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Umzug der „Batschkapp“ : Noch keine Blondinen in der Dusche

In neuem Lichte: Die „Batschkapp“ lädt jetzt in Seckbach zum Tanz. Bild: Stefan Finger

Wenn ein Club in die Jahre kommt, kann es sein, dass er an anderer Stelle wiedereröffnet. So bei der „Batschkapp“. Auf der „Reloaded“-Feier in der neuen Halle ist der Geist der alten „Batschkapp“ schon zu spüren.

          Als „Die Ärzte“ vor ein paar Jahren in der alten „Batschkapp“ spielten, sollen sie den Weg von der Bühne bis zur Garderobe mit Handtüchern ausgelegt haben - so siffig soll es hinter der Bühne an der Maybachstraße gewesen sein. Und wenn ein Tourveranstalter in Hamburg wusste, morgen geht es nach Frankfurt, soll er der kompletten Mannschaft empfohlen haben: Alle noch mal duschen! Zwar ging das auch in Frankfurt-Eschersheim, doch die Dusche mussten sich 20 Leute teilen. Der britische Sänger Billy Bragg fand dort einmal eine Blondine, erinnert sich „Batschkapp“-Chef Ralf Scheffler. Und wenn der Schweiß dann während des Konzerts von der Decke tropfte, fand das Publikum das manchmal sogar toll: „Die nannten das Clubatmosphäre“, sagt Scheffler und grinst.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Samstagabend steht Scheffler auf der Bühne und erzählt Anekdoten aus der Maybachstraße. Doch diese Bühne steht am anderen Ende der Stadt. Die „Batschkapp“ ist nach Seckbach gezogen, wo Scheffler und sein Team die „Batschkapp Reloaded“-Party feiern. An der Gwinnerstraße haben sie eine Halle gefunden und sich sofort verliebt. Das wurde auch Zeit: 37 Jahre Rock’n’Roll und drei Millionen Gäste haben der alten „Batschkapp“ arg zugesetzt. Das hätten sich viele Bands und Konzertveranstalter nicht mehr lange gefallen lassen. „In fünf Jahren wären wir raus aus dem Geschäft gewesen“, sagt Scheffler.

          Ambiente ohne Schnickschnack

          Seit 15 Jahren war er auf der Suche nach einem neuen Gebäude. Es hätte nicht viel gefehlt, und die Batschkapp wäre nach Offenbach gegangen. Auch dort gab es ein Gelände, das für die Zwecke geeignet schien. Und auch das Gebäude an der Zeil, in dem das „Gibson“ aufgemacht hat, haben sie sich angeschaut. Doch dann tauchte das Grundstück in Seckbach auf, und für Scheffler und seine Mitstreiter war klar: Lieber ins Gewerbegebiet als in die Innenstadt - auch wegen der gewünschten Distanz zu Drogen und Problemen, meint Claus Möbius, der sich seit Jahren im Verein Frankfurter Kulturzentrum engagiert, der hinter der „Batschkapp“ steht.

          Das Grundstück gehört der Stadt, die „Batschkapp“ hat es gepachtet. Mehr als zwei Millionen Euro haben die Betreiber in den Umbau gesteckt. Es ist eine nackte Konzerthalle, ohne Schnickschnack, und viel größer als die alte „Batschkapp“. Die war nur für 350 Gäste zugelassen, und wenn wieder einmal 500 oder 600 drinnen waren, stand ihnen „der Schweiß auf der Stirn“, meint Möbius. In der neuen Halle ist jede Menge Platz: 1500 Zuschauer passen hinein, bei Bedarf lässt sich der Raum aber auch teilen. Sogar bestuhlte Konzerte sind möglich. Das ging theoretisch auch in Eschersheim. „Aber das waren dann drei Bierbänke, und alle anderen haben gestanden“, sagt Scheffler.

          „Patina wird überbewertet“

          Die Umgebung an der Gwinnerstraße findet er ideal: Gegenüber liegt ein Schrottplatz, nebenan eine Spedition, ein anderer Nachbar ist ein pakistanisches Kulturzentrum. Und dann gibt es noch das Friedhofsamt. Zwar finden in der neuen Halle schon seit ein paar Wochen Konzerte und Partys statt. Offiziell wurde die Eröffnung aber erst jetzt gefeiert. Schon nach einem Satz seiner Rede hat Scheffler das Publikum auf seiner Seite: „Wir haben uns das Streichquartett gespart zugunsten von Freigetränken“, sagt der Chef, der im Gegensatz zu vielen Gästen auch zu dieser Feier in kein Hemd oder Sakko zu zwängen war. Auf der Bühne steht er im Rollkragenpulli, dann zieht er sich wieder die Lederjacke über.

          Bei den Gästen kommt die neue Bleibe gut an. Tom Koenigs ist da, und Bürgermeister Olaf Cunitz, Schwermetaller und treuer „Batschkapp“-Gast, sagt ein paar Worte im Namen der Stadt. Die Frankfurter Metalband Tankard hat schon für den 29. Mai 2015 ein Konzert gebucht, Sänger Andreas „Gerre“ Geremia ist in der alten Batschkapp sozialisiert worden und prophezeit: „Nach sechs Tankard-Konzerten ist es wieder heruntergerockt.“ Und Peter „Osti“ Osterwold von den Rodgau Monotones meint: „Das ist schon wieder die ,Batschkapp‘.“ Scheffler wird es freuen, denn den Spruch von der Patina kann er nicht mehr hören. „Verranzt wird es von selbst, Patina wird überbewertet“, findet er und dankt den Sponsoren, auch Coca Cola, „der Imperialistenbrause“.

          Dann ist der Diskjockey dran, und auch der Mann am Lichtpult kann endlich zeigen, was mit der neuen Anlage alles möglich ist. Es wird getanzt, auch zu Peter Fox. „Hey, alles glänzt so schön neu“, singt er und hat damit so recht. Denn sogar der Boden klebt nicht mehr wie früher.

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