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Dienstag, 18. Juni 2013
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Tomi Ungerer im „Caricatura“ Von Fröschen und Spiegelbildern

 ·  Wenn der 1931 geborene Mann lacht, sieht das immer noch so aus, als amüsiere sich ein Junge diebisch über einen Streich. Dies bewies Tomi Ungerer bei der Eröffnung der Schau „Satiricon“ im „Caricatura“ in Frankfurt.

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Wie er die Relativität entdeckt hat, erzählt Tomi Ungerer. Sechs Jahre sei er damals alt gewesen. "Wir hatten nicht so viel Geld, aber zwei 20-Franken-Münzen, wissen Sie, die gab es zu Hause. Ich habe sie beide auf den Rand gestellt. Als meine Mutter die Tür aufmachte, fiel eine davon um, mit so einem Scheppern. Meine Mutter sagte, siehst du, Tomi, jetzt hat sich eine hingestellt, als ich hereingekommen bin." Nein, nein, die Wahrheit, die gebe es nicht, sagt er. In seinem neuen Buch gehe es auch ums Relative. Ein Mädchen, eine Art Rotkäppchen, treffe einen kleinen Riesen und einen großen Zwerg. Und alle hätten genau dieselbe Länge.

Wenn der Mann, der als Jean-Thomas Ungerer 1931 in Straßburg geboren wurde, lacht, sieht das immer noch so aus, als amüsiere sich ein Junge diebisch über einen Streich, der ihm soeben gelungen ist. Wie die Babys auf die Welt kommen, wisse man, wie die Erwachsenen auf die Welt kommen, nicht: Sätze dieser Art gehen ihm leicht von der Zunge. Er selbst sei immer "sein eigenes Kind" geblieben.

50 unveröffentlichte und fragmentarische Arbeiten

Der Zeichner, Illustrator, Graphiker, Objektkünstler, Schriftsteller war nach Frankfurt gekommen, wo eine Ausstellung mit etwa 170 seiner Werke eröffnet wurde, darunter mehr als 50 unveröffentlichte und fragmentarische Arbeiten. "Satiricon" nennt sich die Schau im Frankfurter Museum für Komische Kunst am Weckmarkt 17, auch als "Caricatura Museum" bekannt. Die Präsentation möchte das Spezifische an der satirischen Bildsprache des zwischen den Kulturen, der französischen, der deutschen und der elsässischen, aufgewachsenen Aufklärers mit dem manchmal bösen, oft auch zärtlichen Blick herausstellen, der sich nicht als Cartoonist versteht. Weniger die pointierte, witzige Kurzerzählung zeichnet seine Einzelblätter nämlich aus als vielmehr der komische Augenblick, in den von ihren Trieben geleitete und von den obwaltenden surrealen Umständen geprägte Lebewesen unversehens geraten. Als Kinderbuchgestalter hat Ungerer Kulturgeschichte geschrieben: In diesem Genre ist nichts mehr, wie es war, seit er Kinder Zigarre rauchen, Schnaps trinken und andere Tabus brechen ließ.

In der Schau im Leinwandhaus, dessen Holzpfeiler und Dachbalken Ungerer bewundert und für "schöner als die Ausstellung mit meinen Sachen" befindet, sind Plakate zu sehen, die ihn als unmittelbar politisch agierenden Graphiker zeigen, Zeichnungen aus seiner Knabenzeit, als die Deutschen das Elsass besetzt hatten und hochdekorierte Wehrmachtsoffiziere ins Blickfeld des Jungen gerieten, Porträts der amerikanischen Ostküstengesellschaft, die er furchtlos karikiert hat, was ihm manchen Ärger einbrachte. Publikationen wie "Das Kamasutra der Frösche" oder "Der Spiegelmensch" werden breit dokumentiert mit Beispielen aus mehreren Phasen des Entstehungsprozesses und unterschiedlichen Versionen. Das eine Buch war eine Reaktion auf die vermeintliche sexuelle Revolution, das andere eine philosophische Bildgeschichte über das Selbst und die anderen.

„Weihnachten interessiert mich nicht“

Vor ein paar Tagen ist Ungerer 80 Jahre alt geworden. "Ich bin ein freier Mensch. Geburtstage, Weihnachten, Neujahr interessieren mich nicht." Wenn er einen Freund wiedertreffe, sei das ein Geburtstag, eine Erneuerung der Freundschaft, darüber freue er sich. Dass es anlässlich seines Wiegenfests einen Medienrummel gab und nun auch vor der Eröffnung der Ausstellung sich etliche Fotografen und Kamerateams im Museum drängen, nimmt er gleichsam billigend in Kauf. Schließlich gehe es um die Vermarktung seiner Bücher, gibt er freimütig zu.

Er lebe, sagt er, stets in der Gegenwart: "Die Gegenwart ist eine dünne, vibrierende Membran zwischen Vergangenheit und Zukunft." Und es gehe eben immer weiter. Deshalb denke er nicht ans Aufhören. Immer habe er ohne Skizze gearbeitet, stattdessen zehn- bis fünfzehnmal neu angefangen. Eine Zeichnung müsse aus einem Schwung heraus entstehen. "Das fällt mir aber jetzt schwerer. Ich sehe nur noch auf einem Auge." Sich mit dem aufhalten, was er schon geschaffen hat, kommt für Ungerer dennoch nicht in Frage. Das können jetzt die Ausstellungsbesucher übernehmen.

Vom 8. Dezember bis zum 18. März zu sehen

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1955, Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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