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Tod von Bruno H. Schubert : Ein Krimi mit offenem Ende

Wie im Film: Schubert und seine Frau Meharit 2009 in Berchtesgaden Bild: Guido Krzikowski / Roba Press

Fünf Jahre nach dem Tod von Bruno H. Schubert sind die Umstände seines Ablebens noch immer nicht geklärt. Jetzt hat sich der Landtag mit den Mord-Ermittlungen beschäftigt.

          Die Geschichte des Todes von Bruno H. Schubert, Erbe der Henninger-Brauerei, Frankfurter Ehrenbürger und Mäzen, hätte sich kein Drehbuchautor besser ausdenken können. Ein reicher, alter Mann stirbt, zuvor macht er seine sehr viel jüngere Frau noch zur Alleinerbin. Schnell werden Gerüchte laut, bei dem Ableben sei es nicht mit rechten Dingen zugegangen. Im Blut des Toten werden später starke Schmerzmittel gefunden, die ihm sein Arzt nicht verschrieben hatte. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen schleppend, und als der Mediziner vernommen werden soll, stirbt auch er unter seltsamen Umständen.

          Denise Peikert

          Freie Autorin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mehr als fünf Jahre nach Schuberts Tod im Oktober 2010 hat sich der hessische Landtag mit dem Fall beschäftigt. Seit Mai 2012 führt die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren in der Sache, seit Frühjahr 2014 steht Schuberts Witwe Meharit unter Mordverdacht. „Es ist unerklärlich, warum die Ermittlungen bei einem eigentlich überschaubaren Sachverhalt nach mehr als fünf Jahren noch nicht abgeschlossen sind“, sagte die rechtspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Heike Hofmann, im Rechtsausschuss des Landtags. Sie hat Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) in einem Berichtsantrag zu den langen Ermittlungen befragt.

          Sohn erhebt Vorwürfe gegen Staatsanwaltschaft

          Die Causa Schubert ist kein angenehmes Thema für die Justiz. Es ist bekannt, dass ehemalige Oberstaatsanwälte regelmäßig im Hause Schuberts zu Gast gewesen sind. Und es heißt, Meharit Schubert habe Telefonate zwischen ihnen und ihrem Mann mitgeschnitten. Die Justizministerin sagte zu all dem gar nichts. Sie zog sich auf die laufenden Ermittlungen zurück und betonte immer wieder eine Selbstverständlichkeit: „Ich greife in die Ermittlungstätigkeit der Staatsanwaltschaft nicht ein.“

          Die Vorwürfe, die der uneheliche Sohn von Bruno H. Schubert den Ermittlungsbehörden macht, sind schwerwiegend. „Die Staatsanwaltschaft hat von Anfang an schleppend ermittelt“, sagt Hanns Peter Nerger. Schon im November 2010, einen Monat nach dem Tod seines Vaters, will er der Staatsanwaltschaft ein Protokoll der Privatsekretärin Schuberts übergeben haben. Darin schildert diese die letzten Tage ihres Chefs und belastet insbesondere Meharit Schubert und Schuberts Leibarzt schwer. Die Sekretärin und andere Hausangestellte wollen dem Protokoll zufolge beobachtet haben, wie Schubert in den Tagen vor seinem Tod von seiner Frau und dem Arzt absichtlich Flüssigkeit vorenthalten wurde. Der Mediziner habe Schubert außerdem mindestens eine Spritze gegeben. Danach sei es Schubert rapide schlechter gegangen, bald sei er gestorben.

          Erst im Januar 2011, mehrere Monate (oder wenige, wie die Justizministerin sagt) nachdem das Protokoll die Staatsanwaltschaft erreicht hat, leitet die Behörde Ermittlungen ein, zunächst wegen unterlassener Hilfeleistung. Im Mai 2012 wird der Leichnam Schuberts exhumiert und gerichtsmedizinisch untersucht. Im Körper finden sich zwei starke Schmerzmittel, die unter anderem dämpfend auf die Atmung wirken. Dabei habe Schubert, so sagt es sein Sohn, nie über Schmerzen geklagt. In den Unterlagen des Leibarztes findet sich kein Hinweis auf die Verabreichung des Medikaments. Den Hausangestellten soll der Mediziner gesagt haben, er habe seinem Patienten Blutverdünner gespritzt.

          Der Fall ist „außergewöhnlich umfangreich und komplex“

          Drei Staatsanwälte haben in den vergangenen Jahren die Ermittlungen in dem Fall geführt. Laut der Behörde ist nicht absehbar, wann sie abgeschlossen werden. Der Fall, so geht es aus der Antwort des Justizministeriums an den Rechtsausschuss des Landtags hervor, sei „außergewöhnlich umfangreich und komplex“. Worin die Komplexität besteht, wollte die Ministerin unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht sagen. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft ließ wissen, es dauere so lange, weil noch immer die Mitschnitte ausgewertet würden, die Meharit Schubert von den Telefonaten ihres Mannes angefertigt habe.

          Je länger ein Ermittlungsverfahren dauert, desto schlechter wird das Gedächtnis der Zeugen. Der Leibarzt Schuberts, so erzählt es sein Sohn, habe immer wieder wirr davon gesprochen, er wisse ja, wie das damals gelaufen sei. Auch gegen ihn hat die Staatsanwaltschaft wegen Totschlags ermittelt. Doch wenige Tage nachdem die Polizei den Mediziner zur Vernehmung geladen hatte, ist er in einem kleinen Fluss in Frankreich ertrunken.

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