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Traditionsunternehmen Rasmussen/Norma : Diesmal haben alle gewonnen

Made in Maintal: Eine Schlauchstelle aus dem Hause Norma. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Die Sorgen waren groß, als 2006 das Maintaler Traditionsunternehmen Rasmussen verkauft wurde. Doch nachdem er das Unternehmen, das jetzt Norma heißt, wieder auf Kurs gebracht hat, zieht sich der Finanzinvestor 3i nun zurück.

          Die Sorgen waren groß, als 2006 das Maintaler Traditionsunternehmen Rasmussen an einen Finanzinvestor verkauft wurde. Vor allem der Betriebsrat zeigte sich entsetzt. „Wir haben ja damit gerechnet, aber geschockt waren wir trotzdem“, hieß es seinerzeit knapp aus der Arbeitnehmervertretung. Da hatte die Belegschaft gerade erfahren, dass der Familienbetrieb künftig im Besitz von britischen Investoren mit dem seltsamen Namen 3i sein sollte. Sieben Jahre und mehrere Umbrüche später hat sich 3i nun in der Nacht zum Donnerstag zurückgezogen. Es ist eine Geschichte mit gutem Ausgang: Alle haben gewonnen. Nicht nur die Investoren, auch die Mitarbeiter und neuerdings sogar die Kleinaktionäre. So ist Norma, wie das Unternehmen inzwischen heißt, ein Beispiel dafür, dass es nicht immer zugeht wie bei einem Einfall von Heuschrecken, wenn Finanzinvestoren kommen.

          Manfred  Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Mit der Handelskette des gleichen Namens hat Norma nichts zu tun. Das Industrieunternehmen produziert in Maintal wie eh und je ein denkbar langweiliges Produkt, Verbindungs-Schellen, wie sie am Gartenschlauch benötigt werden oder am Turbolader eines Autos. Nach der Fusion 2006 mit einem anderen Unternehmen verfügt Norma über 18 Produktionsstellen, selbst in China, und Vertriebspunkten auf der ganzen Welt. Norma macht deutlich: Verbindungstechnik, so der hochtrabende Begriff für die Schellen, wird überall gebraucht.

          Investition auf Zeit

          Und wohl auch immer mehr davon. In den ersten drei Quartalen 2012 wuchs der Konzernumsatz um sechs Prozent auf knapp eine halbe Milliarde Euro, das Ergebnis stieg immerhin um vier Prozent. Im April 2011 hatte 3i Norma an die Börse gebracht, wo sich der Kurs zur allgemeinen Ernüchterung zunächst fast halbierte. Zuletzt aber ist er fast stetig gestiegen, und selbst Aktionäre, die zum Ausgabekurs gekauft haben, sind wieder im Plus, zumal die Dividende dazuzurechnen ist.

          Nun sah 3i den Zeitpunkt gekommen, Kasse zu machen. Finanzinvestoren engagieren sich grundsätzlich nur auf Zeit, die Aktienkurse steigen seit Wochen, und so mochten die Briten denken, dass es eigentlich noch besser nicht mehr werden kann. Am Donnerstag gab 3i bekannt, den nach dem Börsengang noch verbliebenen Anteil von 16,7 Prozent an der Aktiengesellschaft verkauft zu haben, an nicht genannte institutionelle Investoren. Das Interesse war beachtlich, und für die Briten war es ein äußerst erfolgreiches Geschäft. Rechnet man den Börsengang und den jetzigen Verkauf der letzten Anteile zusammen, hat 3i rund 385 Millionen Euro eingenommen. Damit haben die Finanzinvestoren ihr eingesetztes Kapital glatt verfünffacht.

          Der Standort hat nicht gelitten

          Der Standort Maintal hat bei alledem nicht gelitten, er ist ein Beweis dafür, dass auch an einem Hochlohnstandort industrielle Produktion funktionieren kann. Heute sind dort an die 750 Frauen und Männer beschäftigt, zur Zeit des Verkaufs an 3i war von 700 Mitarbeitern die Rede. Alles in allem beschäftigt der Konzern weltweit 4500 Frauen und Männer. Die Finanzinvestoren loben sich in ihrer letzten Pressemitteilung über Norma nach Kräften: Sie hätten aus einem mittelständischen Familienunternehmen einen Weltmarktführer gemacht. Das ist dick aufgetragen. Ganz falsch ist es aber nicht.

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