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Unfall in Wetzlar 100 Jahre alter Mann überfährt Frau

 ·  Ein Greis muss nach einem Unfall in Wetzlar seinen Führerschein abgeben. Der Mann hatte eine 88 Jahre alte Frau angefahren, die kurz darauf starb. Experten warnen aber davor, hohes Alter für folgenschwere Unfälle verantwortlich zu machen.

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Ein 100 Jahre alter Autofahrer hat in Hessen eine ebenfalls betagte Fußgängerin angefahren und tödlich verletzt. Die 88 Jahre alte Frau erlitt durch den Aufprall schwere Verletzungen und starb im Krankenhaus. Die Frau war am Donnerstag nach ersten Erkenntnissen der Polizei aus einem Bus ausgestiegen und hinter dem Fahrzeug auf die Straße gelaufen. Auf der Gegenfahrbahn fuhr der Greis mit seinem Auto und erfasste sie. Noch sei unklar, welche Rolle das Alter des Fahrers bei dem Unfall spielte, betonte ein Polizeisprecher am Freitag.

Die Beamten stellten den Führerschein des 100-Jährigen sicher, außerdem wurde ihm Blut abgenommen. „Wir haben Hinweise darauf, dass er Medikamente einnimmt“, sagte der Sprecher. Nun soll geklärt werden, ob die Arzneien das Fahrverhalten des Mannes beeinflusst haben könnten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und beauftragte einen Unfallgutachter. Er soll untersuchen, ob der Aufprall für den 100-Jährigen vermeidbar gewesen wäre oder die Schuld bei der Frau liegt.

„Man kann nicht sagen, der typische Geisterfahrer ist ein seniler Alter“

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind Autofahrer ab dem 65. Lebensjahr zwar insgesamt seltener an Unfällen beteiligt als jüngere Verkehrsteilnehmer. Aber wenn es kracht, gehörten sie häufiger zu den Verursachern. Eine Untersuchung der Statistiker für das Jahr 2011 kommt zu dem Ergebnis: „Sofern über 64-jährige Pkw-Fahrer in einen Unfall verwickelt waren, trugen sie sehr häufig (67 Prozent) die Hauptschuld. Bei den mindestens 75-Jährigen wurde sogar drei von vier unfallbeteiligten Pkw-Fahrern die Hauptschuld am Unfall zugewiesen (76,3 Prozent).“

Ältere Autofahrer fahren nach Expertenansicht jedoch besser als viele meinen: Bei vielen Unfällen sei nicht das Alter das Problem, sondern das Verhalten der Fahrer, erklärte ein Sprecher vom Auto Club Europa (ACE). „Man kann nicht sagen, der typische Geisterfahrer ist ein seniler Alter.“ Auch junge Fahrer seien unaufmerksam.

Fahrspurassistenten können dem Fahrer eine Hilfe sein

Die Führerscheinabgabe ab einem bestimmten Alter hält der ACE nicht für sinnvoll. Wichtiger sei der Einsatz von unfallverhindernden Fahrhilfen, wie etwa Fahrspurassistenten. Zudem sollten Ärzte und Angehörige älterer Autofahrer auf eine mögliche eingeschränkte Fahrfähigkeit hinweisen und das Thema nicht tabuisieren.

Auch das Bundesverkehrsministeriums wollte nicht pauschal ältere Autofahrer für eine höhere Zahl von Verkehrsunfällen verantwortlich machen: „Fahrtauglichkeit ist keine Frage des Alters, sondern des Gesundheitszustandes“, betonte ein Sprecher in Berlin. Das Ministerium wolle für Senioren am Steuer weiterhin keine Gesundheitsuntersuchung ab einem bestimmten Alter vorschreiben. Er warb zugleich für freiwillige Checks, mit denen sich Autofahrer bei Hausärzten untersuchen lassen könnten.

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Von Matthias Alexander

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