Home
http://www.faz.net/-gzg-76yt3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Umzug nach Frankfurt Hausen Commerzbank verlegt Arbeitsplätze

Die Commerzbank will sparen. Daher will die Bank mit einigen Abteilungen in den Frankfurter Stadtteil Hausen ziehen, wie diese Zeitung am Rande einer Bilanzpressekonferenz am Freitag erfuhr.

© Eilmes, Wolfgang Schnellen Schrittes: Commerzbank-Vorstandsvorsitzender Martin Blessing präsentiert die Geschäftszahlen von 2012.

Teil des großen Sparprogramms der Commerzbank ist offenbar auch eine Verlagerung von Arbeitsplätzen aus der Frankfurter Innenstadt in günstigere Randgebiete. Wie diese Zeitung gestern am Rande der Bilanzpressekonferenz erfuhr, will die Bank mit einigen IT- und Verwaltungsabteilungen in die ehemalige Zentrale der Deutschen Börse in den Frankfurter Stadtteil Hausen ziehen. Die frühere „Neue Börse“ am Industriehof, die inzwischen „Lateral Towers“ heißt, gehört der Tochtergesellschaft Commerz Real und steht seit dem Wegzug der Börse nach Eschborn 2008 leer. Das Gebäude bietet Platz für 2000 Mitarbeiter.

Tim  Kanning Folgen:

Von der Bank hieß es dazu gestern: „Die Commerzbank prüft zur Zeit, ob das Gebäude in die Immobilienstrategie der Bank integriert werden kann und als Alternative zu Gebäuden mit auslaufenden Mietverträgen in Frage kommt.“ Während der Pressekonferenz hatte Blessing lediglich gesagt: „Wir gucken uns alle Objekte in Frankfurt an, die wir besitzen oder gemietet haben und schauen, ob wir Flächen optimieren können.“ In dem Zusammenhang nannte er auch die Zentrale der früheren Eurohypo in Eschborn. Die Tochtergesellschaft der Commerzbank, die inzwischen Hypothekenbank Frankfurt heißt, wird auf Geheiß der EU abgewickelt. Bis 2015 sollen dort vorerst 350 Stellen wegfallen. Das Gebäude wolle die Bank behalten und mit Mitarbeitern von anderen Standorten „vollmachen“, sagte Blessing weiter.

Stellen fallen im Privatkundengeschäft weg

Bei der Bank, die ihre Geschäftszahlen bereits vor einigen Tagen veröffentlicht hatte, steht das Sparen weiter im Mittelpunkt. Blessing bekräftigte gestern noch einmal seinen Plan, 4000 bis 6000 Stellen bis 2016 zu streichen. Der Vorstandsvorsitzende bestätigte Angaben des Betriebsrats, wonach 1800 bis 3400 der geplanten Stellenstreichungen das Privatkundengeschäft betreffen sollen. „In begrenztem Umfang“ wolle man auch „Leistungen an Standorte verlagern, an denen sie effizienter und kostengünstiger erledigt werden können“, sagte Blessing. Erste Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern seien Anfang des Monats aufgenommen worden.

Die Verhandlungen versprechen hart zu werden. Bislang bezeichnet der Betriebsrat den Vorschlag des Vorstands als „nicht verhandlungsfähig“. Die Frankfurter Betriebsratschefin Gabriele Seum sagte gestern, dass die Bank erst einmal Eckdaten dazu liefern müsse, wie der Stellenabbau sozialverträglich gestaltet werden solle. Nach den jetzigen Plänen werde neben den Filialen auch die Zentrale in Frankfurt stark von dem Abbau betroffen sein, sagte Seum.

„Es ruppelt in Verhandlungen auch einmal“

Zu den Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern sagte Blessing gestern: „Es ist klar, dass es in Verhandlungen mit dem Betriebsrat in so einer Situation auch einmal ruppelt und man gelegentlich Beulen und blaue Flecken davonträgt“. Aber das gute an der deutschen Sozialpartnerschaft sei ja, dass sich Arbeitgeber und Betriebsräte „vorher fetzen“ könnten, und hinterher gemeinsam für die ausgehandelte Lösung einstünden. „Ich hoffe, dass wir das bis zur Sommerpause durchkriegen“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Betriebsratschefin Seum nannte diesen Zeitplan gestern „sehr ehrgeizig“ - es komme aber darauf an, wie weit der Arbeitgeber der Belegschaft entgegenkomme.

Mehr zum Thema

Blessing machte während der Pressekonferenz darauf aufmerksam, dass die Bank nicht nur Stellen abbauen werde. Wachstum versprechende Abteilungen wie die Mittelstandsbank stellten auch weiter Mitarbeiter ein. Außerdem verwies er auf verschiedene Investitionsprogramme. So würden 200 Millionen Euro in die Modernisierung der IT gesteckt, 120 Millionen in ein neues Filialmodell.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Binding-Brauerei Auch in Frankfurt ist Binding kein Selbstläufer mehr

Die Binding-Brauerei ist ein Stück unbekanntes Frankfurt, eine Stadt in der Stadt. Das Unternehmen, das sich auf einem umkämpften Markt behaupten muss, öffnet einmal seine Türen. Mehr Von Manfred Köhler, Frankfurt

01.08.2015, 16:03 Uhr | Rhein-Main
Frankfurt Commerzbank macht Aktionären Hoffnung auf Dividende

Positive Nachrichten gibt es für die Aktionäre der Commerzbank: Sie dürfen auf die erste Dividende seit 2007 hoffen. Das stellte Vorstandschef Martin Blessing bei der Hauptversammlung in Frankfurt in Aussicht. Mehr

30.04.2015, 15:39 Uhr | Wirtschaft
Auf Erholungskurs Commerzbank zahlt erste Dividende seit 2007

Sieben Jahre waren die Aktionäre der Commerzbank leer ausgegangen. Nun steuert das in der Finanzkrise teilverstaatlichte Institut offenbar auf einen Milliardengewinn zu. Mehr

03.08.2015, 08:45 Uhr | Wirtschaft
EZB eröffnet Die neue Frankfurter Skyline

Mit der offiziellen Eröffnung des neuen EZB-Gebäudes ist die Skyline von Frankfurt um einen markanten Bau reicher. Der bis zu 185 Meter hohe Bürodoppelturm steht ein wenig abseits im Stadtteil Ostend. Mehr

19.03.2015, 15:12 Uhr | Gesellschaft
Commerzbank Neuer Vertrag für Blessing

Der Commerzbank-Chef darf länger bleiben. Wie die Sonntagszeitung berichtet, wird Martin Blessing ein neuer Vertrag angeboten. Mehr Von Georg Meck

01.08.2015, 17:06 Uhr | Wirtschaft

Veröffentlicht: 16.02.2013, 09:00 Uhr

Kein Windrad ins Rheintal

Von Oliver Bock

Windräder sind nicht nur in der engen Kernzone des Mittelrheintals tabu, sondern auch in den Randzonen - so will es das Land Rheinland-Pfalz. Eine in jeder Hinsicht richtige Entscheidung. Mehr 1