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Veganer Fleischlos den Planeten retten

 ·  Veganern geht es um mehr als gesunde Ernährung. In Frankfurt hat sich ein ansehnliches Angebot entwickelt für diejenigen, die komplett auf tierische Produkte verzichten wollen. Ernährungswissenschaftler raten aber zur Vorsicht.

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Lydia Tänzer*. steht barfuß hinter einem Stand am Mainufer. Ihre naturgelockten Haare hat die 26 Jahre alte Studentin locker nach hinten gebunden, ihr Gesicht ist ungeschminkt. Auf dem Tisch vor ihr liegen Buttons mit der Aufschrift „Go Vegan!“, die Flyer daneben werben dafür, tierische Lebensmittel durch vegane zu ersetzen: pflanzlicher Aufschnitt statt Dauerwurst, Sojaschnitzel statt Steak, Ahornsirup statt Bienenhonig.

Tänzer und ihre Gruppe wollen die Menschen über den Veganismus informieren. Vegan zu leben heißt, auf alle tierischen Nahrungsmittel zu verzichten, also neben Fisch und Fleisch auch Kuhmilch, Ziegenkäse, Eier und Honig von der Speisekarte zu streichen. „Trotzdem esse ich nicht den ganzen Tag Vollkorn“, sagt Tänzer und zeigt auf den Schokoladenkuchen und die Walnussmuffins. Beides wurde ohne tierische Zutaten gebacken. Zusammen mit Freunden wirbt die gebürtige Dortmunderin auf dem „Flowmarkt“ an der Sommerwerft am Main für „Frankfurt Vegan“, eine Gruppe von jungen Leuten, die sich vegan ernähren und für Tierrechte einsetzen.

Der Vater war schon Vegetarier

Derzeit will die Gruppe, die sich über den Verkauf von gebrauchter Kleidung sowie Spenden finanziert, darauf aufmerksam machen, dass die Haltung von Wildtieren im Zirkus aus ihrer Sicht nicht artgerecht ist. Tiere gehören ihrer Meinung nach ohnehin nicht in Käfige. Außerdem veranstalten die sechs immer wieder vegane Grill-Picknicks, um in lockerer Atmosphäre mit Interessierten ins Gespräch zu kommen und Seitan-Wurst, Gemüsespieße und Folienkartoffeln schmackhaft zu machen. Das Ziel, sich für eine komplett vegane Uni-Mensa einzusetzen, hat die Gruppe hingegen aufgegeben: „Das ist utopisch“, sagt einer der Mitglieder. Ein veganes Gericht gebe es aber immer, Tofu-Medaillons zum Beispiel oder Soja-Ragout. „Und zur Not kann man sich ja auch etwas von zu Hause mitbringen“, erklärt der Student.

Tänzer selbst verzichtet seit fünf Jahren auf tierische Produkte. Ihr Vater ist Vegetarier, weshalb die Mutter oft fleischlos kochte. Der letzte Schritt, auch auf Honig, Milch und Eier zu verzichten, war für die Studentin deshalb ein kleiner. Zudem trägt sie keine Kleidung mehr aus Leder, Wolle und Pelz.

Verein mit Gleichgesinnten gegründet

Schwierigkeiten im Alltag bereite die Ernährung nicht. „Pizza schmeckt auch ohne Käse, in den meisten Imbissen gibt es vegane Falafel, selbst Dosenravioli mit Gemüsefüllung sind vegan“, sagt sie. Ohnehin bieten Großstädte wie Frankfurt mittlerweile ein ansehnliches Angebot für Veganer.

Vor zwei Jahren hat sich Tänzer dann mit kulinarisch gleichgesinnten Freunden zusammengetan, um „Frankfurt Vegan“ zu gründen. Die Kerngruppe besteht aus vier jungen Frauen und zwei Männern, die meisten sind Studenten.

Schon in der Antike fleischlos

Der prototypische Veganer - wenn es ihn denn gibt - ist weiblich und gebildet, erklärt Claus Leitzmann. Wieviele Veganer genau in Deutschland leben, sei allerdings schwer zu ermitteln, sagt der Ernährungswissenschaftler, der viele Jahre an der Universität Gießen gelehrt hat. Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland etwa sechs Millionen Vegetarier - das entspricht gut sieben Prozent der Bevölkerung. Von diesen sechs Millionen Menschen hätten sich wiederum rund zehn Prozent dafür entschieden, auch tierische Produkte beim Kochen und Backen zu umgehen. Der Veganismus als Einstellung zu der eigenen Gesundheit, Tierrecht und Umweltschutz wurzelt also im Vegetarismus, erklärt Leitzmann.

Aus religiösen oder ethischen Gründen auf den Verzehr von Fleisch zu verzichten habe schon in der vorchristlichen Antike Anhänger gefunden. Als Urvater des Vegetarismus, sagt der Ernährungswissenschaftler, gelte der griechische Philosoph und Mathematiker Pythagoras, der die „Enthaltung vom Beseelten“ gelehrt habe. Wann genau sich aus der Entscheidung, Fleisch und Fisch zu meiden, die konsequentere Variante des Veganismus entwickelt hat, ist laut Leitzmann nicht nachweisbar.

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