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Thomas Demand im Städel : Ein Vorhang ist kein Vorhang ist kein Vorhang

Das Foto täuscht: die Rauminstallation „Saal“ des Künstlers Thomas Demand im Städel. Bild: Wonge Bergmann

Wahrscheinlich werden sich viele, die den Raum erstmals betreten, verwundert die Augen reiben. Thomas Demand hat dem Metzler-Saal im Städel ein völlig neues Aussehen gegeben.

          Das Foto täuscht. Und wahrscheinlich werden sich auch viele, die den Raum erstmals betreten, verwundert die Augen reiben. Der Trompe-l'oeil-Effekt bleibt nicht aus. Und damit ist man schon mitten in der Kunstgeschichte, bei den alten Meistern, bei einer Kunst, die Schein erzeugt, indem sie anstrebt, mit den realen Dingen verwechselt zu werden. Und die mitunter akkurater und prächtiger wirkt als die Realität selbst, wenn es etwa um den Faltenwurf kostbarer Gewänder geht. Die Gestaltung der Textilmassen auf Gemälden wie etwa van Eycks "Lucca-Madonna" erlaubte es den Künstlern in besonderer Weise, ihre Kunstfertigkeit, aber auch die Tatsache unter Beweis zu stellen, dass ihre Werke wirklicher als die Wirklichkeit sind. Von idealer Schönheit. Von vollkommener Form.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Der 1964 in München geborene Thomas Demand hat dem Metzler-Saal im Städel ein völlig neues Aussehen gegeben. An allen vier Wänden prangen purpurfarbene Vorhänge. Tatsächlich handelt es sich um Stoff, der dort zu sehen ist. Aber er ist völlig flach und auf Holzpaneele gespannt. Das textile Material wurde in einem aufwendigen Verfahren bedruckt. Was sich dem Blick allerdings zeigt, ist nicht etwa das Bild eines tatsächlich existierenden Vorhangs, sondern das eines Papiermodells, einer Vorhang-Attrappe gewissermaßen, die im Studio aufgebaut und fotografiert wurde.

          Die Moderne und die Avantgarde

          Im Metzler-Saal präsentiert sich nun eine aus zahlreichen Bestandteilen zusammengesetzte Arbeit, deren nebeneinanderliegende Elemente unterschiedliche Faltenwürfe und Unebenheiten aufweisen, obwohl jedes Einzelbild des schlicht "Saal" betitelten Werks achtmal vorhanden ist. Ein Vorhang ist kein Vorhang ist kein Vorhang: Demand lässt sich als zeitgenössischer Künstler nicht nur auf die alten Meister ein, er verweist auch auf die Moderne und die Avantgarde. Gerhard Richters "Großer Vorhang" von 1967 ist ein Werk, dessen Bezug zur Gestaltung des Metzler-Saals unmittelbar einleuchtet.

          Aber die konzeptuelle Ausrichtung der Kunst nach 1945 ist generell angesprochen in der Arbeit des Künstlers, die aus Mitteln des Städelkomitees 21. Jahrhundert erworben und vom dänischen Textilunternehmen Kvadrat produziert und gefördert wurde. So ist der neue Metzler-Saal ein Scharnier zwischen Tradition und aktueller Kunst, wie sie demnächst im Städel-Erweiterungsbau zu erleben ist. Vor allem aber wird der Raum bald wieder sein, was er vorher schon war: ein Ort zum Feiern. Anregende Irritation nunmehr inbegriffen.

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