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„Unternehmens-Software von morgen“ Basteln am Software-Baukasten

 ·  Der in Darmstadt ansässige, staatlich geförderte Software-Cluster will bis 2015 das Computerprogramm für Unternehmen schlechthin liefern. Etwa 70 Firmen arbeiten in Verbünden auf dieses Ziel hin.

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Das Ziel ist so ehrgeizig wie eindeutig: Im Gebiet zwischen Darmstadt, Karlsruhe, Saarbrücken und Walldorf soll bis 2015 die „Unternehmens-Software von morgen“ entstehen. Dieses Ansinnen lässt sich der Bund bis zu 40 Millionen Euro kosten: Mit diesem Geld fördert das Forschungsministerium seit zwei Jahren den Software-Cluster, der von Darmstadt aus koordiniert wird und in jeder der vier Teilregionen ein Netzwerk unterhält - dasjenige in Darmstadt heißt „IT for work“.

Noch ist nicht ganz Halbzeit, aber eine Zwischenbilanz ist erlaubt - zumal „IT for work“ weitere drei Jahre auf Steuergelder hoffen darf. Die Mittel sind „zur Verstetigung“ des Netzwerks gedacht, wie Cluster-Manager Gino Brunetti sagt. Wobei er auf die Feststellung Wert legt, dass nur die Hälfte des Cluster-Budgets aus öffentlichen Quellen fließt, die andere Hälfte jedoch von den Unternehmen kommt. Im Kreis der beteiligten Betriebe sind bisher etwa 70 Kooperationen entstanden, die dem großen Ziel der „Unternehmens-Software von morgen“ dienen sollen. Wenn es nach Brunetti geht, dürfen es gerne noch mehr werden. Denn: „Eine unserer Aufgaben ist es, weitere Kooperationen anzustoßen.“

Der Sitz liegt nicht zufällig in Darmstadt

Dabei hat er die Autoindustrie als Vorbild vor Augen. In dieser Branche sind die Rollen klar verteilt, die Hersteller der Fahrzeuge kaufen bestimmte Bauteile von spezialisierten Zulieferern. Gemäß dieser Vorgabe sollen Kunden 2015 möglichst in der Lage sein, aus einer Art Baukasten die Komponenten für ihre Unternehmens-Software bei Betrieben im Cluster zu kaufen - und zwar, ohne sich anschließend noch Dienstleister suchen zu müssen, die diese Programme aufeinander abstimmen. Genau solche zusätzlichen Integrationsarbeiten sollen durch die Kooperationen im Cluster einmal überflüssig werden.

Darmstadt ist nicht von ungefähr der Sitz der Cluster-Zentrale geworden. Mit der Software AG sitzt der nach der SAP AG in Walldorf zweitgrößte deutsche Hersteller von Computerprogrammen für Unternehmen in der Stadt. Hinzu kommen zahlreiche kleinere Konzerne wie die ebenfalls börsennotierte Isra Vision AG, Intelligent Views oder auch die Conweaver GmbH, eine Ausgründung des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung. Alles in allem umfasst der Software-Cluster etwa 16.000 Unternehmen, die zusammen rund 120.000 Mitarbeiter zählen.

Kooperationen mit kleineren und mittleren Firmen

Allein 8000 Betriebe, darunter neben Softwareentwicklern und -dienstleistern auch Rechenzentrumsbetreiber, mit insgesamt 68000 Beschäftigten finden sich im Regierungsbezirk Darmstadt, wie Cluster-Manager Brunetti sagt. Das Wissen um die Rolle Südhessens in dieser Branche ist aber keineswegs Gemeingut: „Selbst viele der hier ansässigen Unternehmen wissen nicht, dass sie in einem IT-Hotspot sitzen.“

Gut 80 Prozent der Unternehmen sind kleine Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern. Die eine oder andere Firma aus diesem Kreis ziert sich laut Brunetti, mit anderen IT-Betrieben zusammenzuarbeiten. Die Eigentümer ließen sich nur ungern in die Karten schauen - so wie es im deutschen Mittelstand üblich sei, anders als etwa in Amerika.

Dabei ergeben sich aus seiner Sicht gerade für kleinere und mittlere Firmen Chancen durch Kooperationen und die Strahlkraft des Clusters. Wenn ein Softwareentwickler etwa ein Programm nur für eine Bäckerei aus der Region schriebe, wäre das unwirtschaftlich. Ließe sich diese Software aber auf andere Bäckereien übertragen, könnte sie über große Vertreter im Cluster auch international vertrieben werden. Die Kleinen könnten für sie sonst kaum erreichbare Märkte ansprechen, die Großen zusätzliche Software anbieten. „Dafür wollen wir in den nächsten Jahren die Grundlage schaffen“, sagt Brunetti.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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