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Unseld und der Buchpreis : Neues aus der Massentierhaltung

Verleger Joachim Unseld Bild: Frank Röth

Was macht ein Deutscher Buchpreis mit einem Verlag? Nach der Auszeichnung von Bodo Kirchhoff hat sein Frankfurter Verleger Joachim Unseld mehr Geld und mehr Arbeit als früher.

          So ein Buchpreis macht viele glücklich. Den Autor, den Verleger, die Buchhändler. Aber auch die Drucker haben Joachim Unseld einen Blumenstrauß geschickt, nachdem Bodo Kirchhoff im Herbst für seine Novelle „Widerfahrnis“ den Deutschen Buchpreis bekommen hatte. Auch Hersteller freuen sich schließlich über Großaufträge mit hohen Auflagen, wie der Buchpreis sie mitbringt. Und die Vertreter der Frankfurter Verlagsanstalt, sagt Unseld, die für das, was ihnen von den Buchhändlern abgenommen wird, Provision bekommen, seien ebenfalls guter Laune gewesen.

          Florian  Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          An all diesen erfreulichen Effekten hat Unseld auch deshalb Spaß, weil er selbst zusammen mit Kirchhoff und dessen Frau auf die Idee zum Buchpreis gekommen ist. 2004 schlugen sie die Auszeichnung, die der Buchbranche einmal im Jahr die konzentrierte Aufmerksamkeit aller deutschen Leser verschaffen sollte, möglichen Veranstaltern vor, ein Jahr später wurde sie vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels zusammen mit der Stadt Frankfurt und anderen Partnern im Kaisersaal des Römers zum ersten Mal vergeben. Und während die neue Jury gerade dabei ist, sich durch die rund 170 Romane für den Buchpreis dieses Jahres zu kämpfen, der Mitte Oktober vergeben wird, hält Unselds Freude über den im vorigen Herbst selbst gewonnenen Preis noch immer an: „Das trägt lange.“

          Auszeichnung wirkt vielfältig nach

          Nachhaltige Wirkung hat die Auszeichnung aber nicht nur auf Herz und Seele des Verlegers, sondern auch auf das Ansehen des Verlags, den Lizenzverkauf ins Ausland und die kaufmännische Beweglichkeit. Endgültige Zahlen hat Unseld noch nicht, aber dass das vergangene Jahr das beste in den 22 Jahren der Verlagsgeschichte war, ist schon jetzt klar. Damit auch die Bilanz des laufenden Jahres vom Erfolg des Herbstes geprägt ist, hat Unseld vor wenigen Wochen auf der Londoner Buchmesse für Kirchhoffs Titel geworben – und für die seiner ebenfalls sehr erfolgreichen Autorin Nino Haratischwili. Einen Tag lang nur, denn ein Verkaufsgespräch im Agentenzentrum, an dessen 800 Tischen hoffnungsvolle Geschäftspartner von morgens bis abends vier Tage lang schnattern, ist anstrengend: „Eine Massenlegebatterie ist nichts dagegen.“

          Elf Übersetzungverträge hat er für „Widerfahrnis“ bislang ausgehandelt, weitere werden folgen. Gallimard hat die Rechte für Frankreich erworben, dort kamen einzelne Kirchhoff-Titel schon früher heraus. Aber auch in Italien, Spanien und Holland, in Peking und Kairo werden Ausgaben der Novelle erscheinen. Und Haratischwili, deren Roman sich in Polen 8000 Mal und in Holland 10.000 Mal innerhalb von nur zwei Monaten verkauft hat, gibt es bald auch auf Englisch, Spanisch und Italienisch.

          „Da gab es einige Nachauflagen“

          Kirchhoff hat derweil schon sein nächstes Buch fertiggestellt, das am 4. Juli bei Unseld erscheint. „Betreff: Einladung zu einer Kreuzfahrt“ heißt es und schildert, was Kirchhoff durch den Kopf ging, als er das Angebot erhielt, auf einem Kreuzfahrtschiff die Passagiere zu bespaßen. Für den Hessischen Rundfunk hat der Autor es selbst eingelesen, auf hr2-Kultur ist es vom 17. bis zum 28. Juli zu hören. Schon heute Abend aber stellt Kirchhoff es in der Zentrale der Deutschen Bank an der Taunusanlage vor, auf Einladung der Deutschen Bank Stiftung, die seit einigen Jahren als Partner ihren Teil zum Buchpreis, also vor allem zu dessen Preisgeld, beiträgt. Auch dem Kreuzfahrtbuch wird Kirchhoffs Buchpreis guttun, so wie den Taschenbuchausgaben seiner Werke, die in München bei dtv erscheinen:

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