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Verkaufsoffener Sonntag Eine Absage aus heiterem Himmel

 ·  Seit Jahren findet im November in Frankfurt ein verkaufsoffener Sonntag statt - diesmal nicht.

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Mit den verkaufsoffenen Sonntagen hat Frankfurt nie recht Glück. Jahrelang hatte es solche Veranstaltungen schon im Umland gegeben, bevor sie kurz vor Ostern 2005 nach jahrzehntelanger Pause auch in der Mainmetropole wiedereingeführt wurden. Prompt kam es zu riesiger Aufregung, als im gleichen Jahr auch am 1. Advent die Geschäfte öffnen wollten. Als dieser Streit im Sinne der Kirchen beigelegt war, ging ein neuer los um die Frage, wie die Stadtteile bei solchen Veranstaltungen zu ihrem Recht kämen - mit der Folge der Schaffung eines speziellen Stadtteilsonntags, wie er übermorgen wieder stattfindet.

Am Donnerstag nun ist die Liste der Auseinandersetzungen um die verkaufsoffenen Sonntage in Frankfurt abermals verlängert worden: Wie aus heiterem Himmel gelang es Verdi, die seit Monaten für den 4.November geplante Ladenöffnung zu verhindern. Die Gewerkschafter, denen Sonntagsarbeit generell ein Dorn im Auge ist, konnten im Eilverfahren das Verwaltungsgericht Frankfurt für ihr Argument gewinnen, sowohl die Öffnung an diesem Sonntag in den Stadtteilen wie auch jene Anfang November in der Innenstadt entspreche nicht den Vorgaben des hessischen Ladenöffnungsgesetzes, wonach Sonntagsöffnungen vom jeweiligen Rathaus nur aus Anlass von „Märkten, Messen, örtlichen Festen oder ähnlichen Veranstaltungen“ zugelassen werden dürfen. Für den 2.September sind kleinere Feste in den Vierteln geplant, für den 4.November war ein Programm namens „Welcome Winter“ an der Hauptwache vorgesehen, mit Bühne und mehreren Ständen, bei denen sich ein skandinavisches Land präsentieren sollte.

„Der Einzelhandel ist einigermaßen entrüstet

Schon die kleinen Feste an diesem Sonntag reichten den Richtern nicht als Begründung eines verkaufsoffenen Sonntags. Und über das, was für November geplant ist, konnten sie in den Akten offenbar nur so wenig finden, dass sie auch dort zu der Einschätzung kamen, die Genehmigung sei rechtswidrig. So kam es zwischen der Stadt und Verdi zum Vergleich, wonach der 2.September bestehen bleibt, die für die Branche wichtigere Sonntagsöffnung im November aber ausfällt.

„Der Einzelhandel ist einigermaßen entrüstet“, sagte am Donnerstag Heinz Schmitz, Geschäftsführer des Vereins „Cityforum pro Frankfurt“, der die verkaufsoffenen Sonntage organisiert. „Die Frankfurter Innenstadt war belebt - das wird dem Handel fehlen“, fügte Joachim Stoll, Sprecher der Branche in der Mainmetropole, hinzu. IHK-Geschäftsführer Andreas Freundt rief in Erinnerung, dass die Sonntagsöffnung im November für den Start ins Weihnachtsgeschäft wichtig sei.

Hohe Hürden

Bei Verdi hingegen ist man bester Stimmung. „Wir bleiben natürlich am Ball“, berichtet Horst Gobrecht vom Landesbezirk Hessen. Die vier verkaufsoffenen Sonntage, die Hessen im Jahr zulasse, seien zu viele. Außerdem werde nicht genau genug hingesehen. „In Hessen gibt es ja eine Inflation von Traditionsfesten.“

Tatsächlich haben die Verwaltungsrichter die Hürden für verkaufsoffene Sonntage hoch gelegt. Es reiche nicht, wenn die Menschen nur durch die geöffneten Geschäfte angelockt werden, heißt es, vielmehr müsse „die bereits bestehende Veranstaltung für sich genommen einen beträchtlichen Besucherstrom auslösen“. Das lässt sich für alles, was je in Frankfurt für verkaufsoffene Sonntage organisiert worden ist, aber wirklich nicht sagen. Mal wurden Oldtimer geparkt, mal Blumen gepflanzt, mal Imbissbuden aufgebaut. So hat Verdi unverhofft auch die Schwächen des Frankfurter Stadtmarketings bloßgelegt. Der hellsichtige Stoll hatte schon im Juni während einer Veranstaltung dieser Zeitung ein professionelleres Citymarketing für Frankfurt gefordert, unter Beteiligung der Stadtverwaltung.

„Wir müssen uns intern beraten“

Anderswo gibt man sich mehr Mühe. Denn Sonntagsöffnungen haben sich nahezu überall als Marketinginstrument etabliert. In der Bevölkerung sind sie beliebt, und seit das Land die Adventsonntage ausgeschlossen hat, ist auch von den Kirchen kein Protest mehr zu hören, zumal die Läden erst am Nachmittag, nach den Messen und Gottesdiensten, öffnen dürfen. Mancherorts wie in Kronberg sind es die einzigen Anlässe, zu denen die Stadt einmal so voll ist, wie es sich die Händler stets wünschen. Mit dem Einzelhandel hat sich Verdi gemeinsam mit der „Allianz für den freien Sonntag Hessen“ ohnedies eine Branche vorgenommen, die unter Druck steht, seit die Kunden mehr und mehr online bestellen - rund um die Uhr und so auch an jedem Sonntag, nicht nur viermal im Jahr.

„Cityforum“-Chef Schmitz wusste am Donnerstag auch nicht recht, wie es weitergehen wird, zumal auch im nächsten Jahr wieder verkaufsoffene Sonntage stattfinden sollen. „Wir müssen uns intern beraten“, sagte er knapp.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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