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Triathlon Raus aus dem Schatten: Reichel will die Stars kitzeln

 ·  Darmstädter Triathlet setzt beim Ironman auf Angriff. Er hat Ambitionen auf einen guten Top-Ten-Platz.

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„Reichel knackt Streckenrekord von McCormack“: Die jüngste Schlagzeile auf der Internetseite des Darmstädters Horst Reichel ist ein Indiz dafür, dass da tatsächlich ein aufstrebender deutscher Triathlet rechtzeitig vor der Ironman-Europameisterschaft in Frankfurt am Sonntag in Topform gekommen zu sein scheint. Beim Triathlon über die olympische Distanz hat Reichel in seiner Heimatstadt vor zwei Wochen die Bestzeit des mehrmaligen Weltmeisters Chris McCormack unterboten. Anders als die im Schatten des erwarteten Zweikampfes zwischen dem Deutschen Andreas Raelert und dem Belgier Marino Vanhoenacker stehenden Sebastian Kienle und Jan Raphael verkniff er sich bei der Pressekonferenz am Donnerstag eine direkte Kampfansage an die Konkurrenz. Doch im persönlichen Gespräch hörten sich die Ambitionen des Dreißigjährigen gar nicht kleinlaut an. Das Feld sei in diesem Jahr enorm stark besetzt, doch „das ändert nichts an meinen Ambitionen auf einen guten Top-Ten-Platz. An einem guten Tag in die Nähe des Podiums zu kommen traue ich mir zu“, sagt Reichel.

Ein Hesse schickt sich also an, in die Phalanx der Topstars einzubrechen. Diese dürften Reichel gleichwohl auf dem Radar haben. Der Darmstädter absolvierte im vergangenen Jahr das 3,8 Kilometer lange Frühschwimmen im Langener Waldsee von allen Startern am schnellsten und hetzte als Erster zum Wechsel aufs Rennrad - noch vor dem späteren Sieger Faris Al-Sultan. Im Sattel hatte er mehr als hundert Kilometer lang die Verfolgerrolle inne, bis sich bei miesestem Wetter erste Erfrierungen ankündigten. „Auf der Abfahrt vom Hühnerberg konnte ich die Bremsen nicht mehr greifen. Ich war nicht mehr Herr der Lage. Mein Betreuerteam hat mich dann raus gelotst“, erinnert sich Reichel an sein Grauen bei acht Grad Außentemperatur, kaltem Regen und eisigem Fahrtwind. Mit dem Aufwärmen danach im Sanitätszelt war es nicht vorüber. „Ich habe da lange dran zu knabbern gehabt. In der Folgewoche konnte ich fast gar nicht trainieren, musste erst mal auftauen. Zwei Wochen später bin ich mit Restenergie in Regensburg gestartet.“ Reichel hat also noch eine Rechnung offen mit dem Parcours in Frankfurt und Umgebung.

„Ich hatte keine Lust mehr, Kacheln zu zählen“

Seine Stärken beim Schwimmen kommen nicht von ungefähr. Im Alter von vier Jahren begann er damit, bis es ihm nach gut zehn Jahren zu langweilig wurde: „Ich hatte keine Lust mehr, Kacheln zu zählen.“ Mit dreizehn stieg er um, und jetzt, mit dreißig, wähnt er seine beste Zeit noch vor sich. 2009 legte er in Zürich über die Langdistanz eine „ganz ordentliche“ Richtzeit von neuneinhalb Stunden hin, wurde im Folgejahr Zweiter der deutschen Meisterschaft über die Mitteldistanz und steigerte seine Ironman-Bestzeit in Barcelona auf acht Stunden und zwanzig Minuten. Das soll nicht das Ende der Zeitenjagd sein. Sein Triathlonteam um Timo Bracht, der am Sonntag in Roth startet, soll dazu beitragen. Hawaii, das Nonplusultra aller Triathleten, habe er dieses Jahr zwar „noch nicht auf der Agenda“, doch direkt im Anschluss an die Weltmeisterschaft im Oktober will er in Mexiko mit dem Punktesammeln für 2013 beginnen. Auch der Frankfurter Ironman steht bereits wieder in der vorläufigen Jahresplanung, dazu ein paar Mitteldistanzen. „Dann sollte es funktionieren“, sagt Reichel, der im Anschluss an die professionelle Triathlonkarriere sein Referendariat in Sport und Geschichte nachholen will.

Doch das ist Zukunftsmusik. Am Sonntag muss der Darmstädter das Höllenrennen 2011 vergessen machen. Sein Ziel ist, um halb acht abermals als Führender aus dem Wasser zu steigen und die Favoriten zu kitzeln. Für den zu erwartenden mentalen Durchhänger auf der 180 Kilometer langen Radstrecke hat sich Reichel eine Arznei zurechtgelegt, die von manchem Gegner belächelt werde: einen Schokoriegel. Der gebe schließlich auch Energie und ist „meine Motivation in der Schwächephase“. Und dann erzählt er noch eine letzte kleine Anekdote: „Bei der ersten Austragung in Frankfurt (vor zehn Jahren) habe ich im Ziel Finisher-Medaillen verteilt. Da habe ich gedacht, dass ich das selbst schaffen könnte.“

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Von Matthias Alexander

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