http://www.faz.net/-gzg-8f4l8

Mainz-Torwart Loris Karius : Hat er schon den Richtigen?

Da geht‘s lang: Loris Karius hat seinen Weg in der Bundesliga bislang mit Bravour gemeistert. Bild: Imago

Zu alt ür die U21, einer unter sehr vielen guten Torhütern hinter Manuel Neuer: Obwohl Loris Karius der vielleicht auffälligste Schlussmann der Bundesligasaison ist, hat er in diesen Tagen eine echte Länderspielpause.

          In diesen Tagen kann Loris Karius mal ausspannen. Der Torhüter von mainz 05 musste in dieser Woche nicht einmal beim Testspiel-2:2 gegen den Karlsruher SC ran. Stattdessen gönnte ihm Trainer Martin Schmidt mal eine Pause. Die hat sich Karius redlich verdient in den bisherigen Monaten der Saison, in der er der aufsehenerregendste Spieler aus dem aktuellen Kader der Rheinhessen war. Der 22 Jahre alte Karius ist wohl auch der auffälligste Tormann der Bundesligasaison. Der Schlussmann ist seit Monaten in so bestechender Form, dass er zuletzt auch nach der 0:2-Niederlage in Dortmund noch Grund zum Strahlen hatte. Er hatte sein Team schließlich fast im Alleingang vor einer heftigeren Schlappe bewahrt. Zur Krönung des Abends wurde ihm gar noch Lobrede und Umarmung durch BVB-Trainer Thomas Tuchel zuteil, der ihn einst in Mainz nach konfliktreichen Jahren letztlich doch vom Nachwuchsmann zur Nummer eins befördert hatte.

          Tuchel hat Karius gefördert - aber auch gefordert

          Die Herzlichkeit überraschte, war das Verhältnis der beiden schließlich nicht immer unbelastet. Karius legte in der Trainingsarbeit als damalige Nummer drei lange nicht den gewünschten Ernst an den Tag, weswegen Tuchel ihn zeitweise zur U23 abgeschoben hatte. „Ein Trainer, der es einem zu leichtmacht, ist auch der Falsche“, sagt Karius. „Für mich ist er aber vor allem der Trainer, unter dem ich mein erstes Bundesligaspiel gemachte habe und zur Nummer eins wurde.“

          Das war im Herbst des Jahres 2013, nachdem Tuchel die Routiniers Heinz Müller und Christian Wetklo aus unterschiedlichen Gründen degradierte und Karius das Vertrauen aussprach. Seither erledigt Karius seine torverhindernde Pflicht mit einer beeindruckenden Qualität und Konstanz. In dieser Spielzeit gehört er endgültig zu den besten Schlussmännern der Liga, seiner eigentlichen Aufgabe des Bälleabwehrens ging er bislang ohne folgenschweren Lapsus nach, und auch als mitspielender Torwart hat er einen deutlichen Entwicklungsschritt hinter sich.

          In die Schlagzeilen schaffte es der 22 Jahre junge Torwart zuletzt dennoch vor allem dank Geschehnissen außerhalb des Feldes: Zunächst färbte er seine Haare wasserstoffblond, wofür es Spott und Häme gab, dann wurde er in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ mit den Worten „Ich liebe das Model aus der Dating-Werbung“ vorgestellt – und schließlich wurde bekannt, dass in seine Wohnung eingebrochen wurde. Letztere Episode endete freilich offenbar glimpflich: Die Polizei soll einen Verdächtigen gefunden haben, nach einer Trainingseinheit vor zwei Wochen zeigte ein Polizist dem Torhüter sichergestelltes Diebesgut zur Identifizierung seines Eigentums.

          Der jüngste Stammtorwart der Bundesliga

          Die Glückssträhne von Karius scheint also eine Fortsetzung zu finden – und womöglich bald die Krönung? Denn angesichts der konstanten Leistungen scheint zumindest mittelfristig nach der Europameisterschaft eine erste Einladung in den Kreis der drei besten Torhüter bei der Nationalmannschaft denkbar.

