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Veröffentlicht: 28.09.2016, 21:15 Uhr

Tunnel für Fuchs und Dachs Schlafplatz als Präsentierteller

Ein oberirdischer Tunnel in der Wiesbadener Fasanerie vermittelt die Illusion, mit Fuchs und Dachs unter der Erdoberfläche zu sein.

von , Wiesbaden
© Frank Röth Durchblick: In der Fasanerie Wiesbaden können Besucher durch einen Tunnel Füchsen auf den Pelz rücken.

Der Dachs verbringt viel Zeit in seinem großen Bau und polstert ihn gemütlich aus. Weil das auch dem Fuchs gefällt, bemächtigt dieser sich regelmäßig der Unterkunft. Für den eigentlichen Hausherrn bleibt dann nur ein Plätzchen in einer Ecke am Rand. Solche Dinge werden seit gestern auf eine anschauliche Weise in der Fasanerie vermittelt. Seit neuestem gehört zu dem 25 Hektar großen Tier- und Pflanzenpark im Nordwestens Wiesbadens ein oberirdischer Tunnel. Er vermittelt die Illusion, sich unter der Erde zu befinden.

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Durch Fenster in den Seitenwänden schaut man in die Nester und Höhlen von Mäusen, Feldhamstern, Farmfüchsen und Dachsen. Sie leben in Gehegen und begeben sich von dort aus zu den künstlich geschaffenen Schlafplätzen, die gleichzeitig eine Art Präsentierteller sind. Das alte Gehege war baufällig und ist innerhalb von anderthalb Jahren durch ein neues ersetzt worden. Großen Aufwand erforderte vor allem der Tunnel, der sich mit einer schlammartigen Außenschicht landschaftlich gut in die Umgebung einfügt.

 

„Manchmal habe ich gedacht, das wird ein Atombunker“, scherzte Alfred Weigle gestern anlässlich der offiziellen Eröffnung. Der Dreiundachtzigjährige, der in Thüringen geboren wurde und seit knapp 50 Jahren in Wiesbaden lebt, hat aus seinem privaten Vermögen 300.000 Euro gespendet und die neue Anlage damit beinahe vollständig finanziert. Den Rest steuerte der Förderverein der Fasanerie bei. Von einem außerordentlichen Maß an bürgerschaftlichem Engagement, wie man es ansonsten nur aus dem an Mäzenen reichen Frankfurt kenne, sprach denn auch der für Wiesbadener Grünflächen der Stadt verantwortliche Dezernent Oliver Franz (CDU). Die Präsentation der heimischen Tierwelt passe in das naturpädagogische Konzept der Fasanerie.

Sie werde nun für Kindergartengruppen, Schulklassen und Familien noch attraktiver. Im Mai ist dort der erste Teil einer Greifvogelanlage fertiggestellt worden. Uhu und Turmfalke haben dort ein Zuhause gefunden. Wenn der zweite Bauabschnitt fertig ist, werden drei Eulenarten, ein Mäusebussard und ein Schreiadler einziehen. Dessen Bestand ist in Deutschland aufgrund des Verlustes an Lebensraum gefährdet. Die Fasanerie will ihn züchten und damit einen Beitrag zu einem europäischen Erhaltungsprogramm leisten. Für den zweiten Bauabschnitt der Greifvogelanlage sind 200 000 Euro veranschlagt. 130 000 Euro sollen aus dem städtischen Etat kommen, den Rest muss der Förderverein durch das Sammeln von Spenden aufbringen.

Nach den Angaben der Leiterin Ulrike Kilian besucht jährlich etwa eine Viertelmillion Menschen aus der Landeshauptstadt und dem Rhein-Main-Gebiet die Fasanerie. Der Rundgang vorbei an Gehegen mit heimischen Wild- und Haustieren und Pflanzen unterschiedlicher Herkunft kostet keinen Eintritt. Ein naturpädagogisches Zentrum hat spezielle Angebote im Programm. So vermittelt beispielsweise ein Falkner innerhalb von zwei Stunden anhand des lebendigen Objekts alles Wissenswerte über Greifvögel. Von anderen Tierparks unterscheidet sich die Fasanerie durch ihren kulturgeschichtlichen Schwerpunkt. So wird anhand von Märchen beispielsweise gezeigt, wie die Menschen sich Bilder von den Eigenheiten der Tiere machten. So galt der Wolf vielen als böse Bestie. Heute kann sich jeder Besucher selbst ein Bild machen. Die Fasanerie beherbergt drei europäische Braunbären und zwei eurasische Wölfe.

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Die Stadt Wiesbaden lässt sich ihre Fasanerie nach eigenen Angaben rund eine Million Euro im Jahr kosten. Davon werden 17 Mitarbeiter bezahlt, darunter sieben Tierpfleger, aber nur ein Gärtner. Ihm sind aber Mitarbeiter und Auszubildende des städtischen Grünflächenamtes behilflich.

Der Förderverein hat in der Vergangenheit insgesamt rund acht Millionen Euro eingesammelt. Etwa die Hälfte der Summe floss in die Sanierung des Jagdschlosses. Es wird heute als Restaurant genutzt und steht damit in einer historischen Tradition. Fürst Georg August Samuel von Nassau-Usingen hatte im Jahr 1737 Fasane ans Biebricher Schloss geholt. Doch dort fehlte es an Getreide, so dass die Fasanerie ungefähr zehn Jahre später an ihren heutigen Standort verlegt wurde. 1955 eröffnete die Landeshauptstadt hier ihren Tier- und Pflanzenpark.

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Von Helmut Schwan

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