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Uni-Klinikum Gießen/Marburg Verhärtete Fronten am Uni-Klinikum

Trotz hoher Investitionen und Ertragswende steht der Haupteigentümer Rhön AG in der Kritik. Stellenabbau und ein ständiger Wechsel zeigen sich in der Gießener Chefetage. Die Landesregierung wirkt verärgert - und hilflos.

© dpa Vergrößern Die Universitätsklinik Gießen gehört zum Rhön-Klinikum und soll mit verkauft werden

Kann das im Februar 2006 privatisierte Universitäts-Klinikum Gießen und Marburg wieder vollständig in den Besitz des Landes überführt werden? Die FDP im Landtag winkt ab: Schon juristisch sei dies nicht möglich, meinen die liberalen Privatisierungsbefürworter. Ungeachtet dieser Einschätzung ist es bemerkenswert, dass über die „Rolle rückwärts“ in Mittelhessen überhaupt wieder diskutiert wird. Zeigt die Debatte doch, wie sehr die Fronten verhärtet sind zwischen dem Mehrheitseigentümer des Klinikums, der börsennotierten Rhön-Klinikum AG, und den Privatisierungskritikern. Bemerkenswert ist auch, wie schlecht bei so manchem das Langzeitgedächtnis arbeitet, wenn es um die Rolle des Landes beim Betrieb der ehedem eigenständigen Uni-Kliniken in Mittelhessen geht. Zumal die Landesregierung zwar verärgert auf die Wirren am Uni-Klinikum reagiert, aber auch recht hilflos erscheint.

Thorsten Winter Folgen:

Auslöser der abermaligen Diskussion war die Nachricht, Rhön wolle in Gießen und Marburg bis zu 500 Stellen abbauen. Als Grund führten Sprecher von Rhön und Uni-Klinikum an, dieses Jahr fehlten in Gießen und Marburg gut zehn Millionen Euro in der Kasse - nach einem Gewinn von 15 Millionen im vergangenen Jahr. Ob der Gewinn sich ohne die Kostensenkung nur verringerte oder das Großklinikum einen Verlust schriebe, blieb dabei offen. Angesichts des Protests von Arbeitnehmervertretern und Landesregierung ist zwar von 500 Stellen nicht mehr die Rede. Und Rhön beteuert, nur Kosten im Volumen von 500 Arbeitsplätzen einsparen zu wollen. Aber der Arbeitgeber in Gestalt des Mehrheitseigentümers und des Uni-Klinikums selbst dringt damit nicht durch, und das hat er sich auch selbst zuzuschreiben.

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Die Lage muss prekär sein

So wechselt Rhön die Spitze des Uni-Klinikums zum dritten Mal seit Frühjahr 2009 aus. Nach Gerald Meder, seinerzeit auch zweiter Mann im Rhön-Konzern, war der Schweizer Klinikmanager Joseph Rohrer gut zwei Jahre lang Vorsitzender der Geschäftsführung, bevor Rhön-Vorstandsmitglied Irmgard Stippler vor knapp einem Jahr das Ruder übernahm. Sie scheidet jetzt aber ebenso aus wie die kaufmännische Geschäftsführerin in Marburg, Doris Benz, die seinerzeit mit Rohrer nach Mittelhessen gekommen war. An die Position von Stippler rückt Martin Menger. Er ist seit elf Jahren für Rhön leitend tätig. Menger will mit einer neuen Mannschaft daran arbeiten, das Vertrauen von „Mitarbeitern, Patienten, Klinikdirektoren, Betriebsrat, Personalrat, Dekanen, Universitätspräsidenten und niedergelassenen Ärzten zurückgewinnen“, wie es heißt. Allein schon die Aufzählung zeigt, wie prekär die Lage sein muss.

Der Arbeitgeber verwundert aber nicht nur mit überraschenden Personalentscheidungen. Rhön verschickte auch eine Mitteilung zu „Fakten und Kennziffern“ seit der Privatisierung. Daraus geht hervor, dass der Konzern in Gießen und Marburg seit Februar 2006 mehr als 367 Millionen Euro investierte und die Zahl der Mitarbeiter auf 9700 stieg. Sie liegt also um etwa 200 höher als vor Jahresfrist. Außerdem seien 13 Millionen Euro in Forschung und Lehre mit Schwerpunkt patientennahe Forschung geflossen. Der Arbeitgeber verweist auch auf anhaltend steigende Patientenzahlen und die Ertragswende: Das Klinikum hat demnach 2005 einen Verlust von 15 Millionen Euro und im Jahr der Übernahme von 7,4 Millionen erwirtschaftet. 2011 hingegen erreichte es nach Angaben des Minderheitseigentümers Land Hessen einen Gewinn in Höhe von rund 15 Millionen Euro.

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