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Geldgeber fehlt noch : Usinger Stadtkern soll Outlet-Center werden

Alteingesessen: Noch gibt es traditionsreiche Geschäfte in Usingen - doch ihre Zahl nimmt ab Bild: Rainer Wohlfahrt

Gegen das Ladensterben in Usingen im Hochtaunus hat der Gewerbeverein eine eigene Idee. Ein Geldgeber wird dafür allerdings noch gesucht.

          Ralf Müller wünscht sich, dass sich die Verhältnisse endlich einmal umkehren. Wenn alles so wird, wie es sich der Vorsitzende des Usinger Gewerbevereins vorstellt, dann fahren die Menschen in einigen Jahren nicht mehr aus seinem Heimatort Usingen hinaus zum Einkaufen in den Vordertaunus oder nach Frankfurt. Dann kommen umgekehrt von dort die Leute nach Usingen, um einzukaufen, Und nicht nur von dort, sondern aus einem weiteren Umkreis bis Limburg, Marburg und Wiesbaden. Doch dafür muss die ehemaligen Kreisstadt gründlich umgekrempelt werden. Und dazu hat Müller einen Plan: In der Stadt mit gut 13.000 Einwohnern soll sich ein Outlet-Center ansiedeln, in dem Markenkleidung günstig verkauft wird.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aber dieses Outlet soll kein herkömmliches Einkaufszentrum werden, also nicht ein einziges großes Gebäude, in dem sich die Läden befinden. Vielmehr soll der ganze Stadtkern zu einem Outlet-Center werden. Die Läden für die einzelnen Marken, die dazu gehören und zusammen geführt werden, siedeln sich nach den Vorstellungen Müllers in bestehenden Häusern an, in denen es schon Geschäfte gibt, die zurzeit leer stehen. Einige müssten allerdings umgebaut werden, für manche in die Jahre gekommene Bauten sieht der Einzelhandelsexperte auch einen Abriss vor, um schickeren Neubauten Platz zu machen. Auch bisher ungenutzte Teile von Grundstücken, etwa Hofflächen, könnten bebaut werden. Die Kunden liefen dann von einem Outlet-Laden zum nächsten durch die Stadt, das komme auch den alteingesessenen Geschäften und Cafés zugute.

          30 Marken-Geschäfte für den Anfang

          Als Keimzelle für das Outlet ist die Scheunengasse vorgesehen. Dort könnten die ersten der neuen Läden einziehen, denn das Zentrum solle sich nach und nach entwickeln. 30 Marken-Geschäfte werden für den Anfang gebraucht, wie Müller vorrechnet. Wo die Kunden dann ihre Autos abstellen, ist allerdings noch unklar. In den Neubauten zumindest ließen sich Tiefgaragen einbauen. Außerdem sei die Stadt auch gut mit der Taunusbahn zu erreichen.

          Diese Pläne sind nicht von einer Begeisterung für die Schnäppchenjagd inspiriert, sondern von pragmatischen Überlegungen. Denn es stehen Läden leer, nach Müllers Rechnung ein Zehntel der Ladenflächen. Wegen der Expansion von Verkaufsflächen zum Beispiel im Main-Taunus-Zentrum bei Sulzbach und im Frankfurter Nordwestzentrum bluteten Usingen und seine Umgebung aus, weil die Bewohner das Geld anderswo ausgäben. Alteingesessene Händler müssten schließen, weil sie keinen Nachfolger fänden. So gingen Traditionsgeschäfte verloren und mit ihnen das Sortiment.

          Immer wieder machten zwar auch neue Geschäfte auf, meist vor der Weihnachtssaison. Doch oft müssten sie im Frühjahr darauf schon wieder aufgeben. Müller spricht von „Leerstandswellen“. Insgesamt diagnostiziert der Fachmann Stagnation beim Usinger Einzelhandel. Das schade auch den Eigentümern der Häuser, weil sie einen Wertverlust der Immobilien hinnehmen müssten. Es schade aber auch der ganzen Stadt, wenn es immer weniger Anlaufstellen zum Einkaufen gebe: „Eine Stadt ohne Handel ist tot.“ Ein Outlet in Usingen kann genau das verhindern, wie Müller glaubt. Die Chance fürs Gelingen schätzt er als gut ein, weil der Umsatz mit Kleidung und Schuhen 70 Prozent des gesamten Handels ausmache.

          Atmosphäre einer gewachsenen Stadt

          Ein Vorbild für das neue Usingen hat Müller in Bad Münstereifel bei Euskirchen in Nordrhein-Westfalen gefunden. Dort florierten Outlet-Läden, die im Ort verteilt seien. Usingen sei mit dieser Stadt vergleichbar. Der Taunusort habe die Atmosphäre einer gewachsenen Stadt zu bieten, die auf eine Geschichte von 1000 Jahren zurückblicke - anders als künstliche Gebilde wie das Main-Taunus-Zentrum oder Wertheim Village. Und gut erreichbar im Ballungsraum liege Usingen auch noch.

          Einen Haken hat das ganze Projekt, über das der Vorsitzende des Gewerbevereins so begeistert spricht, allerdings noch: Es gibt keinen Geldgeber. Der Verein hat zwar ein Konzept mit Businessplan entwickelt, 80 Seiten dick, das Müller „unsere Bibel“ nennt. Doch davon müssen nun Investoren als Bauherren überzeugt werden. Doch auch die Chancen dafür sieht Müller optimistisch: „Wir leben in einer Region, wo Geld zu Hause ist.“

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