Ein ausreichendes Angebot an Museen, Theatern und Konzerten zur Auswahl zu haben, das hält die Mehrheit der Bewohner des Rhein-Main-Gebiets für wichtig. Und die Mehrheit ist auch der Ansicht, dass ein solches Angebot maßgeblich ist, um Führungs- und Nachwuchskräfte anwerben zu können. Das sind die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Instituts Dimap in Bonn. Im Auftrag des Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main hatte das Institut im Mai 1000 Bürger der Region befragt, um daraus ein erstes „Kulturbarometer“ zu erstellen.
Die Umfrage ergab auch, dass knapp 80 Prozent der Bürger den Umfang des Kulturangebots in der Region als „gerade richtig“ einschätzen. Allerdings hält nur ein Drittel das Angebot für besser als in anderen Regionen Deutschlands.
Für den Landrat des Hochtaunuskreises, Ulrich Krebs (CDU), Aufsichtsratschef des Kulturfonds, ist die Studie eine „Selbstvergewisserung“. Der Fonds habe die Umfrage in Auftrag gegeben, um etwas über den Stellenwert der Kultur in der Region zu erfahren. Hintergrund sind Diskussionen in zahlreichen Städten und Kreisen, angesichts leerer werdender Kassen bei den sogenannten freiwilligen Leistungen, zu denen die Kultur gemeinhin zählt, zu sparen. Erst in der vergangenen Woche hatte der Landrat des Main-Taunus-Kreises, Michael Cyriax (CDU), angekündigt, den Mitgliedsbeitrag für den Kulturfonds halbieren zu wollen.
Möglichst alle sollen zahlen
“Ich sehe im Engagement für die Kultur, für den Kulturfonds keine freiwillige Leistung“, sagte Krebs. Wie die Umfrage zeige, gehöre ein ausreichendes Angebot an Ausstellungen, Konzerten und Aufführungen zur Standortförderung. Krebs will mit Hilfe der Umfrage weitere Städte und Kreise als Gesellschafter werben. Zumal von den Bürgern auf die Frage, wer den Kulturfonds finanzieren soll, fast 90 Prozent antworteten, dass es ihnen wichtig oder gar sehr wichtig sei, dass alle Städte und Kreise des Rhein-Main-Gebiets Geld aufbrächten. Derzeit sind die Kreise Hochtaunus- und Main-Taunus, das Land Hessen sowie die Städte Darmstadt, Frankfurt und seit Beginn dieses Jahres auch Wiesbaden Gesellschafter des 2007 gegründeten Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main.
Abgefragt wurde auf Wunsch des Kulturfonds auch, wer in den Augen der Bevölkerung Einrichtungen und Veranstaltungen finanzieren soll. Knapp drei Viertel der Befragten waren sich einig, dass Kunst und Kultur Aufgaben der öffentlichen Hand seien und Bund, Land, Städte und Kreise dies noch stärker fördern sollten. Geteilter Meinung waren die Befragten über das Engagement der Wirtschaft. 40 Prozent der Befragten sind der Auffassung, die Unternehmen unterstützten genug, 39 Prozent meinen, es reiche nicht, und forderten mehr.
Auch die Politik in der Region vertritt die Meinung, dass Unternehmen mehr zur Kulturförderung, insbesondere zu dem bisher ausschließlich mit öffentlichem Geld geförderten Kulturfonds, beitragen sollten. „Wir setzen auf die Unterstützung der Wirtschaft, um der Kultur zu noch mehr Durchschlagskraft zu verhelfen“, sagte Krebs. Der Landrat rennt dabei keine fest verschlossenen Türen ein.
„Tief verankerte Kulturförderung“
Die Präsentation der Umfrageergebnisse fand in der Frankfurter Industrie- und Handelskammer statt. IHK-Präsident Mathias Müller betonte, in Frankfurt, aber auch in der Region gebe es eine „tief verankerte private Kulturförderung“. Auch an der Entstehung des Kulturfonds habe die Wirtschaft mitgewirkt. Der damalige IHK-Präsident Joachim von Harbou hatte eine Mediation initiiert, an deren Ende die Gründung des Fonds stand. Ohne selbst eine feste Finanzzusage zu geben, hob Müller die Bedeutung der Kultur als wichtigen, „harten“ Standortfaktor hervor, der darüber entscheide, „ob ich Mitarbeiter finde“.
Die Vorsitzende des Kuratoriums des Kulturfonds, die frühere Wissenschaftsministerin Ruth Wagner (FDP), hält die Kultur sogar für einen von drei Faktoren, die künftig den Wettbewerb der Regionen entscheiden werden. Die beiden anderen seien attraktive Arbeitsplätze und eine Landschaft mit Erholungswert.