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Trendsport Crossfit : Einer geht noch

  • -Aktualisiert am

Wer gut aussehen will, muss es sich verdienen, lautet ein Motto. Auch wenn das richtig weh tun kann. Bild: © Leon Mussche/ImageZoo/Corbis

Ein neuer Trend auf dem Markt der Körperertüchtigung ist Crossfit. Das Prinzip für Fitness und Figur lautet, bis an seine Grenzen zu gehen - mindestens.

          Erst ist nur ein leises Stöhnen zu hören, später wird es lauter, am Ende hat es sich bei manchen in ein Jaulen verwandelt: Zehn nassgeschwitzte Frauen und Männer kämpfen sich in dem kleinen Hinterhaus-Raum im Frankfurter Industriegebiet durch das sogenannte „Workout of the Day“, kurz WOD genannt. In ihrer Mitte steht Trainer Steve Antcliff und macht den Fitness-Aspiranten an den Klimmzugstangen, Ringen und Gewichten Mut. „Come on, Junge, einer geht noch, let’s go!“

          Crossfit heißt der neueste Trend aus den Vereinigten Staaten, der dort fast schon die Dimension einer Bewegung erreicht hat und auch in Deutschland zusehends Anhänger und Nachahmer findet. Das Rezept für einen durchtrainierten Körper ist maximal anstrengend, denkbar simpel und eigentlich nicht eben modern. Sit-Ups, Kniebeugen, Liegestütze, Klimmzüge, Gewichtheben und viele Variationen solch antiker athletischer Disziplinen stehen auf dem Plan, dazwischen etwa mehrere Runden schnelles Joggen um den Häuserblock.

          Gemeinsam bis ans Limit gehen

          „Im Vordergrund steht das Gruppengefühl“, sagt Antcliff. Mit seiner Verlobten Brooke leitet er die derzeit einzige offizielle Frankfurter „Box“, wie jede Crossfit-Gruppe ihren Trainingsraum nennt. Beim einsamen Training im Fitnessstudio gehe kaum einer an sein persönliches Limit, sind sich die lizenzierten Trainer einig. Beim gemeinsamen WOD halte aber jeder durch. „Wir lachen und leiden gemeinsam“, heißt es dazu selbstironisch auf der Homepage.

          Das bis zu 60 Minuten lange Übungsprogramm unter den wachsamen Augen dreier Trainer bringt jeden an seine individuelle Grenze. Jede Einheit habe einen anderen Schwerpunkt, sagt Antcliff, kein WOD wiederhole sich je. Das Prinzip lautet, den Körper bei hoher Pulsfrequenz schnell auf volle Fahrt zu bringen. Nachhaltig werde so Fett verbrannt und Muskulatur aufgebaut, Kondition und Beweglichkeit würden optimiert.

          Nachfrage an Crossfit sei „explodiert“

          Der Rundblick im Trainingsraum bietet ein gemischtes Bild: Einigen sprengen die muskulösen Glieder bald den Stoff ihrer Sportbekleidung, andere kämpfen noch mit den Andenken an zu viele Weihnachtsplätzchen an Hintern und Hüfte. „Fitness is earned“ steht auf dem T-Shirt eines Mannes geschrieben - das Motto von Antcliffs Gruppe. Der Wille, sich die körperliche Fitness zu „verdienen“, ist den teils jugendlichen, teils deutlich älteren Mitgliedern anzusehen. Bis zur letzten der zehn heute geforderten Übungen halten sie in unterschiedlichem Tempo durch, auch wenn der fünfundzwanzigste Kopfstand manchmal nur noch wackelig gelingt. Antcliff zufolge dauert es auf diese Weise nicht lange, bis die Fettpolster geschmolzen sind. „Ein Sixpack in einem halben Jahr ist schon möglich.“

          Vor etwa zwei Jahren hatte der 35 Jahre alte Ingenieur mit englischen Wurzeln den Raum stundenweise gemietet, um „mehr Zeit mit dem Hobby verbringen“ und einzelne Gruppen trainieren zu können. Weil aber die Nachfrage „explodiert“ ist, hat er mittlerweile seinen Job gekündigt. Nächste Woche öffnet Antcliff eine mehr als 800 Quadratmeter große „Box“ in Bockenheim.

          Mitmachen könnten alle, die gesund seien, sagt er, ob jung oder alt, dick oder dünn. Pflicht für jeden ist aber der Einführungskurs. Während sechs Wochen lernen die Teilnehmer die Technik und beugen so Verletzungen vor. „Die Zeit ist außerdem notwendig, um die Stärken und Schwächen der Teilnehmer kennenzulernen“, sagt Antcliff, der über den Leistungsstand seiner mittlerweile rund hundert Schüler Buch führt und darauf achtet, dass keiner sich übernimmt.

          Mit zunehmender Beliebtheit dieser Trainingsmethode vermehren sich auch die Angebote. Auf Facebook oder Sport-Foren im Internet bietet mancher inzwischen schon Kurse im eigenen Garten an, und immer mehr Studios nehmen das schweißtreibende Training in ihr Programm auf. Eine Entwicklung, die laut Antcliff auch Nachteile mit sich bringt. „Es ist gut, dass der Sport bekannter wird, aber einige Angebote sind schlicht illegal.“ So bezeichneten sich viele als Crossfit-Trainer, ohne eine Lizenz des amerikanischen Markeninhabers zu besitzen. Der achte auf eine solide Ausbildung der Trainer, auf die gelenkschonende Ausführung der Übungen und die intensive Betreuung.

          99 Euro für 12 Termine

          Die Kosten liegen dafür auch über den durchschnittlichen Preisen im Fitnessstudio, für 12 Termine im Monat etwa fallen 99 Euro Beitrag an. Antcliff, der schon zu Studienzeiten als Personal Trainer gearbeitet hatte, begründet das mit der persönlichen Betreuung und der Effektivität. In der „Box“ gebe es nicht die technische Ausstattung vieler Studios, sagt der Trainer. Brauche es aber auch nicht. „Dafür gibt es bei jedem ein sichtbares Ergebnis - nur das zählt.“

          Quelle: F.A.S.

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