„Lafleur“ im Palmengarten
Alfred Friedrich wirkt glücklich. Am Mittwoch ist das Restaurant „Lafleur“ im sanierten Gesellschaftshaus des Frankfurter Palmengartens eröffnet worden, mit ihm als Küchenchef. Das Lokal hat 40 Plätze, es ist großzügig und elegant, bei der Ausstattung ist es gelungen, die kühle Klarheit der Bauhaus-Fassade des Gesellschaftshauses aufzunehmen und doch zu brechen: mit Parkett aus geräucherter Eiche, auberginenfarbenen Wänden und in hellerem Lila bezogenen Stühlen. Die Tische sind rund, einige sind von Bänken eingefasst, sie wirken wie Inseln, von jedem Platz schaut man nach draußen. Friedrich ist aus dem Tigerpalast in den Palmengarten gezogen, mit dem gesamten Team aus Küche und Service. Im Tigerpalast kocht jetzt mit neuer Mannschaft Andreas Krolik, der aus Brenners Parkhotel nach Frankfurt gewechselt ist. Das ist so etwas wie eine Rochade innerhalb einer Familie, denn „Lafleur“ gehört wie das „Café Siesmayer“ im Palmengarten ebenfalls zum Tigerpalast.
Der ordnende Geist hinter dem Konzept ist Robert Mangold, der in der kleinen Unternehmensgruppe für die Gastronomie verantwortlich ist. Er hatte Friedrich, als er ihn 2009 für den Tigerpalast gewann, den Chefposten im Palmengarten versprochen mit einer technischen und ideellen Ausstattung nach dessen Wünschen. „Die Erwartungshaltung ist jetzt natürlich riesengroß“, sagt der Küchenchef und dass er sich darüber freut. Freuen werden sich wohl auch die vielen Fans, die er hat.
Im „Humperdinck“ in Frankfurt erkochte er sich zwei Michelin-Sterne
Der Fünfundfünfzigjährige, gebürtiger Österreicher, hat seine Ausbildung in einem Linzer Gasthaus gemacht, war Chef-Patissier im Schloss Fuschl, Saucier in der „Aubergine“ bei Eckart Witzigmann. Von 1990 bis 1991 war er Küchenchef bei Jörg Müller auf Sylt und dann bis 1996 Inhaber des „Humperdinck“ in Frankfurt. Dort erkochte er zwei Michelin-Sterne, bevor er im Rheingau das „Marcobrunn“ im Schloss Reinhartshausen übernahm. Als er das aufgeben musste, wurde er Küchenchef bei Heinz Winkler in Aschau. 2007 kam er zurück nach Frankfurt, zunächst ins „Restaurant Zarges“ auf der Freßgass’.
In seiner langen Laufbahn hat Friedrich seine Wurzeln in der französischen Küche nie gekappt, aber interessante Schritte zur Seite gemacht, sehr oft österreichische Elemente verarbeitet. Im „Lafleur“ gibt es mittags ein „Österreich“ genanntes Menü mit Alpenland-Klassik (konfierter Kalbstafelspitz) und eine „Vital“-Linie, bei der Kohlehydrate nur im Gemüse sind. Auf der Abendkarte mit Angebot à la carte und Menüs von 115 Euro an für vier Gänge (vegetarisch von 100 Euro an) stehen Essen, die auf den ersten Blick an Friedrichs Zeit im Tigerpalast denken lassen, aber mehrgliedriger sind. Besonders gut klingen die Fischgerichte (Genfersee-Felchen mit Urkarotte, Limone, griechischem Joghurt und Schwarzbrot; Filet von der Rotzunge mit Carabinieros, Sardellen, Kapern und Haselnüssen), es ist ein vielversprechender Ton unter den hiesigenTop-Lokalen.
Wer hingehen möchte: Telefon 069/90029100, dienstags bis freitags von 12 bis 15 Uhr und von 18.30 Uhr an, samstags nur abends.
Neues in der Krone
Mit Norman Wegner, einem jungen Koch, der zuletzt im „Medici“ in Baden-Baden verantwortlich war, hat das „Hotel Krone“ in Assmannshausen seit April einen neuen Küchenchef. Jetzt soll das einstmals sehr renommierte Fünf-Sterne-Haus, das in jüngerer Vergangenheit etwas ausgezehrt wirkte, wieder Fahrt aufnehmen, auch kulinarisch: mit dem Restaurant Veranda, das zusätzlich zur Kronenstube eröffnet wurde. Die Küche ist mediterran inspiriert und insgesamt eleganter als die der Kronenstube. (Rheinuferstraße 10; 06722/4030; mittwochs bis samstags von 19 Uhr an, Kronenstube täglich von 12 Uhr an.)
