Das Frankfurter Sigmund Freud-Institut (SFI) hat Margarete Mitscherlich als bedeutende Persönlichkeit mit imponierender intellektueller Wachheit gewürdigt. „Mit ihrem Tod verliert das Sigmund Freud-Institut eine wichtige Identifikationsfigur und ein überzeugendes Vorbild, wie Menschen in Würde altern können“, heißt es auf der SFI-Home-Page. Mitscherlich war am Dienstag im Alter von 94 Jahren in Frankfurt gestorben. Dem Institut, dessen psychoanalytische Ausbildung sie zeitweise leitete, war sie bis ins hohe Alter verbunden.
Nach wie vor sei Mitscherlich präsent gewesen und immer wieder zu Rate gezogen worden, sagte der stellvertretende Direktor, Rolf Haubl. Sie sei eine Frau mit tief empfundenem Engagement für die Welt und einer großen Lust am Denken gewesen, und „wer eine Aufgabe hat, der hält auch lange durch“, sagte Haubl, der seit zehn Jahren am Institut arbeitet.
Aufbruch der Psychoanalyse
Zusammen mit ihrem Mann Alexander Mitscherlich stehe Margarete für den Aufbruch der Psychoanalyse im Nachkriegsdeutschland. Beide seien bis heute geniale Stichwortgeber für ungelöste Fragen, etwa: Wie kommt der Hass in die Welt oder warum flackert der Antisemitismus immer wieder auf.
Mit ihrem 2010 entstandenen Buch „Die Radikalität des Alters“ habe Margarete Mitscherlich dazu aufgerufen, sich nicht mit konventionellen Ideen zufriedenzugeben, sondern „in konstruktiver Weise anzuecken“. Dies habe sie vor allem Frauen mit auf den Weg geben wollen.

