Home
http://www.faz.net/-gzg-75j5q
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 06.01.2013, 11:00 Uhr

Trendsport Crossfit Einer geht noch

Ein neuer Trend auf dem Markt der Körperertüchtigung ist Crossfit. Das Prinzip für Fitness und Figur lautet, bis an seine Grenzen zu gehen - mindestens.

© © Leon Mussche/ImageZoo/Corbis Wer gut aussehen will, muss es sich verdienen, lautet ein Motto. Auch wenn das richtig weh tun kann.

Erst ist nur ein leises Stöhnen zu hören, später wird es lauter, am Ende hat es sich bei manchen in ein Jaulen verwandelt: Zehn nassgeschwitzte Frauen und Männer kämpfen sich in dem kleinen Hinterhaus-Raum im Frankfurter Industriegebiet durch das sogenannte „Workout of the Day“, kurz WOD genannt. In ihrer Mitte steht Trainer Steve Antcliff und macht den Fitness-Aspiranten an den Klimmzugstangen, Ringen und Gewichten Mut. „Come on, Junge, einer geht noch, let’s go!“

Crossfit heißt der neueste Trend aus den Vereinigten Staaten, der dort fast schon die Dimension einer Bewegung erreicht hat und auch in Deutschland zusehends Anhänger und Nachahmer findet. Das Rezept für einen durchtrainierten Körper ist maximal anstrengend, denkbar simpel und eigentlich nicht eben modern. Sit-Ups, Kniebeugen, Liegestütze, Klimmzüge, Gewichtheben und viele Variationen solch antiker athletischer Disziplinen stehen auf dem Plan, dazwischen etwa mehrere Runden schnelles Joggen um den Häuserblock.

Gemeinsam bis ans Limit gehen

„Im Vordergrund steht das Gruppengefühl“, sagt Antcliff. Mit seiner Verlobten Brooke leitet er die derzeit einzige offizielle Frankfurter „Box“, wie jede Crossfit-Gruppe ihren Trainingsraum nennt. Beim einsamen Training im Fitnessstudio gehe kaum einer an sein persönliches Limit, sind sich die lizenzierten Trainer einig. Beim gemeinsamen WOD halte aber jeder durch. „Wir lachen und leiden gemeinsam“, heißt es dazu selbstironisch auf der Homepage.

Das bis zu 60 Minuten lange Übungsprogramm unter den wachsamen Augen dreier Trainer bringt jeden an seine individuelle Grenze. Jede Einheit habe einen anderen Schwerpunkt, sagt Antcliff, kein WOD wiederhole sich je. Das Prinzip lautet, den Körper bei hoher Pulsfrequenz schnell auf volle Fahrt zu bringen. Nachhaltig werde so Fett verbrannt und Muskulatur aufgebaut, Kondition und Beweglichkeit würden optimiert.

Nachfrage an Crossfit sei „explodiert“

Der Rundblick im Trainingsraum bietet ein gemischtes Bild: Einigen sprengen die muskulösen Glieder bald den Stoff ihrer Sportbekleidung, andere kämpfen noch mit den Andenken an zu viele Weihnachtsplätzchen an Hintern und Hüfte. „Fitness is earned“ steht auf dem T-Shirt eines Mannes geschrieben - das Motto von Antcliffs Gruppe. Der Wille, sich die körperliche Fitness zu „verdienen“, ist den teils jugendlichen, teils deutlich älteren Mitgliedern anzusehen. Bis zur letzten der zehn heute geforderten Übungen halten sie in unterschiedlichem Tempo durch, auch wenn der fünfundzwanzigste Kopfstand manchmal nur noch wackelig gelingt. Antcliff zufolge dauert es auf diese Weise nicht lange, bis die Fettpolster geschmolzen sind. „Ein Sixpack in einem halben Jahr ist schon möglich.“

Vor etwa zwei Jahren hatte der 35 Jahre alte Ingenieur mit englischen Wurzeln den Raum stundenweise gemietet, um „mehr Zeit mit dem Hobby verbringen“ und einzelne Gruppen trainieren zu können. Weil aber die Nachfrage „explodiert“ ist, hat er mittlerweile seinen Job gekündigt. Nächste Woche öffnet Antcliff eine mehr als 800 Quadratmeter große „Box“ in Bockenheim.