„Landgut“ in Falkenstein
Sein Restaurant „Siesmayer“ geschlossen, umgebaut und als „Landgut Falkenstein“ neu eröffnet hat das Kempinski-Grandhotel in Königstein-Falkenstein: Mit Holzboden und Ledersesseln statt Teppich und Polstern, mit einer Aufschnitt-Maschine in der Mitte des Raumes, mit einer Atmosphäre, die bodenständig, aber nicht rustikal ist (kleines Foto). Hatte das Ambiente zuvor traditionell gehobene Küche signalisiert, soll es nun zwanglos wirken, Gäste können sich auf ein Glas Wein genauso hinsetzen wie für ein Menü. Vor allem jüngere Leute, sagt Hoteldirektor Sefan Massa, wünschten sich das, „viele wollen einfach in ihrer Freizeit nicht im Anzug irgendwo hingehen“. Herzstück der Veränderung ist die neue, stringente Ausrichtung des kulinarischen Angebots, das vom Haus als gehoben regional beschrieben wird. Die meisten Zutaten stammen aus der näheren Umgebung, auf der Karte sind die Produzenten genannt. Von dem, was gekocht wird, kommt das meiste nicht auf Tellern angerichtet, sondern in Steingut-Formen auf den Tisch. Für das Niveau bürgt der langjährige Küchenchef Oliver Heberlein; er hat eine Karte geschrieben mit Wohlfühl-Klassikern von der geschmorten Rinderroulade bis zum Rehragout, mit schönen Beilagen, die ein Hinweis auf die Güte des Angebots sind, etwa Birnenkompott und Selleriepüree zum Rücken vom Taunusfrischling (Debusweg 6-18; 06174/900, täglich von 18 Uhr an, sonntags auch von 12 bis 15 Uhr.)
Aufstieg in Kranichstein
Vom Stellvertreter zum Küchenchef befördert worden ist im „Jagdschloss Kranichstein“ Ricky Marquardt, sein Vorgänger Thilo Hanke hat jetzt das Bräustüberl in Darmstadt inne. Marquardt ist 32 Jahre all, in Schwerin geboren und arbeitet seit 2008 im Jagdschloss. Dem stehen noch mehr Veränderungen bevor: Zum 31. Dezember werden die langjährigen Pächter Annette und Bernd Ludwig das Hotel aufgeben, aus dem sie in 15 Jahren eine gute Adresse gemacht haben. Neue Betreiber stehen noch nicht fest, wer noch einmal bei den jetzigen einkehren möchte, abends ins Restaurant „Landgraf Ludwig VIII“, mittags in den Kavaliersbau: Kranichsteiner Straße 261 in Darmstadt; 06151/97790.
„Hugo“ in Sachsenhausen
Die Apfelweinwirtschaften beginnen auszusterben in Frankfurt, nach Traditionsadressen in Bornheim werden auch alteingesessene Lokale in Sachsenhausen geschlossen. Das muss nicht immer tragisch sein, aber ob besser ist, was danach kommt, wenn es denn überhaupt eine Gaststätte und nicht ein Wohnhaus ist, muss sich auch erst zeigen. Derzeit wird aus „Dauth’s Hinnerkopp“ in Alt-Sachsenhausen die Brasserie Hugo. Man kann dort schon einkehren, auch wenn noch nicht alles fertig ist, offizielle Eröffnung soll im Oktober sein. (Große Rittergasse 53-59; Rufnummer 0163/5533122)
Pläne für Hanau
Am Hanauer Marktplatz entsteht ein Neubaukomplex, zu dem auch ein Lokal gehört, für das die Stadt Betreiber gesucht und jetzt gefunden hat: Den Zuschlag bekamen Stefan Gebauer und Sebastian Szutta, die unter anderem auch das „Café Central“ betreiben. Eröffnung am Marktplatz soll 2013 sein, mit regionaler Küche in szenigem Ambiente.
und außerdem ...
...hat das Restaurant „M“ an der Taunusstraße in Wiesbaden, das in der vergangenen Woche auf dieser Seite beschrieben war, auch mittags geöffnet, vollständig: dienstags bis samstags von 12 bis 14 Uhr und von 18 Uhr an, montags von 18 Uhr an.