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Viertel an A 5 : Frankfurt treibt Neubaugebiet voran

Bild: F.A.Z.-Karte

Frankfurt erlebt einen ungebremsten Zuzug und will weiter wachsen. Nun wird eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme für das geplante Viertel an A 5 vorbereitet.

          Das Frankfurter Planungsdezernat arbeitet nach eigenen Angaben mit Hochdruck daran, die Entwicklung des geplanten Stadtteils an der Autobahn 5 voranzutreiben. Inzwischen ist eine erste Magistratsvorlage fertig. Sie bahnt den Weg für „vorbereitende Untersuchungen für eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme“, wie es dort in schönstem Amtsdeutsch heißt.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Das Mittel der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme ist schon bei der Entwicklung des Neubaugebiets Riedberg angewandt worden. Sie sieht vor, dass eine Kommune ein wichtiges Neubaugebiet zügiger und geschlossener entwickeln kann, als das mit den gängigen Verfahren möglich wäre. Für die Grundstücke hat die Stadt ein Vorkaufsrecht zu dem Preis, der vor Beschluss der Bebauung galt. Auch Enteignungen sind möglich. Aus der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis wird die Entwicklung des Gebiets finanziert, zumindest zum Teil. Eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme ist aber nur zulässig, wenn sie dem Allgemeinwohl dient und eine besondere Bedeutung für die Entwicklung der Kommune hat.

          550 Hektar großes Gebiet

          Mit der Vorlage der Stadt soll jetzt auch an der A5 der Grundstücksspekulation der Boden entzogen werden. Die Preise in dem 550 Hektar großen Gebiet zwischen Praunheim und Steinbach sind dann vorerst eingefroren. Im Zuge der Untersuchungen wird beispielsweise ermittelt, wie es um die Mitwirkungsbereitschaft der Grundstückseigentümer bestellt ist. Sollte sich herausstellen, dass der Stadtteil auch mit einem einfachen Bebauungsplanverfahren zu verwirklichen wäre, müsste die Stadt diesen Weg wählen.

          Hier will Frankfurt sich erweitern: Agrar-Fläche östlich der A5
          Hier will Frankfurt sich erweitern: Agrar-Fläche östlich der A5 : Bild: Victor Hedwig

          Im Planungsdezernat ist man sich klar darüber, dass bis zum Baubeginn zahlreiche Hürden zu nehmen sind. Zu ihnen zählen die Steine, die die Nachbarkommunen dem Projekt in den Weg legen könnten. Stadtrat Mike Josef (SPD) wird am Mittwoch nach Oberursel fahren, um in einer öffentlichen Sitzung des Bauausschusses über die Planungen zu informieren. In Oberursel wie in Steinbach blickt man dem geplanten Bau von rund 10 000 Wohneinheiten in der Nachbarschaft mit Skepsis entgegen.

          Noch nicht entschieden ist nach Angaben des Planungsdezernats, wie die Entwicklung des Gebiets organisiert wird. Die Aufgabe ist denkbar komplex: die Beordnung der Grundstücke, die Schaffung der Infrastruktur, die Vergabe der Flächen an Bauträger und die Organisation von Architektenwettbewerben gehören dazu. Es sind unterschiedliche Modelle denkbar. So könnte die Stadt eine eigene Gesellschaft gründen nach dem Vorbild der Dom-Römer-Bebauung. Eine andere Option wäre, einen Treuhänder einzusetzen. Dieses Modell ist am Riedberg gewählt worden, wo eine Tochter der landeseigenen Hessen-Agentur den Stadtteil entwickelt hat.

          So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

          Denkbar wäre auch, ein privates Unternehmen zu beauftragen. In Frage käme etwa die DSK mit Sitz in Wiesbaden, die jüngst mit der Konversion der Pioneer-Kaserne in Hanau beauftragt wurde. Zuständiger Bereichsleiter ist der frühere Frankfurter Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen). Aber auch der städtische Immobilienkonzern ABG Holding bringt sich ins Spiel. Auf Anfrage sagte Geschäftsführer Frank Junker, sein Unternehmen sei in der Lage, ein solches Projekt zu stemmen. Vorrangig sei, dass jemand die Organisation führe, der unternehmerisch und nicht verwaltungstechnisch denke.

          Erste Überlegungen werden auch zu der Frage angestellt, wie sich der neue Stadtteil strukturell, städtebaulich und architektonisch überzeugend gestalten lässt. Junker mahnte an, dass nicht noch eine Schlafstadt entstehe wie am Riedberg. Die jüngeren Neubaugebiete in Frankfurt haben nach allgemeiner Einschätzung der Fachleute eklatante Gestaltungsschwächen. Planungsdezernent Josef kann sich ein Consilium vorstellen, wie es einst einberufen wurde, um die Entwicklung der Neubaugebiete am Main vorzubereiten. Damals hatten hochrangige Experten Hinweise gegeben, wie die Bebauung anzugehen sei.

          Der Architekt Jens Happ, Vorstand des Städtebaubeirats, hält die Schaffung eines solchen Gremiums für sinnvoll. Es solle nicht jedes Detail eines Entwurfs beurteilen, sondern Gestaltungsvorgaben für den neuen Stadtteil formulieren und deren Einhaltung überwachen. In Köln und Hannover sei ein solches Modell erfolgreich praktiziert worden.

          Stadtquartier statt Siedlung

          Der Architekt Christoph Mäckler wirbt für die Schaffung eines Gremiums, das sich aus Vertretern verschiedener Disziplinen zusammensetzt: Architekten, Stadtplaner, Verkehrsplaner und Historiker sollten Vorgaben für die städtischen Räume entwickeln, also für die Breite der Straßen, die Höhe der Gebäude und die Abfolge von Plätzen. Das solle unter Einbeziehung der Bürger geschehen.

          Mäckler ist überzeugt, dass die Mehrzahl sich einen Stadtteil nach dem Vorbild des europäischen Städtebaus wünschen werde, wie er bis in die zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts betrieben wurde. Es dürfe keine Siedlung entstehen, vielmehr müsse ein Stadtquartier errichtet werden, in dem nicht nur gewohnt, sondern auch gearbeitet werde. Das Konzept für den Stadtteil und eine damit verbundene Gestaltungssatzung müssten dann konsequent umgesetzt werden.

          Quelle: F.A.Z.

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