Mitmachen könnten alle, die gesund seien, sagt er, ob jung oder alt, dick oder dünn. Pflicht für jeden ist aber der Einführungskurs. Während sechs Wochen lernen die Teilnehmer die Technik und beugen so Verletzungen vor. „Die Zeit ist außerdem notwendig, um die Stärken und Schwächen der Teilnehmer kennenzulernen“, sagt Antcliff, der über den Leistungsstand seiner mittlerweile rund hundert Schüler Buch führt und darauf achtet, dass keiner sich übernimmt.

Mehr zum Thema

Mit zunehmender Beliebtheit dieser Trainingsmethode vermehren sich auch die Angebote. Auf Facebook oder Sport-Foren im Internet bietet mancher inzwischen schon Kurse im eigenen Garten an, und immer mehr Studios nehmen das schweißtreibende Training in ihr Programm auf. Eine Entwicklung, die laut Antcliff auch Nachteile mit sich bringt. „Es ist gut, dass der Sport bekannter wird, aber einige Angebote sind schlicht illegal.“ So bezeichneten sich viele als Crossfit-Trainer, ohne eine Lizenz des amerikanischen Markeninhabers zu besitzen. Der achte auf eine solide Ausbildung der Trainer, auf die gelenkschonende Ausführung der Übungen und die intensive Betreuung.

99 Euro für 12 Termine

Die Kosten liegen dafür auch über den durchschnittlichen Preisen im Fitnessstudio, für 12 Termine im Monat etwa fallen 99 Euro Beitrag an. Antcliff, der schon zu Studienzeiten als Personal Trainer gearbeitet hatte, begründet das mit der persönlichen Betreuung und der Effektivität. In der „Box“ gebe es nicht die technische Ausstattung vieler Studios, sagt der Trainer. Brauche es aber auch nicht. „Dafür gibt es bei jedem ein sichtbares Ergebnis - nur das zählt.“

Quelle: F.A.S.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fitness-Studios in Frankfurt Schöner schwitzen im Premium-Studio

Hobbysportlern mit Anspruch wird in Frankfurt viel geboten. Immer mehr exklusive Fitness-Studios eröffnen in der Stadt - und brauchen neue Clubmitglieder. Mehr Von Petra Kirchhoff

25.01.2016, 18:56 Uhr | Rhein-Main
#Nilsläuft-Leistungsdiagnose Schlaffe Beine, helle Köpfe

Fitness-Daten sammeln kann jeder. Aber wer detaillierte Körperwerte für sein Training braucht, kommt um eine Leistungsanalyse nicht herum. #Nilsläuft erklärt, wie das funktioniert. Mehr

05.02.2016, 08:55 Uhr | Sport
Vorwahlen in Amerika Drei Stunden Wüten und Wehklagen

Rechte Radiomoderatoren werfen in Amerika mit Halbwahrheiten und kruden Verschwörungstheorien um sich. Einer mit einem rundlichen Babyface kann das besonders gut: Steve Deace aus Iowa. Mehr Von Andreas Ross, Des Moines

30.01.2016, 12:52 Uhr | Politik
David Bowie Abschied vom Ausnahmemusiker

Hunderte Fans haben sich am Freitag auf einer Gedenkfeier in den Berliner Hansa Studios von David Bowie verabschiedet. Dabei war auch Toningenieur Eduard Meyer, der dort in den 70er-Jahren das legendäre Album Heroes mit aufgenommen hat. Mehr

16.01.2016, 13:35 Uhr | Feuilleton
Arbeitsbedingungen Neue Spielregeln für die Online-Welt

Ob Amazon, Zalando oder Goodgame Studios: Die Arbeitsbedingungen in der Internetbranche geraten immer wieder in den Fokus. Was ist dran an den Vorwürfen? Mehr Von Martin Gropp

04.02.2016, 05:00 Uhr | Beruf-Chance

Pflicht zur Information

Von Ralf Euler

Vertuscht Hessens Polizei gezielt Straftaten von Flüchtlingen? Eine Reihe von Fällen erweckt diesen Eindruck. Den Finger in die Wunde zu legen, ist hilfreich. Mehr 46

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen