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Tragischer Rekord Das Gehirn langsamer als der Wagen

Wie schnell kann ein Auto auf gerader Strecke fahren? Vor 75 Jahren wurde das auf der neuen Autobahn zwischen Darmstadt und Frankfurt getestet. Der damals populärste deutsche Rennfahrer verlor dabei sein Leben.

© Sportbildverlag Max Schirner Vergrößern Mit Krawatte im Cockpit: Bernd Rosemeyer war ein Draufgänger, gutaussehend, beliebt – bei den Medien der dreißiger Jahre, auch bei den nationalsozialistischen Machthabern.

Ja, es fällt einem heute viel ein gegen Rekordfahrten mit dem Automobil. Die Menschheit braucht natürlich keine schnellen Autos, sondern sichere und umweltfreundliche. Niemand braucht Motoren, die 200, 300, 400 oder gar 1000 PS leisten, um zwei Leute vorwärtszubewegen. Es wäre schlicht Unfug, vielleicht sogar strafbar, eine Autobahn als Piste für Weltrekordfahrten zu benutzen. Es gab aber andere Zeiten.

Die dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts sind durch Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus verdüstert. Doch sie waren bis zum Beginn des fürchterlichsten aller Kriege auch eine Zeit von Zukunftsgläubigkeit, voller Vertrauen in Wissenschaft und Technik. Und von schlichter Bewunderung für deren Versprechungen und Leistungen. Das Automobil hatte sich in den Vereinigten Staaten von Amerika zu einem Fortbewegungsmittel für jedermann entwickelt, war ein Vehikel geworden zur Erschließung des riesigen Landes. In Deutschland kam 1933 Adolf Hitler, der sich Führer nennen ließ - aber keinen Führerschein hatte und sich stets chauffieren ließ -, an die Macht und forcierte den Bau eines Jedermannautos. Der Diktator fand in Ferdinand Porsche, der Luxus-, Renn- und Rekordwagen konstruiert hatte, einen Ingenieur für diesen „Volkswagen“. Dafür wurde eine Gesellschaft gegründet, dann ein Werk, Ursprung des späteren Weltkonzerns. Das Hitler-Regime förderte auch den Rennsport, aus nationalistischen Motiven: Die Siege der „Silberpfeile“ der Marken Mercedes und Auto Union wurden gefeiert, als seien es gewonnene Schlachten gewesen, die Fahrer galten als Helden.

Mit 430 Kilometer pro Stunde von der Fahrbahn abgekommen

Vor 75 Jahren setzte solch ein als Held des deutschen und europäischen Motorsports gefeierter Rennfahrer, der 29 Jahre alte Bernd Rosemeyer, sein Leben für einen Rekord aufs Spiel. Er fuhr auch Rekord, verlor aber auf der damals neuen Autobahn zwischen Frankfurt und Darmstadt sein Leben. Sein knapp 600 PS starker Stromlinienwagen geriet bei einer Geschwindigkeit von mehr als 430 Kilometer pro Stunde von der Fahrbahn. Es war der 28. Januar 1938, 11.37 Uhr.

Bis heute gibt es nicht eine, sondern mehrere plausible Erklärungen für den Unfall, das Abweichen des für Geradeausfahrten aerodynamisch besonders stabilisierten Fahrzeugs. Im Windkanal der Auto Union war das bereits 1937 erfolgreiche Fahrzeug, mit dem Rosemeyer als Erster auf einer normalen Verkehrsstraße mehr als 400 Kilometer pro Stunde gefahren war, weiter optimiert worden, in der Annahme, dass es noch schneller werden könne.

Kämpferschicksal und Trost von Hitler

Warum misslang die neue Rekordfahrt? Mehrere Theorien dazu stehen heute im wissenschaftlich-technischen Widerstreit der Fachleute. Vermutet werden darf, dass wie so häufig mehrere Ursachen zusammenkamen: plötzlicher Seitenwind, Verlust von durch die Formgebung der Unterseite gewünschten Abtriebskräfte, die den Wagen stabilisieren sollten. Vielleicht auch eine Überreaktion des Fahrers beim Gegenlenken, ungleichmäßige Bremswirkung, als die linke Seite des Wagens auf dem Grünstreifen und die rechte auf der Betonfahrbahn rollte.

Nach Zeugenaussagen und Unfallrekonstruktionen stellte sich das Rekordfahrzeug nach der Berührung mit dem Grünstreifen quer zur Fahrbahn, überschlug sich mehrfach. Karosserie und Chassis wurden auseinandergerissen, Rosemeyer wurde aus dem offenen Fahrersitz herausgeschleudert. Er soll ganz friedlich und mit freundlichem Gesicht tot am Waldrand gelegen haben. Der Rennleiter der Auto Union, Karl Feuereissen, schrieb im Stil der Zeit: „Das Unbegreifliche, das Unfassbare war geschehen. Stumm lag Bernd Rosemeyer unter den Bäumen des deutschen Waldes, beim höchsten Einsatz seines Könnens bezwungen von der Urgewalt der Naturkräfte. - Kämpferschicksal!“ Hitler telegraphierte an Rosemeyers Witwe: „Möge der Gedanke, dass er im Einsatz für deutsche Geltung fiel, Ihren tiefen Schmerz lindern.“

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