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Umgang mit Demenz Auf der Suche nach Akzeptanz

 ·  Demenzkranke fühlen sich oft als Außenseiter und verschweigen ihre Krankheit. In Frankfurt reagiert man darauf mit einem neuen Trainingsprogramm.

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Bewegung verlängert die Lebenserwartung. Das ist keine neue Erkenntnis. Schon 1953 war englischen Forschern in ihrer „Londoner Doppeldeckerstudie“ aufgefallen, dass von den untersuchten Busfahrern, die ständig starr hinter dem Steuer saßen, doppelt so viele an Herz-Kreislauf-Krankheiten starben als von den Kontrolleuren, die den ganzen Tag die Treppe hoch und runter rannten und kassierten. „Seitdem ist die Wissenschaft zu vielen neuen Erkenntnissen gekommen“, sagt Thomas Götz, Mediziner und Leiter der Abteilung Psychiatrie im Gesundheitsamt Frankfurt. So brachten in den vergangenen Jahren mehrere Studien, unter anderem der Universität Heidelberg, die Erkenntnis zutage, dass regelmäßige Bewegung das Risiko, im Alter dement zu werden, „um 30 bis 50 Prozent“ senke. „Ziel ist es, präventiv gegen die Krankheit vorzugehen“, sagt Götz. Doch selbst wenn die Demenz schon ausgebrochen sei, könne sich aktives Bewegen positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken. „Durch Training werden Muskeln aufgebaut und die Gelenke gestärkt“, sagt Götz, „dadurch erhalten die Betroffenen eine stabilere Motorik und einen besseren Gleichgewichtssinn.“ Etwas salopper drückt es Stadtrat Markus Frank aus: „Wer nicht fällt, bricht sich auch nicht die Knochen.“

Die Stadt Frankfurt reagiert nun auf diese Erkenntnisse und bietet von Dezember an zusammen mit den Netzwerk „Aktiv bis 100“, einem Zusammenschluss aus 25 gemeinnützigen Vereinen, ein Trainingsprogramm für Demenzkranke und ihre Angehörigen an. Das Besondere dabei: Betroffene und ihre sie pflegenden Verwandten kommen gemeinsam zum Training. Anders als in anderen Städten, in denen sich Übungsgruppen für Menschen mit Demenz schon etabliert haben, sollen in Frankfurt Betroffene und Angehörige aber unabhängig voneinander trainieren. „Wir haben uns ganz bewusst gegen das gemeinsame Training entschieden“, sagt Petra Regelin vom Deutschen Turner-Bund, die das Projekt hauptverantwortlich betreut. „Die Angehörigen haben wegen der aufwendigen Pflege oftmals keine Zeit zum Entspannen. Bei uns sollen sie auch mal durchpusten dürfen.“ Da neben der psychischen Belastung auch die körperliche Anstrengung für die Pflegenden extrem groß ist, sollen auch die Rücken- und Nackenmuskulatur gestärkt werden.

„Wir merken das auch“

Betreut werden beide Gruppen von je einem Trainer und einer Sozialfachkraft. Neben dem körperlichen Training soll vor allem der Austausch mit anderen Betroffenen im Vordergrund stehen. „Wir hoffen, dass daraus eine Art bewegte Selbsthilfegruppe entsteht“, sagt Petra Regelin. Viele Erkrankte und ihre Angehörigen fühlen sich von der Allgemeinheit ausgegrenzt, das zeigt der erst kürzlich erschiene Welt-Alzheimerbericht 2012. Aus Angst vor den Reaktionen verschweige gar ein Viertel aller Demenzkranken ihre Diagnose. „Demenz ist in unserer Gesellschaft immer noch mit einem Stigma verbunden“, sagt Thomas Götz. „Wir merken das auch“, sagt Petra Regelin, „es sind fast ausschließlich die Angehörigen, die sich bei uns melden.“

Die Aktion soll daran etwas ändern und Akzeptanz für die Krankheit schaffen. Zumal die Zahl der Erkrankten steigt. „In Frankfurt haben wir derzeit 10 000 Menschen mit Demenz“, sagt Julia Sipreck vom Bürgerinstitut e.V., die sich seit 15 Jahren mit den Demenzkranken der Stadt beschäftigt. „Das wird in den nächsten Jahren immer weiter zunehmen.“ Deutschlandweit sind 1,2 Millionen Menschen betroffen. Glaubt man dem Bundesministerium für Gesundheit, könnte sich diese Zahl bis zum Jahr 2030 auf 1,8 Millionen Erkrankte erhöhen. „Die Kommunen müssen auf diese Entwicklung reagieren“, sagt Stadtrat Frank. „Wir brauchen mehr Angebote für Ältere.“

„Bewegung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörige“ soll dabei den Anfang für eine Entwicklung darstellen, die es Menschen bis ins hohe ermöglicht, selbständig ihren Alltag zu bewältigen.

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