          Derzeit stehen dem derzeit jüngsten Bundesligaschlussmann neben der unangefochtenen Nummer eins Manuel Neuer noch die starken Konkurrenten wie Bernd Leno, Marc-André ter Stegen, Kevin Trapp oder Ron-Robert Zieler im Weg. Für die U21 ist KArius derweil etwas zu alt, weswegen er die Chance auf die ruhepause in diesen Tagen hat. „Ich warte jetzt nicht unruhig auf einen Anruf von Joachim Löw. Aber wenn er anrufen sollte, wäre das natürlich schön“, sagt Karius. „Ich setzte mich aber nicht unter Druck, ich habe keinen Zeitplan. Ich bin schließlich derzeit der jüngste Stammtorwart der Bundesliga. Ich habe Zeit.“

          Wie kommt er zu internationaler Erfahrung

          Fraglich ist, ob er auch schon den passenden Verein für seine Ambitionen hat. „Experten sagen immer gerne, dass man internationale Spiele braucht fürs Nationalteam“, sagt auch Karius.

          Die könnte er freilich auch im kommenden Jahr mit Mainz 05 haben. Denn auch dank seiner Leistungen haben die Rheinhessen eine gute Ausgangsposition im Kampf um einen Platz im Europapokal. Sollte die Qualifikation misslingen, dürfte Karius sich im Sommer eines allseits bekannten Zitats aus dem Werbespot seiner Freundin für ein Dating-Portal erinnern: „Ich liebe mein Leben, aber der Richtige fehlt noch.“ Und „richtige“ Vereine könnten für den Schlussmann vermutlich auch in England zu finden sein. Schließlich hat Loris Karius dort entscheidende Jahre seiner Fußball-Jugend bei Manchester City verbracht. Und auch deshalb macht er keinen Hehl aus seinem Wunsch irgendwann mal in der Premier League ein Tor zu hüten. „Da würde ich schon mal gerne spielen“, sagt er.

          Vorher will er freilich seine Leistungen der vergangenen Monate bestätigen. Für seine Vorderleute in Mainz ist er ohnehin derzeit unersetzbar.  „Die Leistungen von Loris sind seit zwei Jahren konstant. Er hat keine Aussetzer, ist mit dem Fuß immer besser geworden. Er ist auf einem sehr guten Weg“, sagt Kapitän Julian Baumgartlinger. Anders ausgedrückt: Mainz 05 hat im Tor definitiv noch den Richtigen.

          Weitere Themen

          Kampf um die Zuschauer

          Mainz 05 : Kampf um die Zuschauer

          Die Nullfünfer möchten wieder mehr Fans davon überzeugen, eine Dauerkarte zu kaufen. An diesem Samstag gegen den FC Augsburg könnte die Grenze von 20.000 Zuschauern unterschritten werden.

          Mainzer Traumstart

          2:1 gegen Augsburg : Mainzer Traumstart

          Nach einer turbulenten Schlussphase gelingt den Rheinhessen gegen den FC Augsburg doch noch ein Sieg. Dabei drehen die Mainzer einen 0:1-Rückstand binnen weniger Minuten vor dem Abpfiff.

          Kein Material ist böse Video-Seite öffnen

          Koziol : Kein Material ist böse

          Die Firma Koziol schreibt sich auf die Fahne nur Produkte aus Kunsstoff zu produzieren, für die kein anderer Stoff besser geeignet ist. Geschäftsführer Stephan Koziol wünscht sich eine differenziertere Diskussion.

          Topmeldungen

          Handelsstreit : Trump dreht an der Eskalationsschraube

          Donald Trump will, dass amerikanische Unternehmen ihre Produktion nach Amerika zurückverlagern – koste es, was es wolle. Vielleicht kommt die strategische Konfrontation mit China schneller als vermutet. Ein Kommentar.
          Nach seinem Glückstreffer kaum zu halten: Christian Pulisic

          Champions League : Dortmunder Zufallssieg

          Nach einem über weite Strecken dürftigen Auftritt beim FC Brügge hat Borussia Dortmund das Glück des Schwerfälligen: Pulisic wird angeschossen, der Ball landet im Tor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.