In schwierigen Zeiten freuen sich die Verantwortlichen schon über das Ausbleiben schlechter Nachrichten, auch wenn sie gute noch nicht verkünden können. So geht es auch Karlheinz Kroke, dem Verlagsgeschäftsführer der „Frankfurter Rundschau“: „Das war meine erste Betriebsversammlung seit sieben Jahren, bei der ich keinen Verlust von Arbeitsplätzen ankündigen musste“, tröstet sich Kroke mit Blick auf die jüngste Zusammenkunft.
Dennoch hatte er den Mitarbeitern auch eine schlechte Nachricht zu überbringen: Mit den Gewerkschaften soll über die Verlängerung des Sanierungstarifvertrages verhandelt werden. Das bedeutet: Die eigentlich wieder vorgesehene Zahlung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld soll abermals ausgesetzt werden.
Gestiegene Erträge aus digitalem Geschäft
Dies zeigt, dass die „Frankfurter Rundschau“, seit Jahren gebeutelt, noch immer in der Krise steckt. Aber so, wie ein Patient zwar immer noch krank sein kann, es ihm aber dennoch deutlich besser geht, so schätzt Kroke auch den Stand der Dinge im eigenen Hause ein. Die Verluste - rein auf das Produkt „Frankfurter Rundschau“ gerechnet - hätten im vergangenen Jahr rund acht Millionen Euro betragen und könnten im laufenden Jahr vielleicht auf vier Millionen halbiert werden, hofft der Geschäftsführer. Anlass zum Optimismus gäben die Zahlen für die ersten vier Monate 2012, die zwar immer noch rot seien, aber deutlich besser als geplant.
Die Ursache für das verbesserte Ergebnis sieht Kroke vor allem in den gestiegenen Erträgen aus dem digitalen Geschäft. Gemeint sind damit die Werbeeinnahmen, die durch das Internetangebot www.fr-online.de und die Digitalausgabe der „Rundschau“ auf dem iPad generiert werden. Ebenfalls bemerkbar machen sich die inzwischen erreichten „schlanken Strukturen“. Damit meint Kroke unter anderem die Synergie-Effekte, die durch die Zusammenlegung der Mantelredaktionen bei der „Berliner Zeitung“ entstanden sind, die wie die „Rundschau“ und der „Kölner Stadtanzeiger“ zum Kölner Verlag M.DuMont Schauberg gehört.
Angespannte Lage auf dem Zeitungsmarkt
58Redakteursstellen sind entfallen, und die Summe, die der Verlag allein für Abfindungen ausgegeben hat, beläuft sich nach Krokes Angaben auf 9,5Millionen Euro: „Wir hätten das mit betriebsbedingten Kündigungen und Sozialplan auch für ein Drittel des Geldes haben können, aber die Gesellschafter sind den Weg der Verantwortung gegangen.“ Die Gesellschafter der Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH, die die „Rundschau“ herausgibt, das sind zu 50Prozent plus eine Stimme M. DuMont Schauberg in Köln, zu 40Prozent die Deutsche Druck- und Verlags-Gesellschaft (DDVG), die Medienholding der SPD, und zu zehn Prozent die Karl-Gerold-Stiftung.
Die angespannte Lage auf dem Zeitungsmarkt zeigt sich auch daran, dass Konkurrenten den Schulterschluss dort suchen, wo er beide Seiten stärken kann. Die beiden Hauptgesellschafter des Blitz-Tip-Verlages, nämlich der „Rundschau“-Verlag Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH und der Hannoversche Madsack-Verlag, stellen das Anzeigenblatt „Äppler“ ein. Betroffen davon sind nach Gewerkschaftsangaben „die meisten der 53 Stellen“.
Hoffnung bis 2015
Der „Blitz Tip“ erscheint dann von Juni an nicht mehr am Mittwoch, sondern am Samstag. Gleichzeitig wird der Schwestertitel „Äppler“, der bisher am Samstag herauskommt, eingestellt. Das konkurrierende Anzeigenblatt „Mix am Mittwoch“ aus dem Haus der Frankfurter Societäts-Medien GmbH, in der auch die „Frankfurter Neue Presse“ herauskommt, soll künftig gemeinsam mit dem „Blitz Tip“ vertrieben werden. Zu diesem Zweck hat „Mix am Mittwoch“ rückwirkend 50Prozent der Anteile an der „Blitz-Tip“-Zustellgesellschaft Hessenmedien Logistik erworben.
Kroke findet das vernünftig und betrachtet den Einstieg der Konkurrenz als ermutigendes Signal auf dem schwierigen Weg seiner „Frankfurter Rundschau“. Auf die Frage, wie die Stimmung der Gesellschafter sei, die ja immerfort Geld nach Frankfurt überweisen müssen, sagt Kroke, er hoffe, der Belegschaft bald mitzuteilen, dass die Gesellschafter über eine Patronatserklärung den Bestand der „Rundschau“ bis zum 31.Dezember 2015 zusagen könnten. Das wäre in der Tat eine nicht zu erwartende positive Entwicklung für einen Zeitungstitel, auf dessen Fortbestand in der Branche lange Zeit keine Wetten abgeschlossen wurden.