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Generalkonsulat in Frankfurt : Drehscheibe für Amerikas Diplomaten und Agenten

Das Konsulat der Vereinigten Staaten von Amerika in Frankfurt am Main. Bild: dpa

Das amerikanische Generalkonsulat in Frankfurt spielt in den jüngsten Wikileaks-Enthüllungen eine zentrale Rolle. Das ist keine Überraschung. Für die Geheimdienste gehört der Standort zu den weltweit wichtigsten Washingtoner Vertretungen.

          Die offizielle Mitteilung des amerikanischen Generalkonsulats in Frankfurt ist ebenso vorhersehbar wie knapp: „Das Außenministerium äußert sich grundsätzlich nicht zu konkreten nachrichtendienstlichen Anschuldigungen.“ Das ist alles, weitere Auskünfte von Generalkonsul James Herman oder einem seiner Sprecher wird es nicht geben. So ist es bei früheren Enthüllungen und Vorwürfen gewesen, und so verfahren der Generalkonsul und seine Mitarbeiter auch nach den jüngsten Veröffentlichungen von Wikileaks.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Enthüllungsplattform hatte am Dienstag fast 9000 Dokumente des amerikanischen Geheimdienstes CIA aus den Jahren 2013 bis 2016 veröffentlicht, aus denen hervorgehen soll, dass vom Frankfurter Generalkonsulat aus eine Hacker-Gruppe operiert. Die Vertretung im Stadtteil Eckenheim diene der CIA als geheime Basis für Spähaktionen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika, hieß es in einer Wikileaks-Mitteilung. Die Mitarbeiter der Spezialistengruppe seien mit Diplomatenpässen ausgestattet, zu ihrem Hacking-Arsenal gehörten Malware, Viren und Trojaner, mit denen Smartphones, Computer und sogar Fernseher ausspioniert würden. Die CIA habe mit der Gruppe heimlich ihre Cyberaktivitäten ausgebaut und auf diese Weise „eine neue NSA“ geschaffen.

          Wikileaks-Enthüllung : CIA hackt Smartphones und Rechner

          Der Standort am Main ist von enormer Bedeutung

          Normalerweise ist der 56 Jahre alte Herman, der seit mehr als zwei Jahrzehnten im Dienst des amerikanischen Außenministeriums steht und das Frankfurter Generalkonsulat leitet, kein verschlossener Mann, sondern für seine Offenheit und Fröhlichkeit bekannt. In diesem Fall aber hält auch er sich an die offizielle Linie der amerikanischen Regierung – und die lautet seit den Wikileaks-Enthüllungen im Zusammenhang mit dem Vorgehen der Army im Irak und den von Edward Snowden aufgedeckten Praktiken der Geheimdienste: Schweigen.

          Dass das Generalkonsulat in Frankfurt auch diesmal eine zentrale Rolle spielt, ist keine Überraschung. Für Washington ist der Standort am Main von enormer Bedeutung, und Herman bekleidet einen der wichtigsten Posten im gesamten diplomatischen und konsularischen Betrieb der Vereinigten Staaten: Er führt das größte Generalkonsulat und damit eine der größten Vertretungen der Vereinigten Staaten überhaupt weltweit. Nur in einer Handvoll Botschaften wird mehr Personal beschäftigt als in Frankfurt.

          Generalkonsul James Herman
          Generalkonsul James Herman : Bild: Frank Röth

          Das frühere Militärhospital in Eckenheim ist mit 30.000 Quadratmeter Büro- und Arbeitsfläche und mehr als 1000 Mitarbeitern die zentrale Drehscheibe zur Versorgung und Unterstützung praktisch aller amerikanischen Auslandsvertretungen. Täglich starten Maschinen mit Mitarbeitern und Material auf dem Frankfurter Flughafen in Richtung Osteuropa, Nahost, Afrika und Asien. Während die Botschaft in Berlin die Vereinigten Staaten vor allem politisch in Deutschland vertritt, werden von Frankfurt aus hunderte Konsulate und Botschaften am Laufen gehalten und mit Material vom Kugelschreiber bis zur Computer- und Telefonanlage, mit sämtlichen Sicherheitseinrichtungen, mit Personal und technischer und logistischer Hilfe aller Art versorgt.

          Regelmäßig kommen die Mitarbeiter anderer Vertretungen zu Schulungen und Lehrgängen an den Main. Vor allem der bestens vernetzte Flughafen ermöglicht es den Amerikanern, Rhein-Main als „Hub“, als diplomatische Drehscheibe zu nutzen: Täglich fliegen Sicherheitsexperten, Informatiker und andere Fachleute in die Länder Osteuropas, in den Nahen Osten, zu asiatischen und afrikanischen Standorten und leisten dort technische Hilfe, organisieren Trainings oder kümmern sich um die Diplomatenpost.

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