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Tödlicher Unfall Schock und Trauer in Alzenau

10.01.2012 ·  Die Familien des Unfallfahrers und der beiden Toten kennen einander, die Kinder gingen in dieselbe Schule.

Von Agnes Schönberger, Alzenau
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Die Fahnen vor dem Alzenauer Rathaus wehen auf halbmast. Die Menschen in der Kleinstadt an der Grenze zu Hessen sind nach dem tragischen Verkehrsunfall vom Sonntag geschockt und in tiefer Trauer. Ein Autofahrer hatte nach einem Schlaganfall die Kontrolle über seinen Wagen verloren und war mit seiner Limousine in eine Familie beim Sonntagsspaziergang geschleudert. Die 36 Jahre alte Mutter und ihr siebenjähriger Sohn waren sofort tot. Der Vater und ein jüngeres Kind überlebten schwer verletzt. Der 51Jahre alte Fahrer schwebt nach wie vor in Lebensgefahr.

Bürgermeister Alexander Legler (CSU), der wegen des Unfalls den Winterurlaub abbrach, sagte am Dienstag bei einer Pressekonferenz, die Nachricht von dem Unglück habe ihn „ins Mark erschüttert“. Das Setzen der Fahnen auf halbmast sei ein „kleines Zeichen“, das zum Ausdruck bringen solle, dass die Menschen solidarisch seien und sich keine der beiden betroffenen Familien alleingelassen fühlen solle. Er warnte davor, eine „Gewichtung des Leids“ vorzunehmen. Sein Mitgefühl gelte beiden Familien.

Der Pfarrer spricht von „Verzahnungen und dramatischen Verstrickungen

Am Unglücksort stellten die Menschen Grablichter ab und legten Blumen nieder. Die Anteilnahme und Betroffenheit in Alzenau ist auch deshalb so groß, weil der Unfall jäh das Glück zweier Familien zerstörte. Die Eltern kannten einander, weil ihre Kinder dieselbe Grundschule besuchten. Der getötete Junge und der Sohn des Unfallfahrers waren in einer Klasse. Beide Familien leben in der 19.000 Einwohner zählenden Kommune. Der Einundfünfzigjährige ist Geschäftsführer einer mittelständischen Firma. Die getötete Mutter leitete die Kreativwerkstatt „Kreakids“, die Kinder und Jugendliche zum Experimentieren ermuntert. Sie sei tatkräftig, offen und sehr engagiert gewesen, beschreibt sie eine Mutter von drei Kindern, die die Familie recht gut kannte. Nach ihren Worten ist der Unfall überall Gesprächsthema. Von Schuldzuweisungen hält die Frau nichts. Schließlich habe der Fahrer nichts für das Unglück gekonnt. Ein Schlaganfall hatte ihn vermutlich bewegungsunfähig gemacht. Möglicherweise verkrampfte sich der Körper, und das Bein drückte das Gaspedal durch. Dies würde erklären, weshalb das Auto mit sehr hoher Geschwindigkeit in der Tempo-30-Zone unterwegs war und ungebremst gegen eine Hauswand prallte, von wo aus der Wagen in die Gruppe der Spaziergänger schleuderte.

Der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in Alzenau, Johannes Oeters, sprach am Dienstag von „Verzahnungen und dramatischen Verstrickungen“, die die Menschen hilflos machten. Er kritisierte die Journalisten, die am Montag Kinder auf dem Schulweg abgepasst und vor den Häusern der betroffenen Familien gewartet hätten. Nach seinen Worten darf es kein Täter-Opfer-Denken geben. Beiden Familien sei schreckliches Leid widerfahren, sagte er. Eine besondere Herausforderung stellte das tragische Ereignis für die Erich-Kästner-Grundschule am ersten Tag nach den Ferien dar. Rektor Franz-Peter Glock äußerte gestern, das Lehrerkollegium und er hätten ohne die Unterstützung durch das Krisen-, Interventions- und Bewältigungsteam bayerischer Schulpsychologen aus Würzburg diese schwierige Aufgabe nicht leisten können.

Schulpsychologen helfen

Statt in einer großen Schulversammlung wurden die Schüler im vertrauten Klassenverband über die Geschehnisse informiert. Den Lehrern wurde empfohlen, Gefühle zuzulassen und zu zeigen. „Das war der erste Türöffner zu den Kindern und hat sie zum Reden gebracht“, sagte Glock. Nach seinen Worten reichte das Verhalten der Schüler von scheinbarer Teilnahmslosigkeit bis hin zu einem breiten Mitteilungsbedürfnis. Natürlich seien auch Tränen geflossen.

Die Schulpsychologin Petra Meißner bereitete die Pädagogen darauf vor, dass sie mit allen möglichen Reaktionen rechnen müssten, mit Weinkrämpfen, Lachanfällen, totaler Zurückgezogenheit oder auch einer Überaktivität. Dieses Auf und Ab der Gefühle sei normal, sagte sie.

Fahrer nicht aus der Klasse genommen

Weil das Bedürfnis nach Informationen und Austausch groß ist, wurde für heute zu einem Elternabend eingeladen. Für Freitag um 10.45 Uhr ist ein ökumenischer Gottesdienst in der katholischen Kirche St.Justinus geplant, „unter Ausschluss der Presse“, wie der Pfarrer herausstellte.

Die Frage einer Journalistin, ob der Sohn des Unfallfahrers aus der Klasse genommen werde, beantwortete Glock mit einem klaren Nein. Dies werde nicht passieren, weil es keine Probleme löse und verhindere, die Kinder in die Normalität zurückzuführen. Bei den Schülern spielt Oeters zufolge diese Frage ohnehin keine Rolle. Sie würden mit Kindern beider Familien mitfühlen, sagte er.

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Jahrgang 1956, freie Autorin für die Rhein-Main-Zeitung in Aschaffenburg.

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