eine Poliscan-Anlage kostet nach den Worten Steins bis zu 100.000 Euro. Im Jahr liefert die Firma einige hundert Stück davon aus, die einen erklecklichen Anteil am Gesamtumsatz von 55 Millionen Euro im Jahr haben.

Norbert Stein ist sichtlich stolz auf diese Entwicklung: „Wenn es darum geht, möglichst viele Raser zu erwischen, dann gibt es im Grunde nur eine gute Technologie - und das ist unsere“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter und Vitronic-Gründer. Dies begründet er nicht einmal mit der Widerstandsfähigkeit der Anlagen, obwohl eine Säule in Wiesbaden sogar schon einen Angriff mit einem Molotow-Cocktail überstanden hat. Das Besondere an den Blitzern stellt weniger die Verpackung dar als das Innenleben: Anders als Geschwindigkeits-Messanlagen der überschaubaren Konkurrenz, Stein spricht von einer Handvoll international vertretener Mitbewerber, arbeitet Poliscan Speed nicht mit Radarwellen, sondern sendet einen Laserstrahl aus.

Rechnet sich nach wenigen Monaten

Das hat laut Stein einen großen Vorteil: Radar sende eine Welle aus, die etwa auf einem Auto auftrifft und von diesem zurückgeworfen wird. Allerdings geschehe dies ohne Information, wo genau sich der Wagen befunden habe und wie lange die Radarwelle unterwegs gewesen sei. Dies sei im Falle von Laser anders: „Wir wissen genau, wo der Strahl aufgetroffen ist.“ Deshalb eigne sich diese Technik auch dort, wo binnen weniger Sekunde mehrere Auto vorbeiführen, während ein Radar viel ungenauer arbeite.

Trotz der Anschaffungskosten rechne sich eine Poliscan-Anlage in der Regel schon nach einigen Monaten. Es gebe aber auch Fälle, in denen die Käufer die Kosten schon nach einem Tag wieder eingespielt hätten. In Australien hat Poliscan demnach an einem Standort innerhalb von vier Tagen derart viele Verkehrssünder ertappt, dass Geldbußen in Höhe von rund zwei Millionen Austral-Dollar anfielen, umgerechnet sind das etwa 1,6 Millionen Euro.

Technik zur Mautkontrolle auch gefragt

Angesichts dessen gehörten Poliscan-Blitzer zu den Verkaufsschlagern des Unternehmens. Zumal so manches Land schätze, dass die Blitzer schusssicher seien. „Das braucht man in verschiedenen Ländern“, sagt Stein, der dabei nicht zuerst an Hessen denkt, trotz der Vorfällen in seiner Heimatstadt: Im Nahen Osten oder in den Vereinigten Staaten etwa sei die Widerstandsfähigkeit gegen Kugeln besonders wichtig. Den Auftragseingang bezeichnet der Chef des 400-Mann-Unternehmens als „stark steigend“.

Nach wie vor gefragt ist jedoch auch die Vitronic-Technik zur Mautkontrolle, wie sie in den Mautbrücken an Autobahnen in Deutschland eingesetzt wird. Zuletzt hat das Unternehmen den Auftrag erhalten, ein Lastwagen-Mautsystem auf französischen Nationalstraßen aufzubauen. Mit den Vitronic-Scannern sollen 170 Kontrollbrücken bestückt werden. Auch in Australien und Lettland ist Steins Firma mit dieser Technik präsent. Wobei die Anlagen zum Teil nicht nur kontrollieren, ob ein Fahrer seine Maut entrichtet hat - sie erfassen sie auch, sofern der Kunde es wünscht. Auch kann die Technik nicht nur auf Lastwagen angesetzt werden, sondern auch auf Motorräder oder Limousinen. Anders als in Deutschland spielt in Frankreich für die Maut keine Rolle, wie viele Achsen ein Lastzug hat und wie viele Schadstoffe er ausstößt, wie Stein sagt. Auf solche Vorgaben müsse Vitronic seine Technik abstimmen.

Dienstleister von Post-Unternehmen

Erste große Erfolge hat die auf Bildverarbeitung spezialisierte Firma aber als Dienstleister von Post-Unternehmen gefeiert. Bis heute liefert es Branchenriesen wie UPS, US Postal oder DHL eine Technik, mit der selbst handgeschriebene Adressen ausgelesen sowie Briefe und Pakete entsprechend sortiert werden können. Auch Porto kann die Technik kontrollieren, wie es bei Vitronic heißt. Zudem liefern die Wiesbadener Anlagen, mit denen die Qualität von Solarzellen und -modulen kontrolliert wird.

Autobauer wiederum greifen auf eine kameragestützte Technik des Unternehmens zurück, mit denen Schweißnähte oder Zylinderkopfdichtungen überprüft und bei Bedarf überarbeitet werden können, ohne dass beispielsweise eine Achse aus der laufenden Produktion genommen werden muss.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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