http://www.faz.net/-gzg-76yt3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 16.02.2013, 09:00 Uhr

Umzug nach Frankfurt Hausen Commerzbank verlegt Arbeitsplätze

Die Commerzbank will sparen. Daher will die Bank mit einigen Abteilungen in den Frankfurter Stadtteil Hausen ziehen, wie diese Zeitung am Rande einer Bilanzpressekonferenz am Freitag erfuhr.

von , Frankfurt
© Eilmes, Wolfgang Schnellen Schrittes: Commerzbank-Vorstandsvorsitzender Martin Blessing präsentiert die Geschäftszahlen von 2012.

Teil des großen Sparprogramms der Commerzbank ist offenbar auch eine Verlagerung von Arbeitsplätzen aus der Frankfurter Innenstadt in günstigere Randgebiete. Wie diese Zeitung gestern am Rande der Bilanzpressekonferenz erfuhr, will die Bank mit einigen IT- und Verwaltungsabteilungen in die ehemalige Zentrale der Deutschen Börse in den Frankfurter Stadtteil Hausen ziehen. Die frühere „Neue Börse“ am Industriehof, die inzwischen „Lateral Towers“ heißt, gehört der Tochtergesellschaft Commerz Real und steht seit dem Wegzug der Börse nach Eschborn 2008 leer. Das Gebäude bietet Platz für 2000 Mitarbeiter.

Tim  Kanning Folgen:

Von der Bank hieß es dazu gestern: „Die Commerzbank prüft zur Zeit, ob das Gebäude in die Immobilienstrategie der Bank integriert werden kann und als Alternative zu Gebäuden mit auslaufenden Mietverträgen in Frage kommt.“ Während der Pressekonferenz hatte Blessing lediglich gesagt: „Wir gucken uns alle Objekte in Frankfurt an, die wir besitzen oder gemietet haben und schauen, ob wir Flächen optimieren können.“ In dem Zusammenhang nannte er auch die Zentrale der früheren Eurohypo in Eschborn. Die Tochtergesellschaft der Commerzbank, die inzwischen Hypothekenbank Frankfurt heißt, wird auf Geheiß der EU abgewickelt. Bis 2015 sollen dort vorerst 350 Stellen wegfallen. Das Gebäude wolle die Bank behalten und mit Mitarbeitern von anderen Standorten „vollmachen“, sagte Blessing weiter.

Stellen fallen im Privatkundengeschäft weg

Bei der Bank, die ihre Geschäftszahlen bereits vor einigen Tagen veröffentlicht hatte, steht das Sparen weiter im Mittelpunkt. Blessing bekräftigte gestern noch einmal seinen Plan, 4000 bis 6000 Stellen bis 2016 zu streichen. Der Vorstandsvorsitzende bestätigte Angaben des Betriebsrats, wonach 1800 bis 3400 der geplanten Stellenstreichungen das Privatkundengeschäft betreffen sollen. „In begrenztem Umfang“ wolle man auch „Leistungen an Standorte verlagern, an denen sie effizienter und kostengünstiger erledigt werden können“, sagte Blessing. Erste Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern seien Anfang des Monats aufgenommen worden.

Die Verhandlungen versprechen hart zu werden. Bislang bezeichnet der Betriebsrat den Vorschlag des Vorstands als „nicht verhandlungsfähig“. Die Frankfurter Betriebsratschefin Gabriele Seum sagte gestern, dass die Bank erst einmal Eckdaten dazu liefern müsse, wie der Stellenabbau sozialverträglich gestaltet werden solle. Nach den jetzigen Plänen werde neben den Filialen auch die Zentrale in Frankfurt stark von dem Abbau betroffen sein, sagte Seum.

„Es ruppelt in Verhandlungen auch einmal“

Zu den Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern sagte Blessing gestern: „Es ist klar, dass es in Verhandlungen mit dem Betriebsrat in so einer Situation auch einmal ruppelt und man gelegentlich Beulen und blaue Flecken davonträgt“. Aber das gute an der deutschen Sozialpartnerschaft sei ja, dass sich Arbeitgeber und Betriebsräte „vorher fetzen“ könnten, und hinterher gemeinsam für die ausgehandelte Lösung einstünden. „Ich hoffe, dass wir das bis zur Sommerpause durchkriegen“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Betriebsratschefin Seum nannte diesen Zeitplan gestern „sehr ehrgeizig“ - es komme aber darauf an, wie weit der Arbeitgeber der Belegschaft entgegenkomme.

Mehr zum Thema

Blessing machte während der Pressekonferenz darauf aufmerksam, dass die Bank nicht nur Stellen abbauen werde. Wachstum versprechende Abteilungen wie die Mittelstandsbank stellten auch weiter Mitarbeiter ein. Außerdem verwies er auf verschiedene Investitionsprogramme. So würden 200 Millionen Euro in die Modernisierung der IT gesteckt, 120 Millionen in ein neues Filialmodell.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Skepsis bei Aktionären Deutsche Börse wirbt für Fusion

Im dritten Anlauf soll es klappen: Die Deutsche Börse und die Londoner LSE wollen sich zur europäischen Superbörse zusammentun. Doch Aktionäre der Frankfurter zweifeln noch. Mehr

11.05.2016, 18:04 Uhr | Rhein-Main
Spanien Großbrand in Europas größtem Reifenlager

Am Freitag stand in der spanischen Stadt Sesena eine rund 11 Hektar große Fläche in Flammen, auf der ungefähr 70.000 Tonnen Reifen lagerten. Bis zu sechs Meter hohe Stichflammen und schwarze, giftige Rauchwolken stiegen in den Himmel auf. Die Anwohner in den umliegenden Gemeinden wurden angewiesen, das Haus nicht zu verlassen und die Fenster zu schließen. Mehr

13.05.2016, 19:51 Uhr | Gesellschaft
Ehemaliger Commerzbank-Chef Blessing wechselt zur UBS

Martin Blessing war bis Ende April Chef der Commerzbank. Nun hat er einen neuen Posten gefunden. Er wechselt im Herbst in den Vorstand der Schweizer Großbank UBS. Mehr

11.05.2016, 14:37 Uhr | Wirtschaft
Frankfurt Deutsche Bank setzt auf Neuanfang

Die Spitze der Deutschen Bank musste sich auf der Hauptversammlung des Instituts am Donnerstag gegen heftige Kritik verteidigen. Wegen des Rekordverlustes 2015, diverser Skandale und des vor sich hin siechenden Aktienkurses ist der Frust bei vielen Investoren groß. Mehr

19.05.2016, 18:04 Uhr | Wirtschaft
Privatkundengeschäft Commerzbank eröffnet neue Flagship-Filialen

Der neue Privatkundenvorstand Michael Mandel erklärt seine Strategie: Kosten stabil halten, massiv wachsen und digital werden. Was bedeutet das fürs Filialnetz und die Direktbank Comdirect? Mehr Von Hanno Mußler

23.05.2016, 20:18 Uhr | Wirtschaft

Mut, nicht Übermut

Von Ralf Euler

Die FDP profitiert von der Flüchtlingskrise - sollte aber sorgfältig mit dem Zuspruch der Wähler umgehen. Denn ob ihr Comeback von Dauer ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Mehr 1 1

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen