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Turnen Doppeltes Muskelspiel

 ·  Fabian Hambüchen strahlt wieder wie einst. Drei Meistertitel beweisen: Nach dem Riss der Achillessehne hat der Turner alles richtig gemacht. London kann kommen.

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Wer Freude hat an knackigen Muskeln, der kann sich im Internet delektieren: Fabian Hambüchen turnt da in mehreren Filmchen mit nacktem Oberkörper. Es ist sogar ein doppeltes Muskelspiel: Seine Fans können die imposanten Stränge bewundern - und seine Konkurrenten sollen erfahren, dass mit dem hessischen Turner wieder zu rechnen ist. „Meine erste 7,7 im Training“ ist zum Beispiel ein Video vom 12. Mai 2012 untertitelt. Die Weltklasseübung, die der 24 Jahre alte Turner aus Wetzlar am Reck darauf zelebriert, hat diesen extremen Schwierigkeitsgrad. Grandios.

Ein echter Hingucker und nicht der einzige. In den vergangenen Monaten ist das Internet nämlich zu Hambüchens wichtigstem Kontaktforum mit seinem Publikum geworden. Um seinen Achillessehnenriss am linken Fuß vom Januar 2011 gründlich auszuheilen und seine Form behutsam, aber effektiv wieder aufzubauen, hat er sich monatelang in die Stille der heimischen Trainingshalle und zur Physiotherapie zurückgezogen. Der Rückkehr zur Olympiaform galt seine ganze Konzentration, auf Zwischenschritte verzichtete er fast ganz. An der WM im Oktober nahm Hambüchen nur halbherzig teil, bestritt einen einzigen Testwettkampf in Frankreich und verzichtete auf die Europameisterschaften im Mai in Montpellier.

Erst am vergangenen Wochenende war Hambüchen wieder live und in voller Entfaltung zu sehen bei den deutschen Meisterschaften in Düsseldorf, und es zeigte sich, dass er alles richtig gemacht hat. Hambüchen gewann drei Titel: Im Mehrkampf mit dem vielversprechenden Ergebnis von 91,10 Punkten - 90 hatte er angestrebt. Dazu an seinem Paradegerät, dem Reck und - eher überraschend - am Boden, wo er sogar zur Schonung seines Fußes auf Schwierigkeiten verzichtete. „Ich bin momentan wunschlos glücklich“, sagte Hambüchen hinterher strahlend, und es schien, als wäre er endlich wieder ganz der alte Sonnyboy, der mit der Sorglosigkeit eines Kindes und der Kraft eines Mannes einst die Turn-Welt eroberte. Aber natürlich haben die jüngsten Erfahrungen ihn vorsichtig gemacht. Sein Ziel für London, sagte er, sei es erst einmal: „Gesund und heil dort ankommen.“

Boy quält sich mit Verletzungen

Es sieht gut aus für Olympia, allerdings sind die Plätze noch nicht endgültig vergeben. In knapp zwei Wochen wird Hambüchen sich seinen Konkurrenten bei der zweiten Olympiaqualifikation in Frankfurt stellen - dann wird es vor allem um die Frage gehen, wer im Mehrkampf für Deutschland antreten darf. Theoretisch könnten zwar drei deutsche Turner den Mehrkampf in Angriff nehmen. Aber nur zwei pro Nation erreichen das Finale der besten 24. Hambüchens Rivalen um diese Positionen sind der Cottbuser Philipp Boy, WM-Zweiter der vergangenen beiden Jahre, und Marcel Nguyen (Haching), der aktuelle Barren-Europameister.

Boy allerdings quält sich mit Verletzungen - zu einem Problem mit dem Handgelenk kam in Düsseldorf noch eine Kapselverletzung am Knöchel, deren Schwere bisher noch nicht genau auszumachen war. Beide Rivalen mussten in Düsseldorf im Mehrkampf das Reck verlassen, während Hambüchen ohne gravierende Fehler durchturnte. Auf dieser Form will er aufbauen. „Ich hoffe“, sagte Hambüchen, „dass wir mit der Mannchaft etwas reißen. Im Einzel ist im Mehrkampf und am Reck etwas drin.“ Um das zu erreichen, handelt er weiter genau nach Plan. „Bis London heißt es, die Zeit zu nutzen“, sagt er. Zehn Prozent Steigerung seien noch drin.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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