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Tierklinik in Linsengericht : Strahlenklinik für krebskranke Pferde

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Letzte Hoffnung Tierklinik: Norweger-Pferd „Rasputin“ liegt narkotisiert unter dem Linearbeschleuniger. Bild: dpa

Eine neue Klinik in Linsengericht ist die letzte Hoffnung für den schwerkranken Wallach Rasputin. Tierbesitzer sind immer häufiger bereit, viel Geld für solche Behandlungen auszugeben.

          Nach der Behandlung, die ihm das Leben retten soll, ist Rasputin noch etwas benommen. Mit nachlassender Narkose kommt der 28 Jahre alte Wallach wieder auf die Beine. Etwas staksig, aber er steht und schüttelt sich. Tierärztin Janine Brunner schaut zufrieden in die gepolsterte Aufwachbox und sagt: „Er hat’s gut überstanden. Ich bin überzeugt, wir konnten ihm helfen.“ Rasputin leidet unter einem Krebstumor am „Schlauch“, dem Penis.

          „Eine Strahlentherapie war die einzige Möglichkeit für ihn“, erklärt Pferdebesitzerin Stefanie Lobbe. Die 31 Jahre alte Bürokauffrau aus Nordrhein-Westfalen hat ihr geliebtes Freizeit-Pferd dafür ins hessische Linsengericht (Main-Kinzig-Kreis) gebracht. Dort ist seit wenigen Monaten ein neues onkologisches Zentrum für Veterinärmedizin geöffnet. Es ist nach Betreiberangaben eine deutschlandweit einmalige Strahlenklinik für krebskranke Pferde. „Etwas Vergleichbares gibt es erst wieder in England und den Vereinigte Staaten“, sagt Inhaber Tim Kowalewski, studierter Ingenieur und Inhaber der Equinox Healthcare GmbH. Die Pferdeklinik der Universität Gießen bestätigte das Alleinstellungsmerkmal.

          Nichts was dem Tier wirklich helfen konnte

          Kowalewski hat früher Bestrahlungsgeräte verkauft und die „Marktlücke“ erkannt - angesichts von 1,2 Millionen Pferden allein in Deutschland und einer „steigenden Krebsrate“. Mit der Unterstützung von Investoren hat er für sieben Millionen Euro die Klinik nahe der Autobahn 66 östlich von Frankfurt bauen lassen. Auf die Idee kam Kowalewski, als er nach einer Strahlentherapie für das krebskranke Pferd seiner Frau suchte; „aber es gab auf dem europäischen Festland nichts“, was dem Tier wirklich helfen konnte.

          Nun behandelt Kowalewskis Team Tiere fast aller Größen: „Vom zwei Kilogramm leichten Kaninchen bis zum 950 Kilogramm schweren Kaltblut-Pferd können wir alles punktgenau und schonend bestrahlen“. Dabei kommen modernste Technologien und Verfahren zum Einsatz, die aus der Humanmedizin stammen und auch zum Beispiel bei Pferden angewendet werden können. „Mit der Verwendung eines Linearbeschleunigers sind wir der einzige Anbieter in Deutschland.“ Doch nicht alle Veterinärmediziner sind so euphorisch. Der Münchner Tierarzt Ulrich Wendlberger etwa hält die Methode mit Vollnarkose und Linearbeschleuniger für überdimensioniert. Auch Professor Michael Röcken von der Pferdeklinik an der Universität Gießen gibt kritisch zu bedenken: Es könnten nicht alle Tumorarten bestrahlt werden. Und um die Erfolgsaussichten zu bewerten, fehle noch Datenmaterial.

          Über 200 erfolgreiche Narkosen

          Vollnarkosen seien für die Pferde auch risikoreich. Sie könnten sich in der Aufwachphase die Gliedmaßen brechen. Die Klinik in Linsengericht versichert, alles zur Reduzierung der Narkoserisiken zu tun. „In der kurzen Zeit seit der Inbetriebnahme können wir auf über 200 erfolgreiche Narkosen zurückblicken“, sagt der Klinikchef.

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