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Verein „Peng“ Suche Künstler, jung und selbstbewusst

 ·  Der Verein „Peng“ in Mainz gibt jungen Künstlern einen Raum - gestalten müssen sie ihn selbst. Nach langer Suche hat das „Pengland“ nun ein neues Zuhause gefunden.

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Aus nichts viel machen - das ewige Motto zahlreicher Studentengenerationen. Ob nun aus dem leeren Kühlschrank ein Abendessen zu zaubern ist oder aus dem blanken Word-Dokument eine Hausarbeit: Wer wenig besitzt, muss kreativ sein. Dieses Konzept treibt der Kunstverein „Peng“ in Mainz seit mittlerweile sechs Jahren auf die Spitze. Aus einem leeren Raum kreieren sie nach dem Motto „Peng ist, was du draus machst“ immer wieder neu einen kulturellen Erlebnisort, den sie dann „Pengland“ nennen.

Es ist eine Mischung aus Kunstforum und Galerie, eine Plattform für Nachwuchskünstler und jede Art von Kreativen. Das anfangs kleine Studentenprojekt, bei dem größtenteils angehende Designer ihre Seminararbeiten ausstellten, hat sich langsam, aber sicher zu einem wichtigen Teil der Mainzer Kulturlandschaft entwickelt.

Provokation erwünscht

Es ist keine Galerie im klassischen Sinne, hier wird nicht kuratiert, niemand wird eingeladen, es gibt keine Verträge und keinen Druck. Wer ausstellen, einen Vortrag halten oder ein Konzert spielen will, kommt vorbei und macht einen Termin aus. Der Verein stellt seine Räumlichkeiten für Veranstaltungen jeder Art zur Verfügung, auch Musikanlage, Kameras und Mikrofone dürfen genutzt werden. Mitmachen darf im Sinne der Freiheit der Kunst und des Wortes nahezu jeder, angeblich wird niemand abgelehnt, gleichviel ob mit oder ohne Talent und wie er orientiert ist. Im Gegenteil: „Wir würden uns freuen, wenn auch mal ein paar Rechtsradikale einen Vortrag hielten“, meint Ago Rurek, ehemaliger Vorsitzender von Peng. „Oder vielleicht ein Taliban.“

Provokation ist, ganz im Sinne der modernen Kunst, ausdrücklich erwünscht. Doch wer provoziert, der muss sich anschließend eben auch der öffentlichen Diskussion und ungewohnt offenen Kritik der Besucher stellen. Bisher habe sich das noch kein Extremist, gleich welcher Gesinnung, getraut, meint Rurek und findet das „ehrlich schade“.

Bilder als Freunde

Meist sind es ganz im Gegenteil erstaunliche Talente, die den Weg in die Galerie finden. Einer von ihnen ist Hans Werner Bender, der zur Eröffnung des fünften Penglands an der Martinsstraße seine Gemälde ausstellte. Der studierte Kunsterzieher sitzt seit sieben Jahren im Rollstuhl und verlässt seitdem nur selten seine Wohnung. Wenn er es doch tut, dann liegt meist eine Holzplatte auf seinem Schoß, auf der Aquarellfarben und Papier befestigt sind; in der Hand hält er ein Glas Wasser. Dann malt er Mainz aus seiner Perspektive. Was dabei herauskommt, sind ausdrucksstarke Bilder, irgendwo zwischen Expressionismus, Surrealismus und Comic Art, die der Domstadt einen frischen Anstrich verleihen.

Hans Werner Bender ist ein bescheidener Mensch. Dass an vielen seiner Bilder schon zur Midissage kleine weiße Zettel mit der Aufschrift „verkauft“ hängen, versteht er als Einziger im Raum nicht. Bisher hat er seine Werke verschenkt: an die Damen von der Apotheke, die ihm seine Pillen bringen, an Bekannte, an so ziemlich jeden, der Interesse zeigte. „Die Bilder sind meine Freunde, solange sie mich beschäftigen“, sagt er. „Danach haben sie für mich keinen Nutzen mehr.“

Peng ist fast immer ausgelastet

Ausstellen wollte er eigentlich nie, und damit ist er genau das, was der Kunstverein Peng sucht. Man will Kunst fördern, die ansonsten nie jemand zu Gesicht bekommen hätte. Ungefähr 600 Künstler haben seit 2006 für Peng ausgestellt und performt - wie viele es genau waren, wissen die Veranstalter selbst nicht mehr. Wo der kreative Nachwuchs andernorts bezahlen muss, um ausstellen zu dürfen, bekommen die Künstler hier pauschal 100 Euro, die sie in Flyer und Werbung für ihre Ausstellung investieren sollen.

