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TU Darmstadt : Darmstadts schönster Hörsaal

Studieren im Kraftwerk: Das Maschinenhaus der TU Darmstadt dient künftig als Lehrstätte. Bild: Kretzer, Michael

Die Technische Universität erfindet ihre historische Maschinenhalle neu. Künftig bietet sie Platz für mehr als 600 Studenten.

          Die Technische Universität verkürzt den Takt ihrer Grundsteinlegungen, Richtfeste oder Eröffnungsakte auf unter eine Woche. Am Mittwoch beging TU-Kanzler Manfred Efinger das Richtfest für das zweite Kinderhaus, gestern eröffnete TU-Präsident Hans Jürgen Prömel das umgebaute historische Maschinenhaus als neue Lehrstätte, die im großen Hörsaal Platz für 372 Studenten sowie drei Seminarräume für bis zu jeweils 90 Personen bietet. Neben der ungewöhnlichen Schlagzahl konnte Prömel der Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann (CDU), noch einen weiteren Ausweis von Darmstadts „Exzellenz“ vortragen: Die Technische Universität hat nicht nur den Kostenrahmen beim Umbau der fast 100 Jahre alten Halle eingehalten, sondern die geplante Bauzeit auch noch um zwei Monate unterschritten.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Für Kühne-Hörmann sind solche guten Nachrichten aus Südhessen fast schon Gewohnheit, zuletzt hatte sie bei der Eröffnung der neuen Universitäts- und Landesbibliothek (ULB) im November vergangenen Jahres der TU „Referenzfunktion“ bescheinigt. Das Lob wiederholte sie am Freitag. Die Universität nutze ihre Bauautonomie vorbildlich und beispielhaft: „Ich wünsche mir eine Möglichkeit, dass alle Universitäten und Hochschulen in Hessen von Ihnen lernen können“, sagte die Ministerin, die sich vom umgebauten Hörsaal ebenso begeistert zeigte wie von der 30 Kilogramm schweren Tortennachbildung der Maschinenhalle, die dem Konditor derart detailgetreu gelungen ist, dass Kühne-Hörmann zunächst an ein echtes Modell dachte.

          Eine „architektonische Perle“

          Die Dynamik des Bauens kommt in Darmstadt nicht von ungefähr. Seit 2007 ist die Zahl der Studenten um 56 Prozent auf rund 25 000 gestiegen. Die Umnutzung der Maschinenhalle dient nach den Worten Prömels daher in erster Linie der Verbesserung der Studienbedingungen. Der Präsident verwies aber auch auf die Wirkungen für das Stadtbild und das gesellschaftliche Leben. Indem das Maschinenhaus als „architektonische Perle“ mit neuem Leben erfüllt werde, entstehe nahe der ULB außer Hör- und Seminarsälen auch ein attraktiver Raum für öffentliche Veranstaltungen.

          Gleich zum Auftakt soll eine Ausstellung über den Architekten Georg Wickop gezeigt werden. Er war 1895 Professor für Baukunst an der damaligen Technischen Hochschule Darmstadt geworden und entwarf das Maschinenhaus als Eisenkonstruktion aus genieteten Sichelfachwerkbindern, die eine für die damalige Zeit äußerst hohe Spannweite von 18 Metern aufwiesen. Diese Überspannung prägt auch den Charakter des neuen Hörsaals, den Prömel als „elegant, beruhigend, beeindruckend - der schönste Saal der TU“ bezeichnete. Nimmt man das Kinderhaus, die ULB und die historische Halle, die alle an der Magdalenenstraße im Zentrum des Innenstadt-Campus liegen, dann haben Stadt, Land und Technische Universität innerhalb weniger Jahre auf engem Raum mehr als 80 Millionen Euro verbaut. 8,1 Millionen entfallen auf die Maschinenhalle, deren Umbau über den Hochschulpakt des Landes und eigenes Geld der TU finanziert wurde.

          Weiter als Verteilstation benutzt

          Wickops Gebäude prägt noch heute den Kantplatz. 1904 ersetzte es ein älteres Maschinenhaus, bestehend aus einem Kesselhaus im Süden und dem eigentlichen Maschinenhaus im Norden, das mit der ersten vielstufigen Dampfturbine über die modernste Anlage der damaligen Zeit in Europa verfügte. Die Turbine versorgte die Hochschule mit Energie und diente Lehr- und Forschungszwecken. Das Kraftwerk bestand bis 2001, verlor dann aber seine Funktion durch das neue Kraftwerk Lichtwiese.

          Bis heute dient die Maschinenhalle weiter als Verteilstation für Fernwärme, Strom, EDV, Telefon und Gebäudeleittechnik, was den Umbau nicht vereinfacht hat. Die technische Infrastruktur dürfte während der Arbeiten nicht unterbrochen werden. Entstanden ist ein Gebäude, das seine äußere Fassade bewahrt hat, im Inneren aber nach Plänen der K+H Architekten und Generalplaner GmbH neu erfunden wurde. Ganz besonders angetan hat es der Ministerin das geschwungene Treppenhaus - „einfach wunderbar“, lautete ihr Urteil.

          Quelle: F.A.Z.

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