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Umberto Eco in Eltville : Die Rose hat einen deutschen Namen

Ortstermin: Umberto Eco vor der Basilika von Kloster Eberbach. Bild: Kaufhold, Marcus

Umberto Eco besucht den Drehort für die Verfilmung seines berühmten Romans „Der Name der Rose“. So mancher Tourist des Klosters Eberbach in Eltville traut seinen Augen noch nicht so recht.

          Ist er es? Die Touristin, die an der Pforte zur Basilika von Kloster Eberbach an einem freundlichen älteren Herrn mit Bart und Brille vorbeigegangen ist, vermutet es nur. Eine andere ist schon weiter: „Er ist es“, sagt sie zu ihrer Begleiterin. Eine dritte greift gleich zur Kamera und macht ein Bild. Viele Besucher bemerken an diesem Freitagvormittag den Autor des Romans „Der Name der Rose“, dessen Buch sich seit Jahren als Segen für die Besucherzahlen, die Einnahmen und die Instandsetzung des Klosters erweist. Dabei sieht Umberto Eco es zum ersten Mal.

          Florian  Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Vortag ist er in Mainz mit dem Gutenberg-Preis ausgezeichnet worden, Anlass für eine Reise, die dem Freund des gedruckten Buches wie eine „Pilgerfahrt nach Jerusalem oder Mekka“ vorgekommen ist. Klar, dass am folgenden Tag ein Abstecher zum nahe gelegenen Drehort der Filmfassung des Romans ansteht. Während Jean-Jacques Annaud an der Kinoversion des 1980 erschienenen Buches arbeitete, hatte Eco nur den italienischen Teil des Drehs besichtigt. In Rom unterhielt er sich mit dem Hauptdarsteller Sean Connery, an dessen Stelle er lieber Alec Guinness gesehen hätte, und konnte einen Blick auf das Kulissenäußere der Abtei werfen, die er sich als Schauplatz seines Romanerfolgs ausgedacht hatte. Bis heute hat sich „Der Name der Rose“ in aller Welt rund 30 Millionen Mal verkauft. Für Leser, die auch den Film gesehen haben, spielt das Buch seitdem unter den romanischen und gotischen Gewölben von Kloster Eberbach, die Annaud für die Innenaufnahmen nutzte.

          Ein gewitzter Zeichentheoretiker

          Eco wird auf Italienisch geführt. Im Mönchsdormitorium, das im Film als Skriptorium dient, wird ihm die Herstellung von Tinte gezeigt, im Kapitelsaal lässt er sich für eine kurze Rast auf der Steinbank nieder, die einmal um den ganzen Raum herumreicht, und fragt nach: „Und hier wurde das Streitgespräch gedreht?“ Ja, hier fand er statt, der Streit vieler Geistlicher mit unterschiedlichen Ansichten zur Rolle der Kirche und dem wahren Verhältnis von Wörtern und Dingen. Michael Krüger, bei Hanser in München lange Ecos Verleger, hat den Autor am Vortag in seiner Laudatio ein „Gesamtkunstwerk“ genannt, seiner Fähigkeit wegen, ausgerechnet aus dem Universalienstreit des Mittelalters und den erregten literaturtheoretischen Debatten der siebziger Jahre einen unterhaltsamen Roman zu machen. Daran, dass „Der Name der Rose“ die subversive Kraft des Lachens feiert, auch wenn dafür eine Bibliothek in Flammen aufgehen muss, denkt man, während man Eco durch den Bibliotheksflügel folgt, dessen Bücher verlorengingen, als die Schweden das Kloster 1631 besetzten. Im Gegensatz zu Ecos Bibliothekslabyrinth rund um den verbotenen zweiten Band der „Poetik“ des Aristoteles wurden die Ebersbacher Bände allerdings nicht im Feuer zerstört, sondern von den Eroberern in ihre Heimat verschleppt. Mehrere hundert Handschriften stehen heute in Stockholm und Uppsala.

          Was einen gewitzten Zeichentheoretiker ausmacht, zeigt Eco später zwischen Weinfässern, als er sich in das Goldene Buch des Klosters einträgt, das sonst nur für Staatsgäste hervorgeholt wird. Sein Name, zwei Jahreszahlen und ein Scherz reichen ihm, um ganze Zeiten auf eine einzige Seite strömen zu lassen: „Umberto Eco, 1327 - 2014“. Im Museum bleibt er schließlich vor Matthäus Merians Ansicht des Geländes aus dem Jahr 1646 stehen und deutet auf das Wappen, das den Namen des Klosters in einer Art kleinem Bilderrätsel wiederzugeben scheint, indem es eine Kapelle, ein Wildschwein und etwas zeigt, das aussieht wie ein bewegtes Gewässer. „Kloster, Eber, Bach“, sagt Eco auf Deutsch und tippt bei jedem Wort auf das Wappen.

          Quelle: F.A.Z.

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