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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Verkehr Königsteiner Kreisel soll leistungsfähiger werden

 ·  Der Ausflug in die frische Taunusluft beginnt für Bewohner des westlichen Rhein-Main-Gebiets häufig in den Abgasen einer Autoschlange. Vor das erholsame Ausschreiten im Grünen oder die flotte Rodelpartie am Feldberghang hat die Geographie den Stau am Königsteiner Kreisel gesetzt.

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Der Ausflug in die frische Taunusluft beginnt für Bewohner des westlichen Rhein-Main-Gebiets häufig in den Abgasen einer Autoschlange. Vor das erholsame Ausschreiten im Grünen oder die flotte Rodelpartie am Feldberghang hat die Geographie den Stau am Königsteiner Kreisel gesetzt. Was schon am Wochenende stört, behindert erst recht die Pendler, die sich täglich auf den Weg nach Frankfurt machen. Wer sich im Lauf der Jahrzehnte an die übliche Verzögerung zu den Stoßzeiten gewöhnt hatte, mußte in den vergangenen Wochen lernen, daß es noch schlimmer geht. Weil die Sodener Straße aufgerissen wird, wie die Bundesstraße 8 hier heißt, muß der Verkehr in Richtung Frankfurt über die Bischof-Kaller-Straße/B 455 den Kreisel verlassen. Zu Beginn der Umleitung war das Verkehrschaos derart groß, daß Stadt und Verkehrsbehörden eine Einsatzgruppe bildeten und sich sogar per Hubschrauber einen Überblick verschafften.

Die Bagger, Warnbaken und Umleitungsschilder sind die Vorboten des für das nächste Jahr geplanten Kreiselumbaus. Der Knotenpunkt ist dem Verkehrsaufkommen schon lange nicht mehr gewachsen. Zwei Bundesstraßen, die B8 und die B455, kreuzen sich hier. Außerdem stößt mit der Frankfurter Straße noch die Zufahrt zur Königsteiner Innenstadt zum Kreisel. In den vergangenen Jahren hat der Verkehr deutlich zugenommen. "Der Ausbau der B455 nach Oberursel macht sich bemerkbar", sagt der Sprecher des Amts für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) Frankfurt, Michael Antenbrink. Hinzu kämen die neuen Baugebiete in den Taunusgemeinden. Etwa 45000 Fahrzeuge passieren täglich den Kreisel und machen ihn zu einem der verkehrsreichsten in ganz Deutschland.

"Der Hauptstrom fließt entlang der Bundesstraße 8", sagt Antenbrink und beruft sich auf entsprechende Zählungen. Ihrer Leistungsfähigkeit haben die Planer daher besonderes Augenmerk gewidmet. Sie führt künftig jeweils zweispurig in den Kreisel hinein und heraus. Dies gilt sowohl für die Sodener Straße im Süden als auch die Le-Cannet-Rocheville-Straße im Norden. Dabei soll der B-8-Verkehr auch den Kreisel zweispurig passieren können, unterstützt durch drei Ampeln, die direkt im Kreisel den Verkehr anhalten können.

Der Knoten wird damit als "teilsignalisierter Kreisel" ein weiteres Unikum in der Verkehrslandschaft, erläutert Kathrin Brückner, für die Planung zuständige Projektmanagerin des ASV. Mit einer Ampel wird auch die Einmündung des Mammolshainer Wegs gesteuert. Wer aus Richtung Mammolshain kommt, kann dort künftig nicht mehr links abbiegen. Um die Fahrt in Richtung Frankfurt auf der B8 fortzusetzen, ist dann eine Runde durch den Kreisel nötig. Die übrigen Ampeln sichern Fußgängerüberwege.

Ebenfalls auf beiden Seiten gleich gestaltet wird die Einmündung der Bundesstraße 455 in den Kreisel, ob aus Richtung Eppstein/Wiesbaden oder Kronberg/Oberursel. In der Einfahrt wird der Verkehr durch eine Insel geteilt. Wer direkt weiter zur nächsten Ausfahrt der B8 will, soll auf der rechten Spur, dem sogenannten Bypass, zügig vorankommen. Die linke führt in den Kreisel hinein, um andere Ziele anzusteuern. Bei einer Fahrspur bleibt es an der Frankfurter Straße. Zu den optisch markanten Folgen des Umbaus gehört eine vier Meter hohe und 250 Meter lange Lärmschutzwand, die sich von der Le-Cannet-Rocheville-Straße her die Kurve entlang bis in die Frankfurter Straße ziehen wird. Gegenüber, von der Bischof-Kaller-Straße in die Sodener Straße hinein, ist wegen des abfallenden Geländes eine Stützmauer unterhalb des Gehsteigs nötig.

Um die Mauer zu bauen, benötigt die Straßenbauverwaltung einen etwa drei Meter breiten Streifen vom Grundstück der ehemaligen Holzhandlung Kreiner. Die Fläche könnte zum entscheidenden Faktor beim Zeitplan des Kreiselumbaus werden. Die Eigentümer gehen mit einem Normenkontrollverfahren gegen den Bebauungsplan vor, der Baurecht für alle Änderungen am Kreisel schaffen soll. Dahinter stehen unterschiedliche Auffassungen darüber, ob ein größerer Einkaufsmarkt auf dem dortigen Gelände entstehen könnte oder, wie es die politische Mehrheit fordert, auf dem sogenannten Minigolf-Gelände in der Innenstadt. Bürgermeister Siegfried Fricke (CDU) zeigt sich zuversichtlich, daß die Stadt notfalls mit Nachbesserungen den Bebauungsplan durchbringt. Parallel sollten Verhandlungen mit den Eigentümern den Streit beilegen, um eine Enteignung zu vermeiden. Diese sei aber vorsorglich vorbereitet worden.

Der Grundstücksfrage am Kreiner-Gelände kommt auch bautechnisch eine Schlüsselrolle zu. Hier befindet sich eine der wenigen Stellen, an denen die Fläche für den Kreisel vergrößert wird. "Wir fangen mit den Arbeiten immer beim Zugewinn an", sagt Projektgruppenleiter Bernhard Mertens. Es sei das Ziel, während der Bauzeit alle Fahrbeziehungen zu erhalten. Umleitungen wolle man auf die Schulferien beschränken. Bisher sind erst Versorgungsleitungen verlegt worden. Im Frühjahr soll der eigentliche Umbau beginnen, wenn bis dahin Baurecht besteht. Ende 2005 könnte der 2,7 Millionen Euro teure Umbau weitgehend fertig sein, an dessen Kosten sich die Stadt mit 20,21 Prozent beteiligt. Antenbrink schließt nicht aus, daß die Fahrbahnen erst im Frühjahr 2006 endgültig geteert werden können. Dafür sind mindestens fünf Grad Celsius nötig, und in Königstein bleibt der Schnee länger liegen als in Frankfurt. Ausweichrouten für die Umbauzeit gibt es vor allem für die B8 kaum. Die weiträumige Umfahrung über die Autobahnen 5 und 66 wird dadurch eingeschränkt, daß auch an letzterer gebaut wird. Der Weg in den Taunus über Königstein bleibt daher ein weiteres Jahr lang ein Engpaß.

BERNHARD BIENER

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