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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Verkehrstechnik Kluge Ampeln sind teuer

 ·  Frankfurts intelligenteste Ampel steht an der Niederräder Uferstraße auf Höhe der Haardtwaldstraße.

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Diese Lichtanlage kann sich sowohl mit den Autos, als auch mit der Integrierten Gesamtverkehrszentrale Frankfurt im Westhafen und der Hessischen Verkehrszentrale in Rödelheim unterhalten.

Sie soll zusammen mit zwei Dutzend ebenso klugen Schwestern in Zukunft den beiden Leitstellen das Verkehrsaufkommen melden. Außerdem soll sie den Autos in Niederrad die Informationen geben, wo es voraussichtlich stocken wird und welche Ausweichmöglichkeiten bestehen.

Lohnt sich die Investition noch?

Aber kann und soll sich Frankfurt diese intelligenten Ampeln überhaupt noch leisten? Immerhin kosten sie die Stadt 1,5 Millionen Euro. Als die Stadtverordneten 2008 das Geld für diese Anlagen genehmigten, war lediglich von 426.000 Euro die Rede. Während Verkehrsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) bei den Stadtparlamentariern für die Bereitstellung des Differenzbetrags von etwa einer Million Euro im Verkehrsausschuss warb, sprach sich die SPD dort gegen die Genehmigung zusätzlicher Gelder aus.

Die 1,5 Millionen Euro für die intelligenten Ampeln stellen freilich nur einen geringen Teil jenes Betrages dar, den das Projekt Sim TD kostet, zu dem das Niederräder Ampel-Vorhaben gehört. Sim TD ist die Abkürzung von "Sichere Intelligente Mobilität Testfeld Deutschland". Hinter dem Kürzel verbirgt sich ein Feldversuch für neue Verkehrstechnik. 30 Millionen Euro investiert allein der Bund in das Forschungsvorhaben. Weitere 30 Millionen kommen von den deutschen Automobilkonzernen von Opel über Daimler bis zu Volkswagen, von den Zulieferern Bosch und Continental sowie von der Telekom.

"Soll Frankfurt das ganze Projekt stoppen?"

Auch Hessen steuert etwa acht Millionen Euro bei. Auf einem ehemaligen Kasernengelände in Friedberg finden die Trockenübungen für die sogenannte Car-to-X-Kommunikation statt: Autos "sprechen" über automatisierte Telekommunikationsverbindungen mit anderen Autos und warnen sie zum Beispiel vor Glatteis oder einem Unfall auf der Strecke. Darüber hinaus kommunizieren sie mit den Verkehrszentralen: Sie geben Informationen über ihren Standort, ihre Geschwindigkeit und andere Daten an die Leitstelle, die daraus ein Lagebild errechnet und den Verkehr entsprechend lenkt.

Testfelder des Versuchs sind Autobahnen und Bundesstraßen um Frankfurt, wo von Sommer an 120 Testwagen die neue Technik erproben sollen. Und eben auch Niederrad. Dank der Informationen aus dem südlichen Stadtteil werden die Verkehrslenker in der Zentrale Ampelschaltungen effektiv an die jeweilige Verkehrslage anpassen können, hofft das Straßenverkehrsamt.

Aber warum sind die Kosten von rund 400.000 auf anderthalb Millionen Euro gestiegen?

Frankfurt hat vor Jahren zugesagt, sich am Feldversuch Sim TD zu beteiligen und dafür zwei Dutzend Ampeln in Niederrad umzurüsten. Nachdem sich nun herausgestellt hat, dass die Kosten höher sind als ursprünglich angenommen, wird Kritik laut. Forschung sei nicht Aufgabe der Stadt, argumentierte der SPD-Fraktionschef Klaus Oesterling. Seine Partei könne der Mehrausgabe nicht zustimmen.

"Soll Frankfurt das ganze Projekt stoppen?", hielt Verkehrsdezernent Majer ihm entgegen. Gewiss sei die Umrüstung der Ampeln kein Projekt der Daseinsvorsorge. Käme heute eine Anfrage, ob sich die Stadt auch finanziell an einem solchen Feldversuch beteiligen wolle, würde man sich dies angesichts der schwierigen Finanzlage gewiss zweimal überleben. Doch Frankfurt habe sich nun einmal vertraglich verpflichtet und solle sich tunlichst an die Abmachungen halten.

Keine Projekte drängeln sich auf der Warteliste

Weil sich herausgestellt habe, dass von den zwei Dutzend vorgesehenen Ampeln zehn so alt seien, dass sie nicht umgerüstet werden könnten, erläuterte im Verkehrsausschuss Ulrich Schöttler, Leiter des Straßenverkehrsamts. Diese Anlagen hätten ohnehin in absehbarer Zeit ausgetauscht werden müssen. Insofern sei die Mehrausgabe eine sinnvolle Investition in Frankfurts Verkehrsinfrastruktur, folgerte Stadtrat Majer.

Andere und dringlichere Ampel-Projekte müssten warten, weil alles Geld für das Niederräder Projekt ausgegeben werde, warnte daraufhin Oesterling. Es gebe derzeit gar keine Projekte auf der Warteliste, entgegnete der Dezernent. Alle Anträge auf neue Ampeln seien abgearbeitet worden.

Die SPD muss sich keine Gedanken machen, ob sie auch diesem Projekt widersprechen sollte

Was allerdings noch ansteht, ist die Umrüstung aller Fußgängerampeln an Gleisüberquerungen auf das neue System Rot-Rot. Überall an gefährlichen Stadtbahn-Linien sollen die Ampeln für Passanten künftig nicht mehr von Rot auf Grün wechseln, sondern von Doppel-Rot auf "Aus". Davon versprechen sich die Planer eine höhere Sicherheit für jene Fußgänger, die Gleise überqueren müssen. An der Adolf-Miersch-Straße in Niederrad und auf dem Riedberg ist die Umstellung entlang der Schienenwege schon verwirklicht, bis zum Sommer sollen die Anlagen entlang der Eschersheimer Landstraße in Doppel-Rot aufleuchten, danach werden die Ampeln von der Borsigallee bis zum Ratsweg umgepolt.

Die SPD muss sich keine Gedanken machen, ob sie auch diesem Projekt widersprechen sollte. Denn eine förmliche Zustimmung durch die Stadtverordneten ist nicht nötig. Das Geld dafür wird aus dem normalen Topf für Modernisierungsvorhaben genommen.

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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