Peng ist fast immer ausgelastet, zwischen drei Tagen und zwei Wochen dauern die jeweiligen Events, dann verwandelt die Galerie sich wieder. Die kontinuierliche Neuinszenierung ist gewollt, um immer „frisch“ zu bleiben. In den vergangenen Jahren ging der stete Wandel aber wohl etwas grundlegender vonstatten, als sich die Mitglieder das selbst wünschen können: Vier Mal mussten sie seit der Gründung schon umziehen, das kostet jedes Mal viel Zeit und Geld. Das letzte Pengland, an der Rheinallee, mussten sie vor einigen Monaten aufgeben, weil das Haus kernsaniert wird. Die anderen Male hatten sich Anwohner wegen des Lärms beschwert - Peng musste gehen.

Viele Studenten verlassen Mainz nach dem Studium

Dabei versteht sich Peng keineswegs als Krachmacherverein, aber die Veranstaltung von Partys gehört gewissermaßen zum Geschäftsmodell. Denn der Monatsbeitrag von 3,30 Euro, den die rund 150 eingetragenen Vereinsmitglieder entrichten, reicht für Miete, Equipment und Strom vorne und hinten nicht. Bei den Partys verteilen sie Getränke gegen Spenden, denn Fördermittel erhalten sie keine. Der Vorsitzende Andreas Fitza möchte, dass das so bleibt: „Wir wollen uns nicht abhängig machen.“ Eine andere Art der Hilfe nahmen die freien Kunstförderer jedoch gerne an: Erst mit der Unterstützung des Mainzer Oberbürgermeisters Michael Ebling (SPD) fanden sie die neuen Räume an der Martinsstraße.

Ebling steht auch nach der Wahl weiter an der Seite des Vereins, denn er schätzt das Engagement der jungen Menschen. Er wolle „solche kreativen, innovativen Köpfe dauerhaft an den hochgradig kulturinteressierten Hochschulstandort Mainz binden“, sagt er. Denn viele Studenten verlassen Mainz nach dem Studium, ziehen in Städte mit größerem kulturellen Angebot wie Berlin oder Köln. Auch die Mainzer Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD) kam zur Neueröffnung und lobte den Einsatz des Vereins für die freie Kunstszene in Mainz.

Klare Vorstellungen für die Zukunft

Seit kurzem hat die fünfte Version des Penglands nun ihre Tore geöffnet. Doch allzu häuslich wollen sich die Organisatoren hier nicht einrichten, nicht nur um den rustikalen Charme der Kellergewölbe an der Martinsstraße zu erhalten. Denn obwohl sie die dunkle Rumpelkammer innerhalb weniger Wochen in eine ausdrucksvolle Galerie verwandelt haben, ist auch sie nur als Übergangslösung gedacht. Sie liegt mitten im Wohngebiet, schon während des Umbaus gingen einige Beschwerden beim Ordnungsamt ein.

Deshalb denkt Fitza schon jetzt über den nächsten Umzug nach, und er hat klare Vorstellungen für die Zukunft: Er will Peng in der seit Jahren leerstehenden Neutorschule unterbringen. Schon lange wird in der Stadt darüber diskutiert, was mit dem denkmalgeschützten Gebäude geschehen soll. Das Land Rheinland-Pfalz will auf dem Gelände nahe dem Römischen Theater ein Archäologisches Zentrum errichten. Ob die in den zwanziger Jahren errichtete Schule dann dem Neubau weichen muss oder im zweiten Bauabschnitt in das Zentrum integriert wird, steht noch nicht fest. Peng setzt sich gemeinsam mit verschiedenen Bürgerinitiativen dafür ein, das Gebäude als Kulturzentrum für junge Leute zu nutzen. Und vielleicht findet Peng dort tatsächlich ein zumindest vorerst dauerhaftes Zuhause.

Wenn nicht: Übung im Packen haben die Kulturschaffenden allemal.

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