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Veröffentlicht: 17.05.2017, 19:50 Uhr

Lutherweg durch Hessen Viele Infos und ein bisschen Kerkeling

Auf dem neuen, 400 Kilometer langen Lutherweg kann man die Spuren der Reformation verfolgen. Und Langsamkeit suchen.

von Marie Lisa Kehler
© dpa Wegweiser: Gesehen am Lutherweg im oberhessischen Lich

Ein bisschen Hape Kerkeling stecke schon in ihm, sagt Bernd Rausch. Mit einem Unterschied: Er selbst habe über seine Pilgerreise noch kein Buch geschrieben. Dabei könnte der 68 Jahre alte Vorsitzende des Vereins „Lutherweg in Hessen“ ganze Romane füllen. Seit 2012 treibt er gemeinsam mit zahlreichen Ehrenamtlichen den Ausbau des „Lutherweges 1521“ voran. Heute soll der Weg vom Präsidenten der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau, Volker Jung, gemeinsam mit dem hessischen Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir in Romrod bei Alsfeld eröffnet werden. Höchste Zeit, wie Rausch sagt. Denn gepilgert werde schon seit Monaten auf Luthers Spuren – auch ohne Eröffnungszeremonie. Das habe dazu geführt, dass er und seine Vereinskollegen vor einigen Monaten nachts einen Wanderer im Wald suchen mussten. Damals sei der Weg noch nicht vollständig ausgeschildert gewesen, entschuldigt sich Rausch. Heute sei das anders. „Es gibt so viele Schilder – der Weg ist unverlaufbar“, ist er sich sicher. Als Markierung wurde ein grünes „L“ gewählt, das in den vergangenen Monaten gleich in tausendfacher Ausführung entlang der Strecke angebracht wurde.

Der 400 Kilometer lange Pilgerweg verläuft zwischen Worms und Eisenach, führt durch drei Bundesländer, an 39 Städten entlang. Er bildet die Reise Luthers im Frühjahr 1521 zum Reichstag nach Worms und seiner anschließenden Flucht auf die Wartburg bei Eisenach nach, wo er das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche übersetzte. Heute steht der Weg als Symbol für den Wandel vom Mittelalter zur Neuzeit. Der Lutherweg 1521 sei ein Angebot für Pilger und Wanderer, die an der Reformation und deren Auswirkungen interessiert seien, aber auch für diejenigen, die Erholung und Entspannung vom Alltag suchten, erklärt Ideengeber Bernd Rausch.

500.000 Euro kostet das Projekt

40 Informationstafeln, zahlreiche historische Orte und Einkehrmöglichkeiten lassen sich entlang der Strecke entdecken. 500.000 Euro kostet das Projekt. 65 Prozent übernahm das Land, die restlichen Kosten tragen Förderer, Stiftungen, Unternehmen und die evangelische Kirche. Von dem Geld wurden unter anderem die Beschilderung des Weges, Werbemaßnahmen, der Entwurf von Kartenmaterial und die Entwicklung einer Homepage bezahlt. Auf dieser können beispielsweise Wanderkarten inklusive GPX-Daten heruntergeladen, ein gebundener Pilgerführer im Hosentaschenformat bestellt und Wandererlebnisse geteilt werden. Außerdem können Wanderer über die Homepage ein Pilger-Stempelbuch beantragen, um ihren Streckenverlauf zu dokumentieren.

Rausch, ehemals Sachbearbeiter bei einer Stadtverwaltung, koordiniert das Großprojekt mit weiteren Ehrenamtlichen. Viele seiner Mitstreiter seien, wie er, bereits in Rente, sagt der 68 Jahre alte Organisator. Zum Vorstand zähle unter anderem ein ehemaliger Landrat, aber auch der pensionierte Direktor einer Bank. Die „Rentnertruppe“, wie Rausch scherzhaft sagt, habe das nötige Fachwissen und die Kontakte mitgebracht, um aus der ersten Idee eines der umfangreichsten Projekte in Hessen und Rheinland-Pfalz im Lutherjahr werden zu lassen. Sie schrieben Förderanträge, holten Städte und Gemeinden entlang der Strecke mit ins Boot, knüpften Kontakt zu Heimatforschern und lernten dabei selbst allerhand über Luther. Der Verein ist mittlerweile auf rund 100 Mitglieder gewachsen. Darunter finden sich rund 50 Städte und Landkreise.

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