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Verein „Maisha“ : Aufklärung im Kampf gegen Beschneidung von Mädchen

Ein Werkzeug der Gewalt: Messer wie dieses werden bei der Beschneidung von Mädchen verwendet. Das Foto wurde in Mali aufgenommen. Bild: Kaufhold, Marcus

Zwölf Jahre war Agnes Kipsoi alt, als die Beschneiderin kam. Niemand in dem Dorf im Westen Kenias fand etwas Schlimmes daran. Doch das ändert sich, auch dank des Einsatzes der Frankfurterin.

          Es geschah am Fluss in der Nähe ihres Dorfes. Auf diesen Moment wurden die 14 Mädchen tagelang vorbereitet, auch Agnes Kipsoi. Zwölf Jahre alt war sie, und als sie an der Reihe war, kam die Beschneiderin auch zu ihr. Ein Messer hatte sie für alle Mädchen, und als „Betäubung“ musste kaltes Wasser reichen. Die 400 Meter zurück ins Dorf mussten die Mädchen zu Fuß zurücklegen, ohne über die Schmerzen, die ihnen die Beschneidung zugefügt hatte, zu klagen. „Wer weinte, war keine richtige Frau“, sagt Agnes Kipsoi. „Bei uns hat keine geweint.“

          Stefan Toepfer

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sie erzählt von diesem Tag, als sei er gestern gewesen. Doch er liegt 35 Jahre zurück. Die Frankfurterin heißt in Wahrheit anders, doch ihr richtiger Name soll nicht in der Zeitung stehen. Aufgewachsen ist sie in einem kleinen Dorf im Westen Kenias. Niemand hatte in der uralten Tradition etwas Schlimmes gesehen. „Sie gehörte einfach dazu, jeder hat es gemacht. Ich dachte, es sei etwas Gutes.“ Wer nicht mitmachte, wurde gemieden, galt weiter als unrein, schmutzig. Es war ausgeschlossen, später einen Mann zu finden und eine Familie zu gründen.

          Ein Ritus zum „Eintritt“ ins Erwachsenenleben

          So tat sich auch die Altersgruppe, zu der Agnes gehörte, zusammen. Die Eltern berieten, wann die Beschneidung stattfinden sollte, und suchten eine Beschneiderin. Jedes Mädchen wählte eine erwachsene Frau als Patin. Zehn Tage lang gab es Feste mit gutem Essen und Geschenke, ein neues Kleid. „Das war etwas Schönes“, sagt Agnes Kipsoi. Es waren Schulferien - so wie immer, wenn die Beschneiderin ins Dorf kam. Gesprochen haben die Mädchen mit ihr nicht. „Sie machte ihre Arbeit und ging wieder.“

          Für sie und die anderen Mädchen war der Ritus der „Eintritt“ ins Erwachsenenleben. „Ich war kein Kind mehr.“ Von jenem Tag an wurde den Mädchen Respekt gezollt, und sie galten als heiratsfähig. Das Hochzeitsalter lag bei 15 bis 17 Jahren, die Ehen wurden in aller Regel zwischen den Familien arrangiert. „Meine Mutter war anders.“ In ihrer Stimme schwingt Erleichterung mit, als Agnes Kipsoi das sagt. Sie konnte in die nächstgelegene Stadt in ein Internat gehen. Irgendwie schaffte es die Familie, dass auch ihre vier Geschwister eine Schule besuchen konnten.

          Traditionen nicht widerspruchslos hinnehmen

          Ihren Ehemann fand Agnes Kipsoi schließlich in Deutschland. 1987 war sie nach Frankfurt gekommen. Studieren wollte die Einundzwanzigjährige damals, Literatur. Doch es kam anders: Sie lernte ihren Mann kennen, einen Deutschen, und kehrte nach einem kurzen Aufenthalt in Kenia wieder zurück nach Frankfurt. Heute arbeitet sie als Groß- und Außenhandelskauffrau in einem großen Betrieb; auch dessen Name tut hier nichts zur Sache. Sie und ihr Mann haben drei Kinder, ein Mädchen und zwei Jungen.

          Erst in Deutschland wurde ihr bewusst, dass die Beschneidung von Mädchen keine Tradition war, die man widerspruchslos hinnehmen muss, obwohl sie eigentlich verboten ist. „Ja, sie ist etwas Schlimmes.“ Damals sprach jenseits ihres Dorfs niemand darüber, auch nicht im Internat. Agnes Kipsoi wusste zwar von manchen christlichen Familien, die diese Tradition ablehnten. „Ich bin auch Christin, mir hat es damals aber nicht geholfen.“

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